Kirchheim

Mutmaßliche Goldräuber schweigen

Prozess In einer filmreifen Aktion haben die Täter einen Transporter überfallen und anschließend das ausgeraubte Fahrzeug und einen ihrer Fluchtwagen angezündet. Ihre Anwälte plädieren auf unschuldig. Von Bernd Winckler

So sah es am Übergabepunkt der Beute aus. Der Alfa und der Transporter fielen den Flammen zum Opfer.
So sah es am Übergabepunkt der Beute aus. Der Alfa und der Transporter fielen den Flammen zum Opfer. Foto: Archiv/7aktuell

Am Abend des 14. Dezembers 2015 ist im Kirchheimer Gewerbegebiet Bohnau in der Heinkelstraße ein nahezu filmreifer Raubüberfall auf einen Werttransporter geschehen, bei dem der 78-jährige Fahrer von zwei Männern gewaltsam aus dem Fahrzeug geprügelt wurde. Danach raubten die Täter die Ladung, bestehend aus Schmuck und Edelmetall im Wert von genau 112 998 Euro. Anschließend verschwanden sie mit dem Transporter, den sie im Laufe ihrer Flucht in Brand setzten. Seit gestern sitzen die beiden mutmaßlichen Räuber auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts.

Den beiden 32- und 35-jährigen Männern wirft die Stuttgarter Staatsanwaltschaft jetzt vor der 19. Großen Strafkammer vor, einen gemeinschaftlichen räuberischen Angriff auf den Kraftfahrer, einen besonders schweren gemeinschaftlichen Raub, Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung verübt zu haben. Sie sollen zusammen mit einem noch nicht ermittelten dritten Täter an jenem 14. Dezember vor vier Jahren mit einem Alfa Romeo den 78-jährigen Fahrer des Transporters in der Heinkelstraße in Kirchheim gestoppt haben, indem sie das Auto vor ihm querstellten. Im selben Augenblick sollen die beiden Angeklagten zuerst die Scheibe der Fahrertüre mit einem harten Gegenstand, mutmaßlich mit einer Metall-Taschenlampe, zertrümmert und dann ebenfalls mit dem harten Gegenstand auf den Fahrer sowie mit Fäusten eingeschlagen haben. Nur durch einen Sprung durch die Beifahrertüre gelang es dem Opfer, sich vor weiteren Schlägen zu retten und sich in Sicherheit zu bringen. Er wurde durch die Schläge schwer im Gesicht, an der Schläfe, Schulter und am linken Oberarm verletzt und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Laut Anklage setzte sich danach einer der Täter ans Steuer des Transporters, der zweite in den Alfa Romeo mit gestohlenen Kennzeichen und flüchteten damit. Die Ladung des überfallenen Transporters bestand aus Schmuckstücken und Edelmetallen, die aus München zu einem Kunden nach Kirchheim angeliefert werden sollten. Den Wert der Beute beziffert die Staatsanwältin auf 112 998 Euro. Die Räuber sollen mit dem Transporter zunächst über die Tannenbergstraße in Richtung Autobahnbrücke geflüchtet sein, wo sie vermutlich die Beute in ein anderes Auto umgeladen haben. Den Alfa Romeo und den Transporter zündeten sie anschließend an. Beide Fahrzeuge brannten völlig aus. Zusammen mit dem unbekannten dritten Täter tauchten sie dann unter.

Anfangs kein Fahndungserfolg

Die Polizei und die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatten damals trotz intensiver Fahndung und dem sofortigen Einsatz eines Hubschraubers die Spur der Räuber verloren. Ermittelt wurde zunächst nur, dass die Zulassungsschilder des Alfa Romeo von einem auf einem Parkplatz bei Heimsheim abgestellten Ford stammten. Das Tatfahrzeug selbst war bereits seit Monaten außer Betrieb. Eine Täterbeschreibung hatte der verletzte Transporterfahrer damals nicht abgeben können.

Die beiden Angeklagten konnten knapp vier Jahre mit der Beute untertauchen, ehe nach der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ am 9. Januar dieses Jahres die Handschellen klickten: Der Ältere wurde an seinem Wohnort in Rastatt, der Jüngere bei Pforzheim entdeckt. Von der Beute fehlt bis heute jede Spur. Die Polizei vermutet, dass die Goldwaren inzwischen eingeschmolzen und anderweitig verwertet wurden. Diese Vermutung liegt auch deshalb nahe, da einer der Täter als Fernfahrer-Disponent offensichtlich gute Kontakte zur Pforzheimer Gold-Industrie hatte.

Vor der 19. Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts wollten die Angeklagten auf Anraten ihrer Verteidiger weder zur Person noch zu den Vorwürfen Angaben machen. Die Richter selbst rechnen nicht mit Geständnissen, wie der Vorsitzende gestern bekannt gab. Der erste Verhandlungstag war bereits nach einer Stunde zu Ende. Erst am nächsten Prozesstag am 4. Juli soll die Beweisaufnahme eröffnet werden. Die Verteidiger ließen gestern schon vor dem Prozess wissen, dass ihre Mandanten unschuldig seien.

Die Kammer hat zunächst 13 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor Mitte Oktober erwartet.

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