Kirchheim

Mit Spaß undeinfachen Schritten aufs Parkett

Trend Gesellschaftstanz ohne Schlips, Kleiderzwang, dem klassischen Knicks und der steifen Verbeugung: In den Tanzschulen lernen Jugendliche, Paare und Singles heute anders als vor 30 Jahren. Von Nicole Mohn

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Foto: Carsten Riedl
Symbolfoto

Musik an und los geht es: Tanzen macht glücklich, baut Stress ab, verbindet. Das Tanzen liegt uns Menschen sozusagen im Blut. So wundert es kaum, dass die heimischen Tanzschulen gefragt sind wie eh und je - doch statt Tango und Cha-Cha-Cha geht es heute mit Spaß und einfachen Schritten aufs Parkett.

Die Älteren werden sich an ihre erste Tanzstunde noch gut erinnern: Die Mädels auf der einen Seite, die Jungs auf der anderen, schwitzige Hände und Herzklopfen. Die Herren bitte in Jackett, die Damen möglichst mit Rock. „Heute geht das deutlich lockerer zu“, lacht Tanzlehrer Holger Schopf aus Dettingen. Tanzen soll schließlich Spaß machen und keinen Stress. Und so ist alles etwas ungezwungener, familiärer in den modernen Tanzschulen.

„Wir haben uns anpassen müssen“, sagt auch sein Kirchheimer Kollege Peter Winkle. Tango, Cha-Cha-Cha und Rumba unterrichtet er in seinen Grundkursen nicht mehr. „Der Anfang muss einfach sein“, ist sein Erfolgsrezept. So starten die Tanzschüler - egal welcher Altersklasse - heute mit einfachen Tänzen, bei denen man einen schnellen Lernerfolg sieht. Zum Beispiel mit der Disco-Samba: „Da steht man sich nicht auf den Füßen“, so der erfahrene Tanzlehrer. Sprich: Auch die Frustrationsrate ist entsprechend gering. Wer Feuer gefangen hat, kann dann auf dem Gelernten aufbauen und in den Aufbaukursen anspruchsvollere Tänze und Figuren erlernen.

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Jedoch die früher üblichen Bronze-, Silber- oder Gold-Prüfungen, bei denen auf exakte Ausführung der Schritte geachtet wurde, sind in den meisten Tanzschulen passé: „Wir sind komplett weg vom Leistungsgedanken“, bestätigt Holger Schopf den Trend. Ohne Druck und entspannt sollen die Paare die gemeinsame Zeit auf dem Parkett erleben. In seinen Tanzkursen geht es deshalb vor allem um Spaß oder auch darum, private Kontakte zu pflegen statt um stures Schritte üben. „Das Lernen findet nebenbei statt“, so seine Erfahrung.

Ein altes Problem plagt die Tanzschulen jedoch bis heute: Nach wie vor zieht es eher die Mädchen und Frauen in die Tanzkurse. „Bei Klassenanmeldungen haben wir oft deutlich mehr Mädchen auf der Liste als Jungs“, berichtet Peter Winkle. Bei den Jugendlichen helfen in seiner Tanzschule deshalb Tanzherren aus den höheren Kursen aus, um das Ungleichgewicht auszugleichen.

Die Männer kommen erfahrungsgemäß erst später, wenn sie heiraten wollen. „Vor allem jetzt im Frühjahr sind unsere Tanzsäle voll mit Hochzeitspaaren und Gästen, die für den großen Tag üben“, sagt Holger Schopf. Nicht selten entdecken die Teilnehmer der Crashkurse dabei Tanzen als schöne Freizeitbeschäftigung für sich. „Ich habe etliche Paare, die Tanzen als gemeinsames Hobby im Ruhestand machen“, sagt Peter Winkle. Und damit zugleich was für ihre körperliche und geistige Fitness tun, wie er betont. „Tanzen ist gesund, das ist inzwischen vielfach wissenschaftlich erwiesen“, sagt er.

Doch was machen die, die keinen Partner zum Tanzen an der Seite haben? Auch für die gibt es in den Tanzschulen ein breites Angebot. Bei den Jugendlichen ist vor allem Hip-Hop-Dance oder Jump-Style gefragt. Das spreche auch die Jungs an, sagt Winkle. Bei den älteren Singles steht derzeit Linedance hoch im Kurs. Single-Kurse bieten die Tanzschulen hingegen kaum noch an. Der Grund - man ahnt es schon - auch hier melden sich erfahrungsgemäß mehr Frauen als Männer an.

Dass Tanzen nicht nur Spaß sondern auch fit macht, beweisen die vollen Zumba-Kurse in den Tanzschulen. Seit Jahren hält der Fitnesstrend, bei dem zu lateinamerikanischen Rhythmen geschwitzt wird, bereits an - und die Nachfrage ist ungebrochen. Ohnehin sind die lateinamerikanischen Rhythmen beim Tanzpublikum sehr beliebt: „Salsa ist bei uns seit Jahren ein Dauerbrenner“, sagt Peter Winkle. Auch Tango Argentino oder Swing und natürlich der Klassiker Disco-Fox werden gerne gebucht. „Wir sind sehr breit aufgestellt, da ist für jeden etwas dabei“, sind sich die beiden Tanzlehrer sicher, dass Tanzen in seiner ganzen Vielfalt nicht aus der Mode kommen wird.

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