Kirchheim

Mit Andreassen durch Stadt und Schloss

Geschichte Die Landtagsabgeordneten Andreas Kenner und Andreas Schwarz boten erstmals eine gemeinsame Kombiführung durch Kirchheim an. Von Andreas Volz

Mit Andreas Kenner (Mitte) und Andreas Schwarz (links) ging es gestern erst durch die verregnete Kirchheimer Innenstadt und ansc
Mit Andreas Kenner (Mitte) und Andreas Schwarz (links) ging es gestern erst durch die verregnete Kirchheimer Innenstadt und anschließend ins Schloss.Foto: Markus Brändli

Wenn es nur immer so schnell ginge in der Politik: Nach Jahr und Tag haben die Kirchheimer Landtagsabgeordneten Andreas „Anne“ Kenner (SPD) und Andreas Schwarz (Grüne) ihr Versprechen eingelöst und gemeinsam eine kombinierte Stadt-Schloss-Führung angeboten. Eine treue Schar begleitete sie trotz Regen von Keller zu Keller, also von der Bastion zu den Kasematten, um zwischendurch alle möglichen An(n)ekdoten über die Stadtgeschichte zu hören.

Am 30. August 2017 war das Porträt der Schwiegertochter Herzogin Henriettes - Claudine Gräfin Rhédey von Kis-Rhéde - im Kirchheimer Schloss offiziell enthüllt worden. Spontan hatten die beiden Landespolitiker aus diesem Anlass die gemeinsame Führung vereinbart. Gestern, am 31. August 2018, war es nun so weit. „Fernab von Wahlkampfzeiten können wir so etwas machen, über alle Parteigrenzen hinweg“, scherzte Andreas Kenner gleich zu Beginn.

Selbst über den Beginn der Siedlungsgeschichte in Kirchheim ulkte er: „Bei uns sind Siedlungsreste aus der Jungsteinzeit nachgewiesen. Deswegen beantrage ich, aufs Ortsschild zu schreiben: ,Kirchheim - älter als Babylon‘.“

Chronologisch ging es bei Andreas Kenner allerdings nicht durch die Geschichte. Er griff lieber Schlaglichter auf, die ihm wichtig sind. Erstes Schlaglicht: der Stadtbrand vom 3. August 1690. Auch dabei geht es ihm nicht nur um das historische Ereignis, sondern um ironische Bezüge zur Gegenwart. „Da stand von einem Tag auf den anderen so gut wie gar nichts mehr innerhalb der Stadtmauern, und drei Jahre später war fast alles wieder aufgebaut. Das würde man heute so schnell nicht hinkriegen.“

Nächstes Highlight: die Gründung des Clubs Bastion vor 50 Jahren und der skandalträchtige Nacktauftritt von Otto Muehl auf der Bastionsbühne. „Das war damals eine ganz andere Atmosphäre. Man wollte mit diesem Auftritt das Establishment Kirchheims schockieren.“ 1968 ist das mit solchen Mitteln auch noch gelungen.

Ein weniger bekannter Höhepunkt in Kirchheims Geschichte ist die spanische Besatzung in den späten 1540er-Jahren. Auch hier zieht Andreas Kenner seine eigenen Konsequenzen aus der Geschichte: „1 300 Spanier in der Stadt! Deswegen haben die echten Kirchheimer auch alle spanisches Blut in ihren Adern, und nur deswegen gibt es bei uns so viele Biergärten, Straßencafés und Veranstaltungen.“ Das sei doch ganz anders als in einer Stadt in der näheren Umgebung. Deren Namen nennt Andreas Kenner nur ungern, „aber sie ist durch die Buslinie 166 mit uns verbunden“.

Später kommt er doch auf den Namen der Stadt zu sprechen, im Zusammenhang mit dem absoluten Tiefpunkt der Kirchheimer Geschichte: „Wir waren Oberamtsstadt bis 1938. Dann kamen wir zum neu gebildeten Landkreis Nürtingen, und das war schlimmer als der Stadtbrand.“ Deshalb würden echte Kirchheimer auch niemals mit NT-Kennzeichen fahren.

Unzählige andere Geschichten wusste Andreas Kenner zu erzählen, die sein Kollege Andreas Schwarz im zweiten Teil - bei der Schlossführung - aufgreifen konnte: So erklärte er, dass Kirchheim mehr mit Queen Victoria zu tun hat als Max Eyth mit dem nach ihm benannten See: Franz von Teck, Enkel der Herzogin Henriette, war nämlich verheiratet mit Mary Adelaide von Cambridge, einer Cousine Victorias. Deswegen ist Königin Elisabeth II. eben nicht nur eine Ururenkelin Victorias, sondern auch eine Urururenkelin jener Henriette, die bis 1857 im Kirchheimer Schloss gelebt hat.

Kirchheim war zu Henriettes Zeit längst keine Landesfestung mehr. Trotzdem führte Andreas Schwarz jeweils einen Teil der Gäste in die Kasematten, die einst zur Verteidigung von Schloss und Stadt angelegt worden waren. Dabei griff er ein weiteres Kenner-Thema auf: „Die Keller in Kirchheim waren vielfach miteinander verbunden. Es stimmt aber nicht, dass es einen geheimen Verbindungsgang gab zwischen den Kasematten und dem Frauenkloster.“

Die eigentlichen Schlossführungen übernahmen Petra Weigand und Margot Schuster. So kamen die Besucher also auch dazu, die schöne Gräfin Claudine in Augenschein zu nehmen, die die ganze Veranstaltung ursprünglich ausgelöst hatte. Spontan versprachen beide Abgeordnete, diese erstmalige gemeinsame Führung zur Tradition zu erheben.

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