Kirchheim

Mit guten Vorsätzen ins neue Jahr?

Umfrage Die meisten Befragten nehmen den Jahreswechsel nicht zum Anlass, sich etwas Bestimmtes vorzunehmen – weil sie rundum zufrieden sind oder weil es sowieso nicht klappt mit der Umsetzung. Von Heike Siegemund

Der Klassiker: Mit dem Rauchen wollen auch 2020 wieder viele Menschen aufhören.  Fotos: Markus Brändli/Heike Siegemund
Der Klassiker: Mit dem Rauchen wollen auch 2020 wieder viele Menschen aufhören. Fotos: Markus Brändli/Heike Siegemund

Svenja Galla hält nichts davon, sich fürs neue Jahr Vorsätze zu fassen. „Das ist totaler Quatsch. Den Start kann man immer setzen - das muss nicht der 1. Januar sein“, sagt die Wendlingerin.

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Svenja und Matthias Galla

Die 29-Jährige hätte heuer aber auch gar keinen Grund, sich etwas Bestimmtes vorzunehmen: Denn sie ist rundum glücklich und zufrieden, wie sie strahlend sagt. Vor zweieinhalb Monaten kam ihr Töchterchen zur Welt; nächstes Jahr werden sie und ihr Mann Matthias kirchlich heiraten. „Vielleicht nimmt man sich eher etwas vor, wenn das vergangene Jahr nicht so gut gelaufen ist“, überlegt Svenja Galla. Auch ihr Mann hat keine Vorsätze für 2020. „Wenn die Ziele, die man sich setzt, zu hoch sind, wird man unglücklich. Sich auch an Kleinigkeiten zu freuen, macht doch viel mehr Spaß“, sagt der 33-Jährige.

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Norbert Etzel

Auch Norbert Etzel aus Kirchheim lässt sich in Sachen gute Vorsätze nicht aus der Ruhe bringen: „Ich mache weiter wie bisher. Als Rentner lässt man es sowieso ruhiger angehen“, winkt der 69-Jährige ab. Generell sei es noch nie ein Thema für ihn gewesen, sich zum Jahreswechsel etwas vorzunehmen. „Dann eher unter dem Jahr“, ergänzt er. Wichtig sei, den Willen zum Umsetzen des Ziels zu haben - und zwar egal an welchem Datum. „Manche schaffen es halt nicht, konsequent zu sein“, weiß er. Ein Bekannter beispielsweise habe sich schon mehrfach vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören. „Aber er hat immer wieder damit angefangen.“

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Simone Braun

Simone Braun aus Gruibingen nimmt nie den Jahreswechsel für gute Vorsätze zum Anlass. „Das kann ich doch unter dem Jahr genauso machen“, sagt die 41-Jährige. „Manche brauchen den Druck und hängen ihre Vorsätze an die große Glocke“, weiß sie. Die Gruibingerin macht solche Dinge lieber im Stillen mit sich selbst aus. Wobei sie momentan auch nicht wüsste, was sie sich überhaupt vornehmen sollte: „Ich esse wenig Süßes und mache genügend Sport. Mit dem Rauchen könnte ich aufhören - will ich aber nicht“, sagt die 41-Jährige augenzwinkernd.

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Sarah Pock

Genau hier will hingegen Sarah Pock aus Kirchheim ansetzen: Die 34-Jährige will heuer zum 1.  Januar die Glimmstängel aus ihrem Leben verbannen. „Ich brauche tatsächlich den Jahreswechsel und den großen Druck.“ Schon ein paar Mal habe sie unter dem Jahr versucht, mit dem Rauchen aufzuhören - aber es hat nie geklappt. „Ich habe schon einiges ausprobiert, aber das beste Ablenkmanöver bringt nichts, wenn der Wille nicht da ist.“ Jetzt will Sarah Pock stark bleiben. Außerdem will sie generell gesünder leben und mehr Sport treiben. „Mit dem Alter setzt man halt andere Prioritäten“, sagt die Kirchheimerin.

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Pock Pia Lamparter

Auch Pia Lamparter aus Kirchheim hat sich für das neue Jahr bestimmte Dinge vorgenommen: Ganz oben steht ihr Ziel, sich mehr Zeit für persönliche Begegnungen mit Menschen zu nehmen. „Ich bin im christlichen Glauben verwurzelt. Deshalb will ich auch mehr Zeit mit Gott verbringen, ihn suchen und mich von ihm führen und leiten lassen“, sagt die 48-Jährige. An dritter Stelle steht ihr Ziel, etwas für ihre körperliche Fitness und Beweglichkeit zu tun. Die Kirchheimerin fasst jedes Jahr zum Jahreswechsel Vorsätze. „Diese umzusetzen, funktioniert mal mehr, mal weniger - im Großen und Ganzen aber gut. Ich mache mir die Vorsätze unter dem Jahr immer wieder gegenwärtig.“

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Horst Pohl

Horst Pohl aus Kirchheim indes benötigt Vorsätze zum neuen Jahr überhaupt nicht. Der 80-Jährige bewegt sich bereits jeden Tag: sei es auf dem Fahrrad, beim Yoga, Joggen, Wandern oder Klettern. „Ich bin ziemlich aktiv“, sagt er nicht ohne Stolz. Seine Ernährung hat er schon vor vielen Jahren umgestellt: Seit seinem 20. Lebensjahr ernährt er sich vegetarisch. „Damals sagten alle, das würde ich nicht überleben“, erinnert er sich. Jeden Tag stehen bei Horst Pohl unter anderem Salat, Nüsse und Äpfel auf dem Speiseplan. „Morgens starte ich in den Tag mit frisch gepresstem Zitronensaft, gemischt mit Leitungswasser“, erzählt er. Auch das selbst gemachte Müsli mit Mandelmilch dürfe nicht fehlen. Der 80-Jährige gibt außerdem an der Volkshochschule Kurse zu Psychologie im Alltag. Dies alles hält ihn fit und macht ihn zufrieden.

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Dirk Buchholz

„Ich habe die letzten 54 Jahre gute Vorsätze zum neuen Jahr gefasst - dieses Jahr höre ich damit auf“, sagt Dirk Buchholz aus Owen. Warum? „Weil es in den letzten 54 Jahren nix gebracht hat.“ Da waren die Klassiker dabei wie mit dem Rauchen aufhören und Abnehmen. „Ich bin ein ganz normaler Durchschnittsmensch“, sagt der 55-Jährige. Wenn man sich unter dem Jahr ein Ziel setze, klappe dies besser, findet er. Aber eigentlich brauche er sich auch gar nichts mehr vornehmen, ergänzt er grinsend. „In meinem Alter hat man sich’s eingerichtet.“

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