Kirchheim

„Muss erst was passieren?“

Wohngebiet Wie geht es mit dem Nägelestal weiter? Darüber haben die Anwohner mit Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer diskutiert. Von Max Carlo Pradler

Zu wenig Parkplätze: Die Verkehrssituation im Nägelestal sorgt bei einigen Anwohnern für große Bedenken.Foto: Carsten Riedl
Zu wenig Parkplätze: Die Verkehrssituation im Nägelestal sorgt bei einigen Anwohnern für große Bedenken. Foto: Carsten Riedl

Kaum Parkplätze, unübersichtliche Einmündungen und zu viele Bäume – es ging hitzig zur Sache bei der Informationsveranstaltung „Nägelestal“ im Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium. Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer stellte sich mit Christoph Kerner, Leiter des Sachgebiets Grünflächen, den kritischen Fragen der Anwohner. Dabei ging es vor allem um die undurchsichtige Verkehrssituation im Schimmingweg und um die Bäume.

Parkplatzmangel sorgt für Ärger
Es hat sich einiges getan im Nägelestal seit der öffentlichen Begehung im September: Unter anderem erhielten die engen Passagen im Schimmingweg Markierungen. Diese sollen Parkflächen – ebenso wie Abstellverbote – besser kennzeichnen und Anwohnern das Parken erleichtern. „Dafür haben wir viel positives Feedback bekommen“, ergänzte Günter Riemer.
Einige der Anwohner im Musiksaal des „LUG“ sahen das jedoch anders. Es sei nun an manchen Stellen viel unübersichtlicher. Fußgänger würden jetzt oft dazu gezwungen, den Gehweg zu verlassen und auf der Straße zu laufen. Der Bürgermeister klärte jedoch rasch auf: „Das ist eine Mischverkehrsfläche. Da sind Gehweg und Straße nicht immer eindeutig voneinander getrennt, weil es keinen Bordstein gibt.“

Gleich mehrere Anwohner beklagten sich über die problematische Parksituation im Nägelestal. Viele bekämen überhaupt keinen Parkplatz mehr. Einerseits, weil es viel zu wenig Stellplätze gäbe und andererseits, weil diese oft auch noch Auswärtige in Anspruch nähmen. „Da muss ich zugeben, dass man sich damals beim Bau des Nägelestals gewaltig verschätzt hat. Es sollte nämlich einst ein verkehrsarmes Wohngebiet werden aufgrund der Nähe zum Bahnhof“, gestand Riemer ein.

Er erinnerte an den Vorschlag, wonach neue Parkplätze geschaffen werden sollten – für 30 Euro pro Monat. Allerdings forderten zu wenige Anwohner solch einen Stellplatz an. Alternativ solle die Stadt deshalb doch wenigstens zusätzliche Parkplätze bei der „Total“-Tankstelle oder in der Nürtinger Straße anbieten, hieß es aus dem Publikum. Dies ist laut Kirchheims Bürgermeister aber aufgrund der Kosten und des Bebauungsplans nicht möglich.

Für Aufregung sorgte auch der Verkehrsspiegel, der in der Nürtinger Straße auf Höhe der Einmündung zum Nägelestal installiert werden sollte. Dieser Vorschlag wurde von der Stadt abgelehnt mit der Begründung, der Spiegel verzerre die Sicht und würde zudem die Aufmerksamkeit senken: Der Autofahrer verlässt sich auf den Spiegel und hat nicht mehr sein direktes Umfeld im Blick. Dies verärgerte einige Anwohner, und es wurde lauter im Saal: „Muss denn erst was passieren, bevor die Stadt reagiert?“ Riemer verteidigte die Entscheidung: „Das ist sicher keine bequeme Situation für Autofahrer, aber sie ist auch nicht gefährlich.“

Kommt ein Lkw, wird‘s eng im Nägelestal. Archiv-Foto: Brändli
Kommt ein Lkw, wird‘s eng im Nägelestal. Archiv-Foto: Brändli

Bäume werden geschützt
Mit ähnlicher Empörung diskutierten die Nägelestal-Bewohner über die Bepflanzung. Vor allem die riesigen Linden und die damit verbundene Pflege sei untragbar, bemerkten einige. Zumal es den Grundstückseigentümern verboten sei, diese zu fällen. Grünflächenchef Christoph Kerner verwies auf den Bebauungsplan: Jeder Eigentümer wusste bereits vor dem Hauskauf über die Bäume Bescheid. Nichtsdestotrotz kündigte er Entgegenkommen an: „Künftig dürfen Bäume auf Privatgrundstücken auf Wunsch hin großzügiger gefällt werden, wenn als Ersatz pflegeleichtere Bäume folgen.“ Diese Aussage stieß größtenteils auf Wohlwollen. „Das wird auch Zeit. Als ich bei der Stadt angefragt habe, ob ich meinen Baum im Garten fällen darf, haben die mich angeschaut, als würde ich ganz Kirchheim verändern wollen“, rief ein Mann neckisch dazwischen.
Grundsätzlich verbietet es aber der Baumschutz, eine gesunde Pflanze zu fällen. Deshalb werden städtische Maßnahmen auf öffentlichen Grundstücken vermutlich erst in fünf bis zehn Jahren folgen. „Der Zustand der Bäume ist okay, aber wir kommen nicht drum herum, diese Schritt für Schritt zu ersetzen“, schilderte Kerner.

Im Anschluss nahmen sich Riemer und Kerner noch individueller Anliegen Einzelner an. So wurde nach einer angeregten Diskussion manchen Ansässigen auch durchaus geholfen.

Gefährliche Einmündung oder normale Zufahrt?

Die Verkehrszahlen in der Nürtinger Straße auf Höhe der Einmündung zum Nägelestal wurden von der Stadt Kirchheim zwischen dem 31. August und dem 17. September 2017 erfasst. Die Messung sollte der besseren Einordnung der Gefahrenzone rund um die Einfahrt ins Wohngebiet dienen. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum 100 689 Fahrzeuge in beiden Fahrtrichtungen vermerkt, was durchschnittlich pro Tag knapp 5 800 Autos bedeutet. 53 Prozent der Fahrzeuge fahren dabei stadteinwärts, 47 Prozenz stadtauswärts. Aufgrund der Tatsache, dass sich bei den Messungen 98 Prozent der Fahrer an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von hielten, stuft die Stadt die Einmündung als ungefährlich ein. max

Anzeige