Kirchheim

„Midnight-RIDE“ gipfelt in radelnder Lichterkette

Aktion Die Radkulturkommune Kirchheim feiert eine ausgelassene Fahrradparty in der gesamten Innenstadt. Von Günter Kahlert

„Midnight-RIDE“ gipfelt 
in radelnder Lichterkette
„Midnight-RIDE“ gipfelt 
in radelnder Lichterkette

Der Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen verheißt nichts Gutes: 13 Grad, Nieselregen. Kein Wetter für die Fahrradparty auf dem Kirchheimer Marktplatz. Aber es kommt noch anders, und am Ende dreht eine leuchtende Radlerkette zwischen den Fachwerkhäusern der Innenstadt gut gelaunt ihre Runden. Doch der Reihe nach.

Schon während des Sonntags laufen die Vorbereitungen: Aufbau der großen Bühne auf dem Marktplatz, Absperrgitter in der Marktstraße und Max-Eyth-Straße sowie die Einrichtung des Fahrradparkplatzes zwischen Martinskirche und Kornhaus. Kulinarisch geht es schwäbisch-bodenständig zu. Es gibt Maultaschen, aber nicht aus einem der sonst unvermeidlichen „Foodtrucks“, sondern – passend zur Fahrradparty – von der „Maultaschen-Rikscha“. Neudeutsch würde man es wohl „Foodbike“ nennen, auf jeden Fall eine witzige Idee. Außerdem hat die Kirchheimer Radstation ein Zelt als „Radcheck“ aufgebaut. Nicht unwichtig: Ab Mittag wird das Wetter besser, trocken und zunehmend sonnig.

Alles am Start also, als gegen 17.30 Uhr der erste Radfahrertross vom Startpunkt Oberlenningen auftaucht. Eine der fünf Strecken, auf denen die Radler sternförmig den Kirchheimer Marktplatz ansteuern. Dem einen oder andern ist die Anreise vom eigenen Heimatort schlicht zu wenig. Der Owener Hermann Vollmer beispielsweise, Mitglied der Dettinger Radsenioren: „Von Owen nach Kirchheim ist mir zu kurz. Ich bin erst nach Oberlenningen und dann mit der Gruppe nach Kirchheim gefahren.“ Oder der Kirchheimer Joachim Diefenbach, der mit Ehefrau Christa auch zuerst nach Oberlenningen radelte: „Mir ging es heute darum, aus der Bude rauszukommen. Und vom Klosterviertel auf den Marktplatz, das ist ja wohl ein bisschen wenig“, schmunzelt er. Zu den ersten auf dem Marktplatz gehörten auch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, logischerweise mit Fahrrad, und Bürgermeister Günter Riemer. Der ausgewiesene Fahrrad-Enthusiast kommt mit Tandem und Sohn Tom. Jedenfalls heißt es nach der Ankunft erst einmal Fahrrad hinter dem Kornhaus parken und die LED-Aufstecker für die nächtliche Aktion abholen.

Das Warmup für den „MidnightRIDE“ verläuft entspannt. Sitzen, quatschen, fachsimpeln und Entertainment von Antenne 1 inklusive der Oberbürgermeisterin auf der Bühne im Talk mit Moderator Mathias Braun. Ihr ist wichtig, dass es nicht nur um die Party geht: „Es geht um das Fahrradfahren, und dass immer mehr Menschen klar wird, dass das Fahrrad auch ein alltägliches Verkehrsmittel ist“. Angelika Matt-Heidecker erzählt von der städtischen Sommeraktion, als auch sie drei Wochen nur mit dem Fahrrad unterwegs war. „Es war nicht ganz einfach, vor allem bei Auswärtsterminen, aber ich habe das durchgezogen“, meint sie nicht ohne Stolz. Aber noch wichtiger ist ihr die Erfahrung, wie viele Menschen das angenommen haben.

Als es dann auf den Höhepunkt der Aktion zugeht, wächst die Erwartung auf dem Marktplatz sichtlich. Mehr als 500 Teilnehmer sind es inzwischen geworden, zwischen acht und 80 ist jedes Alter vertreten. Der dreifache Deutsche Meister im BMX-Radfahren Chris Böhm zeigt noch einmal seine artistischen Einlagen, und dann geht es um Punkt 20 Uhr los. Start ist am Marktbrunnen, immer schön einer nach dem anderen, damit das mit der „Radlerkette“ auch funktioniert. Die Marktstraße hoch, dann rechts ab auf den gesperrten Alleenring und an der Kreissparkasse wieder über die Max-Eyth-Strasse auf den Marktplatz zurück. Einige begnügen sich mit einer Runde, den meisten ist das zu wenig, es macht offensichtlich Laune. – Eine radelnde Lichterkette zwischen den Fachwerkhäusern, ein fast unwirklich schönes Bild. Erst nach 20 Minuten Rundkurs biegen die letzten Radler wieder auf den Marktplatz ein. Und dann ist bis 22.30 Uhr noch Aftershow-Party angesagt.

Eine rundum gelungene Aktion, Kirchheims „Vorradler Nummer 1“ Günter Riemer hat nur noch ein Wort dafür: „Super“.

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