Kirchheim

Mensch ärgere dich nicht für Busse

Ampelschaltung Alte Systeme in Kirchheim und Weilheim reagieren nicht auf neue Fahrzeuge.

Kirchheim. Die Stadt Kirchheim ist eine Insel – zumindest was den LSA-Bereich anbelangt. Die Abkürzung steht für Lichtsignalanlagen und die sorgen dafür, dass Busse immer freie Fahrt haben, und sich die Ampel auf wundersame Weise immer auf grün schaltet, sobald sich ihr ein solches Gefährt nähert. So freut sich seit Jahren jeder Autofahrer, wenn er das Glück hat, direkt hinter einem Bus wenigstens ein Teilstück durch die Teckstadt zu fahren, denn die grüne Welle ist dann auch ihm gewiss.

Den Schwarzen Peter haben aber all diejenigen, die auf „Kollisionskurs“ mit dem privilegierten Bus sind. Dazu zählen dann auch die Fußgänger, die definitiv immissionsfrei unterwegs sind. So kann es passieren, dass Fußgänger in einer gefühlten Endlosschleife beispielsweise an der Ampel am Kirchheimer Bahnhof stehen, Bus und S-Bahn schon abfahren sehen, weil dank der ein- oder ausfahrenden Busse die Fußgängerampel partout nicht auf grün schalten will. Den Autofahrern geht es da besser, sie dürfen fahren, der Fußgänger steht jedoch drei Ampelrunden still – und das verstehe wer will.

Ähnliche Erfahrungen machen jetzt auch die neuen Busse der Württembergischen Bus-Gesellschaft (WBG), die seit Januar in der Raumschaft Kirchheim unterwegs sind. Sie stehen quasi minutenlang wie beim Mensch ärgere dich nicht-Spiel vor dem Loch und kommen nicht in den Busbahnhof rein, denn das einstmals so moderne Kirchheimer System funktioniert zwar weiterhin hervorragend, ist jedoch gnadenlos veraltet – Ersatzteile zu finden, wird immer schwerer oder nahezu unmöglich. Die WBG-Busse sind mit modernen IT-Systemen, beispielsweise GPS-gesteuert, unterwegs und die sind nicht oder nur äußerst schwierig mit dem alten System kompatibel. „Unsere Techniker sehen möglicherweise eine Möglichkeit, dass wir nachrüsten können“, zeigt sich Horst Windeisen, Geschäftsführer der WBG, leicht optimistisch. Das Problem war von an Anfang bekannt, nun wollen sich alle Beteiligten mit der Kirchheimer Verwaltung an einen Tisch setzen und nach einer raschen Lösung suchen.

„Uns war klar, dass wir irgendwann was machen müssen“, sagt Marcus Deger, Leiter des Kirchheimer Ordnungsamts. Der Themenkomplex ÖPNV sei ein großes Thema in Kirchheim. Wenn irgend möglich, soll sich der Stadtrat noch in diesem Quartal damit befassen. Eine Analyse der Situation ist seiner Aussage nach schon gemacht. „Jetzt steht der nächste Schritt an. Wir werden die Daten konkreter auswerten und analysieren und mit einem entsprechenden Vorschlag an das Gremium herantreten“, so Deger. Die LSA-Anlagen sind nur ein Teil des Ganzen, so geht es beispielsweise auch um behindertengerechte Bushaltestellen und um das Stichwort Stadtticket – und all das kostet Geld, weshalb der nächste Schritt laut Deger wohlüberlegt sein will.

Eine ähnliche Situation gibt es in Weilheim. Auch hier funktioniert die Anforderung einer grünen Ampel mit den „alten“ Bussen der Firmen Fischer und Weissinger. Sie haben bisher die Linien in der Raumschaft Kirchheim gefahren und ihre Fahrzeuge dementsprechend ausgerüstet. Beide Firmen sind nun Subunternehmer der WBG, allerdings mit weniger Bussen. Iris Häfner

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