Kirchheim

Mit dem Regenschirm über die Weltmeere schippern

Improvisation Die Theaterkiste zeigt den kleinen Besuchern im Club Bastion, wie man mit ein bisschen Fantasie sogar zu einem echten Piraten werden kann. Von Melissa Seitz

Dank ein paar Fundstücken lässt sich gut Theater spielen - das bewiesen Moritz und Elisabeth von der Theaterkiste. Foto: Carsten
Dank ein paar Fundstücken lässt sich gut Theater spielen - das bewiesen Moritz und Elisabeth von der Theaterkiste. Foto: Carsten Riedl

Planung ist das A und O, heißt es. Moritz und Elisabeth von der Theaterkiste beweisen im Kirchheimer Club Bastion bei den Kindertheaterwochen „Szenenwechsel“ aber genau das Gegenteil. „Ich weiß nicht, wie ich euch das erklären soll“, sagt Moritz traurig zu den Kindern, „wir haben unseren Anhänger nicht richtig ans Auto gekoppelt.“ Der Anhänger ist weg und die Requisiten für das Theaterstück „Die Pirateninsel“ auch.

Tja, das war‘s dann wohl. Dann heißt es wieder zurück in die Grundschule und in den Unterricht. Doch so weit lässt es seine Partnerin Elisabeth nicht kommen. Mit Besen, Wischmopp und anderen Fundstücken unter dem Arm stolpert sie die Treppe herunter. „Was sollen wir damit machen?“, sagt Moritz, „etwa Frühputz?“

Moritz fehlt anscheinend die Vorstellungskraft - umso besser, dass Elisabeth nur so vor Fantasie sprüht. „Wir müssen so tun als ob“, erklärt sie und nimmt den Gehstock in die Hand. Witzig, was man im Club Bastion alles so findet. „Siehst du, das ist ein richtiges Schwert“, erklärt Elisabeth, „wie ein echter Pirat es hat.“

Moritz scheint das Ganze nicht zu verstehen. Zum Glück hat Elisabeth noch vor der Bastion ein paar Fantasie-Kieselsteine gefunden. Sie legt ihm einen davon in die Hand und sagt: „Du musst dir vorstellen, dass wir uns auf einem richtigen Piratenschiff befinden.“ Und siehe da - es funktioniert. Auch die Kinder sehen das mächtige Schiff so langsam vor sich stehen.

Aus zwei Stühlen entsteht der Umriss, eine Gießkanne wird zur Galionsfigur, und eine Leiter mit Stuhl wird kurzerhand in einen Aussichtsmasten mit Ausguck umfunktioniert. Auch der schwarze Regenschirm findet seine Verwendung als Segel. Not macht nun mal erfinderisch.

Auch für Action-Liebhaber ist etwas dabei - ein schwarzer Koffer mit Wollknäuel. Klingt langweilig, ist es aber nicht. Dieser Koffer dient zur Verteidigung gegen andere Piraten: Denn es ist eine Kanone mit Munition. Auch die Kostüme nehmen so langsam Form an. Eine alte Socke wird zum neuen Schuh von Moritz, und eine Strumpfhose wandert als Tuch auf Elisabeths Kopf.

Die Kulisse steht - oder besser gesagt wackelt - aber jetzt kann das Piratenabenteuer mit Captain Stinkesocke und Schiffsmädchen Fischstäbchen losgehen. Ein wenig verspätet, aber dafür mit viel Kreativität. „Doch was sollen wir überhaupt aufführen?“, fragt Moritz alias Captain Stinkesocke die Kinder. Hier ist wieder Fantasie gefragt - doch dieses Mal vom Publikum - und Vorstellungskraft scheint hier wirklich keine Mangelware zu sein. Ideen über Ideen sprudeln nur so aus den Kindern heraus. Von einer Schatzsuche bis zum Kampf mit einem Seemonster und Schiffsbruch ist alles dabei. Genug Material, um ein richtiges Piratenabenteuer zu erleben.

Für Captain Stinkesocke und Schiffsmädchen Fischstäbchen geht es also in ihrem Piratenschiff auf hohe See. Während der Kapitän sich nicht für die Koordination des Schiffes interessiert, bleibt die ganze Arbeit an Fischstäbchen hängen. Ihr reicht es, sie will es ihm heimzahlen - und das mithilfe der Kinder. „Wir sind die feindlichen Piraten“, flüstert das Schiffsmädchen ins Publikum, um den Kapitän nicht aus seinem Schlaf zu wecken. „Wenn wir nah genug an ihm dran sind, dann schießen wir ihn ab.“ Gesagt, getan. Mit Gebrüll und vielen „wolligen Bomben“ bekommt Stinkesocke sein Fett ab.

Die Kinder scheinen etwas von Moritz und Elisabeth gelernt zu haben. „Seht ihr“, sagt Moritz, „mit Fantasie funktioniert eben alles.“ Und für den Fall, dass die Vorstellungskraft mal wieder nicht mitspielen will, hat nun jedes Kind einen dieser berühmten Fantasie-Kieselsteine. Langweile sollte es jetzt nicht mehr geben.

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