Kirchheim

Menschen helfen, nicht Regierungen

Buchvorstellung Um die Abwanderung aus Afrika zu reduzieren, müssen dort die Bedingungen verbessert werden.

Symbolbild

Kirchheim. Der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Decker hat in der Kirchheimer Bastion vor rund 40 Zuhörern sein Buch „Europa und Afrika - von der Krise zu einer gemeinsamen Zukunft der Nachbarkontinente“ vorgestellt. Die Veranstaltung reihte als Anschluss an den Vortrag Ludwig Kirchners zum Thema „Afrika - zwischen Zukunftsoptimismus und Abwanderung“ ein. Für Besucher beider Veranstaltungen ergaben sich somit zwei verschiedene Blickwinkel auf die aktuelle und zukünftige deutsche Entwicklungszusammenarbeit in Afrika.

Rudolf Decker nannte Zahlen, die das ganze Ausmaß der Fluchtbewegungen und -ursachen deutlich machen: Von den südlich der Sahara lebenden Menschen würden mehr als 390 Millionen von weniger als 1,70 Euro am Tag leben. In der heutigen globalisierten Welt, „in der wir alle miteinander im Glashaus sitzen“, träumten viele Afrikaner von einem besseren und sichereren Leben und machten sich daher auf den gefährlichen Weg nach Europa.

Im Zentrum von Deckers Buch steht seine Vision einer engen Zusammenarbeit von Europa und Afrika. Um die Fluchtursachen nachhaltig zu bekämpfen, sind aus seiner Sicht die Verwirklichung von Demokratie, Menschenrechten und Sozialstaatlichkeit in Afrika unabdingbar. Grundrechte wie der Schutz der Menschenwürde müssten gewährleistet sein. Vor allem die Bereiche Landwirtschaft und Handwerk müssten in Afrika gestärkt werden, um den Ländern dort ein nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen. Ziel müsse sein, die Bürger beider Kontinente für die Vision zu gewinnen. Nur, wenn Bürger, Medien und Öffentlichkeit die Vision mittragen, sei diese realisierbar. „Wir müssen umdenken“, forderte Rudolf Decker. Noch habe man die Wahl, im Hinblick auf das Verhältnis von Europa und Afrika, zwischen „bewusst gestalten“ und „tatenlos zusehen“. Eine Kooperation der Kontinente - am besten unter Einbeziehung von China, das in Afrika in hohem Maße investiert und dort zum führenden Entwicklungshelfer geworden ist - sei eine Lebensaufgabe für die junge Generation.

In der anschließenden Diskussion wurden viele weitere Kernthemen und Kritikpunkte der aktuellen Entwicklungszusammenarbeit angesprochen. Ein junger Kameruner brachte das ganze Dilemma unter dem Beifall der übrigen Zuhörer auf den Punkt: „Bislang hat Europa vor allem den afrikanischen Regierungen, aber nicht der Bevölkerung geholfen.“pm

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