Kirchheim

Modell T in „Schland“

Hoffentlich werden die Fans nicht „ent-deuscht“.
Hoffentlich werden die Fans nicht „ent-deuscht“.

Das Kunstwort „Schland“ hat sich am Anfang des 21. Jahrhunderts im deutschen Wortschatz etabliert. Es wurde sozusagen in Deutschland eingebürgert, es wurde hier sesshaft, sogar heimisch. Konjunktur hat es aber nur alle zwei Jahre - im regelmäßigen Turnus der Fußball-Welt- und -Europameisterschaften. Das Wort steht für die Glückseligkeit des deutschen Fußballanhängers, wenn die Nationalmannschaft gerade ein Turnierspiel gewonnen hat und damit nach Möglichkeit wieder eine Runde weitergekommen ist - auf dem Weg zum Halbfinale, das seit vielen Jahren als Minimalziel gilt.

Zugegeben - eigentlich gibt es „Schland“ mit dem kurzen Vokal gar nicht. Es heißt mindestens „Schlaaand“ und manchmal auch „Schlaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaand“ - je nach Krooooos-Faktooooor! Eins aber bleibt unbestritten: „Schland“ ist die nicht wirklich existierende Endsilbe von „Deutschland“. Das Witzige daran: In Zeiten von aufgebrachten und hitzigen pseudo-patriotischen Debatten nahezu aller Nationen ist es eine selbstironische Verballhornung des eigenen Namens - ein dezenter Hinweis darauf, dass man das ganze Fußball-Gedöns eben doch nicht unnötig ernst nehmen sollte.

Dasselbe gilt für ein Werbebanner in Kirchheims Innenstadt: Alle „Deuschland“-Spiele werden da gezeigt. Das allein wäre noch nichts Besonderes. Bedeutend wird es erst durch das fehlende „T“ in der Mitte. Was bleibt, ist das gängige Länderkürzel „DEU“ (nach ISO 3166 ALPHA-3) und - unser aller aktuelles Lieblingswort „Schland“. Wenn das nicht kroosartig ist!

A propos: Das fehlende „T“ in „Deuschland“ stört auch wegen des jüngsten Freistoßtreffers nicht: Schließlich wird ein „T“ wie „Toni“ in Fußball-Deu-T-Schland schon seit dem Wunder von Bern „kroos“ geschrieben.

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