Kirchheim

Mehrheit der Schulen rund um die Teck lehnt vorzeitige Ferien ab

Bildung Früher in die Weihnachtsferien starten: Das rät Kultusministerin Eisenmann den Schulen im Land. In Weilheim und Kirchheim bleibt aber alles beim Alten. Von Antje Dörr

An Kirchheimer und Weilheimer Schulen bleibt alles beim Alten. Die Schüler werden erst am 22. Dezember in die Weihnachtsferien g
An Kirchheimer und Weilheimer Schulen bleibt alles beim Alten. Die Schüler werden erst am 22. Dezember in die Weihnachtsferien geschickt. Foto: Peter Eidemüller

Wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an Schüler und Lehrer mutet der Vorschlag von Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) an, die Weihnachtsferien aufgrund der Pandemie um zwei Tage vorzuziehen. Der Inhalt erfreut allerdings nicht jeden. Denn geschenkt sind die beiden Tage natürlich nicht. Sie müssen von den beweglichen Ferientagen abgezwackt werden, die für 2021 in einem aufwendigen Prozess festgelegt worden sind.

In Kirchheim und Weilheim haben die geschäftsführenden Schulleiter bereits entschieden, dass sie dem Vorschlag Eisenmanns nicht folgen. Er halte es für falsch, bewegliche Ferientage einfach zu verschieben, sagt Robin Fehmer, geschäftsführender Schulleiter und Rektor der Weilheimer Realschule. „Der Plan wird immer lange im Vorhinein gemacht, weil die Leute Planungssicherheit brauchen“. In Weilheim soll der letzte Schultag also ganz regulär der 22. Dezember sein.

Schulleiter gegen Verlängerung

In Kirchheim habe „eine überzeugende Mehrheit der Schulleiter und Elternvertreter im Rahmen des Fachforums Schule dafür gestimmt, die Weihnachtsferien nicht vorzuziehen“, sagt Clemens Großmann, geschäftsführender Schulleiter in Kirchheim und Rektor der Freihof-Realschule. Das Ergebnis spiegelt seine persönliche Haltung wider, die er schon vor der Sitzung des Fachforums Schule im Telefongespräch mit dem Teckboten geäußert hatte. „Ich kann den Mehrwert nicht erkennen. Auf zwei Tage kommt es meiner Meinung nach nicht an“, sagte er. Eltern, die beispielsweise im Einzelhandel arbeiteten, hätten sicher Probleme, für die beiden Tage Urlaub zu bekommen. Gestört hat Großmann auch die Art und Weise, wie der Vorschlag Eisenmanns übermittelt worden ist. „Es ist schwierig, wenn man aus den Medien erfährt, dass es diese Option gibt“, sagte er.

Erich Merkle steht aktuell noch vor der Aufgabe, gemeinsam mit seinen Schulleiter-Kollegen und den Eltern zu entscheiden, ob die Weihnachtsferien vorgezogen werden sollen oder nicht - und wenn ja, welche beweglichen Ferientage dafür 2021 gestrichen werden. Merkle, Schulleiter der Grund- und Werkrealschule Lenningen und geschäftsführender Schulleiter für den Gemeindeverwaltungsverband Lenningen, ist skeptisch, ob es gelingen wird, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. „Grundsätzlich sehen wir schon, dass es im Kampf gegen die Pandemie gut wäre, die Schulen zwei Tage früher zu schließen“, sagt Merkle.

Doch selbst, wenn sich die Lenninger und Owener Schulen auf ein gemeinsames Vorgehen verständigten, und Kirchheim gehe einen anderen Weg, sei das für die Eltern, deren Kinder Schulen in Lenningen und Kirchheim besuchten, sehr ungünstig. „Das gut abzustimmen, ist fast nicht möglich“, sagt Merkle und schiebt hinterher: „Es wäre uns deutlich lieber, Frau Eisenmann hätte das innerhalb ihrer Kompetenz entschieden.“

Eltern wünschen einheitliche Regelung 

Aus der Elternschaft kommen gemischte Signale. „Es gibt viele Kritiker, aber auch Befürworter der Verlängerung der Weihnachtsferien“, sagen Claudia Gerlach-Reck und Stefanie Rau im Namen des Vorstands des Gesamtelternbeirats (GEB) der Kirchheimer Schulen. Der GEB-Vorstand positioniert sich allerdings eindeutig: „Wir können nicht nachvollziehen, dass das Kultusministerium eine Verlängerung der Weihnachtsferien in die Diskussion bringt, die Entscheidung und eventuelle Umsetzung aber den Kommunen und Schulleitern überlassen wird“, sagen Gerlach-Reck und Rau. Eine einheitliche Regelung und konkrete Vorgaben zur Umsetzung für ganz Baden-Württemberg seien wünschenswert. Der GEB-Vorstand hat dem Wunsch der Kirchheimer Schulleiter zugestimmt, die Weihnachtsferien nicht früher beginnen zu lassen. „Ein wesentlicher Aspekt war für uns Eltern, dass eine Notfallbetreuung unter den gegebenen Rahmenbedingungen an Grundschulen nicht organisierbar ist“, so Claudia Gerlach-Reck und Stefanie Rau.

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