Kirchheim

„Musik muss ins Mark gehen“

Konzert In der Reihe Locals in Concert gastierten „Crowd of Exempt“ und „1st Class“ im Kirchheimer Club Bastion. Die beiden Gruppen pflegten dabei durchweg die musikalisch härtere Gangart. Von Bernhard Fischer

Stefanie Wollwinder, Frontfau bei „Crowd of Exempt“, war zwar erkältet, rockte aber trotzdem die Bühne. Foto: Bernhard Fischer
Stefanie Wollwinder, Frontfau bei „Crowd of Exempt“, war zwar erkältet, rockte aber trotzdem die Bühne. Foto: Bernhard FischerBildtext

Erstklassig zu sein, ist schon ein großer Anspruch, den schon viele Bands hatten. Aber die drei Jungs von „1st Class“ aus Weilheim und Ravensburg, die es beim „Locals in Concert“ im Club Bastion richtig krachen ließen, sind auf jeden Fall etwas Besonderes.

Mit ihren etwa 15 Jahren sind sie seit Langem die jüngste Band, die in der Bastion auftrat. Und dann spielen sie eben nicht irgendwelche sanften Songs, sondern folgen den Pfaden der düster-wilden Hardrocker von Black Sabbath aus den frühen 70er-Jahren. Doch sie spielen nicht einfach deren Songs nach, sondern präsentieren durchgehend eigene Songs mit viel Druck und einfallsreichen Arrangements im Stil der großen Vorbilder.

Während Ozzy Osbourne sich bei Black Sabbath allein dem Gesang widmen konnte, übernimmt Paul Gitarre und Gesang. Wobei Gesang die Sache nicht ganz trifft. Intensiv wie sein Vorbild schreit er die Texte ins Publikum. Sehr präzise, konzentriert und druckvoll agiert Leo am Schlagzeug. Jakob am Bass ist eher das beruhigende Element in der Band. Sie agieren wie alte Hasen, lassen das Publikum mitsingen und pflegen auch den eingesprungenen Schluss­akkord. Zwei der Jungs wohnen in Weilheim, einer in Ravensburg. Insofern ist kaum zu glauben, dass mittlerweile schon drei Platten entstanden sind und die Songs und die Bühnenschau an nur wenigen gemeinsamen Tagen zustande kommen.

Lyrisches, rockig präsentiert

Deutlich erwachsener ging es nach der Pause weiter mit dem Auftritt die Gruppe Crowd of ­Exemt. Die Gruppe spielt schon seit 2014 in dieser Besetzung zusammen und hat schon zahlreiche Auftritte im Großraum Stutt­gart absolviert. Lyrische Texte, manchmal gerappt, manchmal gesungen, verschmelzen bei ihnen mit harter Rockmusik. Anfang 2018 wurde ihre erste Platte „Nu Perspective“ veröffent­licht, die auf allen großen Musikplattformen erhältlich ist.

„Musik muss bis ins Mark gehen, um etwas auszulösen“, lautet das Motto der Band. Dementsprechend eröffnet ein Schlagzeuggewitter den einleitenden Song „Styx“. Zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug bilden ein treibendes Fundament für den intensiven Gesang, mal melodiös, mal gerappt. Das Schlagzeug ersetzt das Fitnesstraining, Gitarren und Bass agieren überwiegend rhythmisch treibend. Nur selten darf Sebastian ein melodiöses Gitarrensolo beitragen. „Wir können auch leise“, kündigt die Frontfrau nach einigen Stücken an. Doch leise ist die Gruppe allenfalls für ein Viertel eines Songs, bevor es wieder richtig laut wird. Nahezu alle Stücke an diesem Abend sind selbst komponiert. Der Klang und die Ausstrahlung der Band erinnert immer wieder an die legendäre Band Nirvana, jedoch mit weiblicher Stimme. Nachdem der Auftritt der Band bereits einmal wegen Verletzung des Schlagzeugers hatte verschoben werden müssen, kämpfte am Samstag die Sängerin mit erkältungsbedingten Stimmproblemen: „Ich bin heute morgen ohne Stimme aufgewacht, doch wir kriegen das schon hin!“ Und tatsächlich hält sie bis zum bassdröhnenden Schluss der Zugabe wacker durch. Der nächste Abend mit Locals in der Bastion ist am 14. Februar mit der Kirchheimer Gruppe „Rock Bottom“ geplant.

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