Kirchheim

Modellbauer endgültig am Boden

Insolvenz Die Investorensuche für die Kirchheimer Firma Graupner/SJ war erfolglos. 35 Mitarbeiter müssen gekündigt werden.

Kirchheim. Jetzt ist es amtlich: Das Insolvenzverfahren bezüglich der Firma Graupner/SJ in Kirchheim ist eröffnet. „Es ist das unausweichliche Ende einer Modellbau-Ära in Deutschland. Graupner/SJ stellt voraussichtlich zum Monatsende den Geschäftsbetrieb ein“, teilt Insolvenzverwalter Holger Blümle mit.

Den verbliebenen 35 Mitarbeitern wird gekündigt. Insolvenzverwalter und Betriebsrat verhandeln über den Sozialplan und den Interessensausgleich. Dabei geht es darum, ob Abfindungen gezahlt werden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir eine Einigung erzielen können, um die Auswirkungen für die Mitarbeiter abfedern zu können“, verspricht Holger Blümle. Ob es eine Transfergesellschaft wird, ist eher unwahrscheinlich, denn die muss vorfinanziert werden. Blümle ist die Tragweite dieses Schrittes bewusst: „Es ist sehr bedauerlich, dass ein so starkes und seit Jahrzehnten eingeführtes Traditionsunternehmen nun aus dem Markt verschwindet.“

Wie berichtet, hat die südkoreanische Muttergesellschaft Ende November vergangenen Jahres - damals arbeiteten noch knapp 45 Personen in Kirchheim - die Lieferung der wichtigsten Komponenten und Waren an Graupner/SJ eingestellt und ab Mai dieses Jahres die Nutzung der Marke Graupner untersagt. Damit ist dem Unternehmen die Geschäftsgrundlage entzogen. „Die Keimzelle hat keine Rolle mehr gespielt. Im Zuge der Übernahme gingen die Markenrechte verloren. Das ist der Firma zum Verhängnis geworden“, sagt Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der Insolvenzverwaltung. Holger Blümle hatte zunächst als vorläufiger Verwalter den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten und mit dem Verkauf des umfangreichen Sortiments aus dem Lager des Modellbauunternehmens begonnen. „Dabei ist es mir gelungen, den Lagerbestand deutlich zu bereinigen“, sagt der Insolvenzverwalter.

Parallel suchte Holger Blümle nach möglichen Investoren. „Es gab mehrere, teils internationale Interessenten“, erklärt er. Jedoch sah sich keiner davon in der Lage, den Betrieb als Ganzes zu übernehmen und damit zu erhalten. Die Gründe: Die Marke Graupner stand nicht mehr zur Verfügung und ad hoc war die Belieferung für wesentliche Komponenten nicht mehr möglich. „Auch der allgemein schrumpfende Modellbau-Markt hat das Risiko für potenzielle Übernehmer zu hoch erscheinen lassen“, erklärt Holger Blümle. Iris Häfner

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