Kirchheim

„Mit der Linken ist kein Staat zu machen“

Dialogtour Nils Schmid, Ex-Minister und hiesiger SPD-Bundestagskandidat, ist im Vorwahlkampf-Modus. Gestern hat er sich in Kirchheim umgeschaut, um mit dem Bürger ins Gespräch zu kommen. Von Andreas Volz

Nils Schmid (links) spricht in der Kirchheimer Marktstraße - mit Bürgern sowie mit SPD-Stadträten oder -Landtagskollegen.Foto: M
Nils Schmid (links) spricht in der Kirchheimer Marktstraße - mit Bürgern sowie mit SPD-Stadträten oder -Landtagskollegen. Foto: Markus Brändli

Nils Schmid ist unterwegs, auf „Dialogtour“. Noch vor der heißen Wahlkampfphase will er ins Gespräch kommen - nicht nur mit Firmen und Organisationen, sondern auch direkt mit den Bürgern. An diesem direkten Kontakt haperte es gestern Vormittag zunächst in der Kirchheimer Marktstraße: Gesprächsbereite Bürger warteten ab 11 Uhr am Marktplatz, denn für dort war der Auftritt des baden-württembergischen Wirtschafts- und Finanzministers a.D. angekündigt gewesen.

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Vor Ort aber ist kein Stand zu sehen, rein gar nichts, was auf die SPD hinweisen würde. Weiter oben in der Marktstraße zeigen sich dann rote Sonnenschirme, auf Höhe der Dreikönigstraße. Des Rätsels Lösung, nach Auskunft wackerer Kämpen aus dem Ortsverein: „Das Ordnungsamt hat uns keine Genehmigung für den Marktplatz gegeben.“

Nur Dr. Nils Schmid ist immer noch nicht da. Er hat sich verspätet, nach dem Besuch der Brennstoffzellenschmiede in Nabern. Als er dann aber vom Wachthaus her daherschlendert, mit Anzug und Krawatte, dauert es nicht lange, und schon ist er mitten im Gespräch - mit dem Bürger. Der kleidet sich allerdings legerer, an die Temperaturen besser angepasst.

Und gleich geht‘s heiß zur Sache: „Ich würde ja schon SPD wählen“, sagt der Bürger. „Wenn Sie dann aber hinterher mit den Linken zusammenarbeiten, lass‘ ich es lieber gleich bleiben.“ Nils Schmid bittet den Mann, trotzdem seine Partei zu wählen, und macht aus seiner Sicht deutlich: „Ich glaube, dass man mit der Linkspartei keinen Staat machen kann. In der Landespolitik geht das vielleicht noch, wie in Thüringen. Aber mit ihren Positionen zur Außen- und zur Europapolitik ist die Linkspartei nicht regierungsfähig.“

Das ist eine klare Aussage, und noch ein anderer Punkt wird in diesem Gespräch abschließend geklärt. „Sind Sie hier eigentlich unser Kandidat?“ - „Ja“, antwortet Nils Schmid, „ich kandidiere für die SPD im Bundestagswahlkreis Nürtingen. Rainer Arnold tritt nicht mehr an.“

Zwischendurch wird es auch noch ganz persönlich. Es wird herzlich, schwäbisch, heimatverbunden. Eine Bürgerin bleibt stehen und fragt: „Isch Ihr Opa en Owener?“ Auch diese Frage bejaht Nils Schmid, fügt aber einschränkend hinzu: „Ich habe ihn nie kennengelernt.“ Er selbst sei in Beuren aufgewachsen, seine Eltern ebenso. Im Wahlkreis kennt er sich also bestens aus, in der Nürtinger Ecke sowieso. Dort war lange genug sein Landtagswahlkreis. Von Kirchheim ist er sehr angetan: „Die Atmosphäre hier ist von der Innenstadt her mit die beste im ganzen Wahlkreis, wirklich toll.“ Weilheim und das Lenninger Tal will Nils Schmid auf seiner Dialogtour auch noch besuchen, im Juli.

Es geht ihm dabei vor allem darum, schon im Vorfeld des Wahlkampfs zu erfahren, was die Bürger bewegt. Zu diesem Zweck hat er eine Pinwand-Karten-Aktion gestartet. Schriftlich und ohne Namensnennung kann ihm jeder mitteilen, was ihm auf dem Herzen liegt oder unter den Nägeln brennt. Nils Schmid weiß natürlich, „dass es im Ballungsraum Stuttgart um Arbeitsplätze, Verkehr, Wohnen geht - dazu Bildung, Rente, Gesundheit“.

Aber das Spektrum dessen, was da auf seiner Pinwand steht, ist deutlich breiter und geht über klassische SPD-Themen hinaus: Außer „Grundeinkommen für alle“ wird auch die „Freigabe von Drogen“ gefordert, oder - leicht paradox formuliert: „Mehr Kampf für Frieden in der Welt“. Weitere Forderungen von Bürgershand: „Schluß mit Hartz  4“, „Unkontrollierte Zuwanderung verhindern“, „Fingerabdrücke von allen Asylbewerbern“. Der Wahlkampf könnte in den Sommerferien also noch wirklich heiß werden.

Aber erst nach der Wahl am 24. September lässt sich eine der wichtigsten Aufforderungen der Pinwand aufgreifen. Die dürfte an Politiker aller Parteien gerichtet sein: „Versprechen umsetzen“.