Kirchheim

„Nach dr Fasnet isch vor dr Fasnet“

Fasching Am heutigen Aschermittwoch endet die fröhliche Narrenzeit. Die Häs, Larven und Masken werden eingemottet. Doch die Vereine ruhen sich nur kurz aus. Von Thomas Krytzner

Zeit zur Entspannung? Fehlanzeige. Für die Narrenzünfte geht es nach dem heutigen Aschermittwoch ­direkt weiter mit den Vorberei
Zeit zur Entspannung? Fehlanzeige. Für die Narrenzünfte geht es nach dem heutigen Aschermittwoch ­direkt weiter mit den Vorbereitungen auf die nächste Fasnetszeit.Foto: Thomas Krytzner

Traurig nehmen die Narren Abschied von der fünften Jahreszeit. Die Zünfte und Gruppen in der Region ziehen aber ein positives Resümee: Mit 57 Tagen seit dem Häsabstauben am Dreikönigstag war es eine rekordverdächtig lange Kampagne. Da kommen so einige Umzugskilometer und -tage zusammen. Unter dem Motto „Allen zur Freud‘, niemand zum Leid“ bereiteten die Hästräger, Zünfte und Guggen landauf, landab den Fasnetsfreunden eine schrille, bunte und manchmal laute Vorbereitung auf die Zeit des Fastens. Mit dem Aschermittwoch beginnt nämlich die karge Zeit der Einschränkungen.

Die Bezeichnung „Aschermittwoch“ kommt vom Brauch, in der heiligen Messe dieses Tages die Asche der verbrannten Palmzweige des Vorjahres zu segnen und die Gläubigen an der Stirn mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen. Vielerorts gibt es ein letztes Aufbäumen, wenn zum Abschied noch eine Papp-Hexe, gespickt mit Feuerwerk, verbrannt oder eben der Narr beerdigt wird. Man könnte annehmen, dass sich die Mitglieder der Fasnetsgruppen jetzt erst einmal ausruhen und nichts mehr von schaurig-schönen Larven, Schellen und Häs wissen wollen. Aber weit gefehlt. Denn: Für eingefleischte Fastnachter gibt es keine Narrenpause. Die Zunftmeister und Vereinsvorsitzenden sind sich einig: „Nach dr Fasnet isch vor dr Fasnet.“

Bis auf die üblichen Handgemenge, wenn viel Alkohol geflossen war, sind die Zunftmeister mit der endenden Kampagne sehr zufrieden. Man hat sich gegenseitig bei den Umzügen und Events besucht, viele Freundschaften unter den Vereinen wurden zum Teil international geschlossen, und das Miteinander unter den Narren funktioniert, wie beispielsweise Uwe Danneker von den Dalba-Hexa in Hochdorf bestätigt: „Wir hätten unser Jubiläumsfest zum 22-jährigen Bestehen ohne die Unterstützung anderer Vereine kaum bewältigen können.“

Neues Jahr, neue Aufgaben

Irgendwie sind sie doch eine verschworene Gemeinschaft, die Narren im Kreis. Man kennt sich und man hilft sich. So sorgen zum Beispiel die „Blauen Löwen“ aus Wernau mit ihrer mobilen DJ-Station jeweils vor und während den Umzügen im Landkreis für großartige Stimmung. Nicht selten hat man Narren verschiedener Zünfte gemeinsam zu den Fasnets-Hits tanzen sehen. Doch auch Tradition und Brauchtum sind nicht vergessen. Die Hästräger sind zwar allem Anschein nach etwas zurückhaltender geworden, was die Interaktion mit den Umzugsbesuchern betrifft, doch auch in diesem Jahr wurden viele Mädels Huckepack genommen, und die Hästräger sammelten fleißig Schuhbändel und teilweise sogar Socken.

Das Publikum machte mit und ließ sich auch gerne während der vielen bunten Umzüge ein neues Make-up verpassen. Einziges Ärgernis für die Zunftmeister und Narrenchefs sind die immer wieder neu dazukommenden Vorschriften bei der Organisation von Anlässen. Uwe Danneker wird deutlich: „Das wird leider immer kleinkarierter, was man heutzutage alles ausfüllen und an was man alles denken muss. Die Bürokratie holt uns da auf der ganzen Breite ein.“ Es geht aber direkt in die Planungen für die nächste Kampagne. „Zünfte werden angeschrieben, und wir kriegen auch viele Einladungen, die bereits ab heute losgehen.“

Auch die Narrenzunft in Raidwangen hat keine Ruhepause, wie Zunftmeister Thomas Kußler weiß: „Wir beginnen direkt nach Aschmittwoch mit den Vorbereitungen auf die neue Narrenzeit. Zudem gilt es, Nachwuchs für die einzelnen Gruppen zu finden.“ Für Kevin Mayer von den Neck’r Hexa und Deifl in Altbach gibt es nur eine kurze Zeit der Entspannung. „Wir feiern in Altbach jedes Jahr ein großes eigenes Fest, und alle zwei Jahre organisieren wir den Nachtumzug. Da gibt es einiges vorzubereiten.“ Die umtriebigen Altbacher Narren sind immer wieder gern gesehene Gäste bei anderen Umzügen. „Da müssen wir die Fahrt in andere Gemeinden planen, und die Einladungen der anderen Zünfte kommen relativ früh nach der vollendeten Kampagne; zum Ausruhen bleibt da keine Zeit.“

Anja Heidler-Michalec von den Hexenbusters in Wolfschlugen hat ebenfalls eine erlebnisreiche, närrische Zeit hinter sich. „Nach dem Cool-down“, so erklärt sie, „gilt es, sich zu entspannen und Luft zu holen. Kurz darauf fangen wir wieder an zu proben und Mitglieder zu suchen. Ganz nach dem Motto: Nach Aschermittwoch isch vor dr Fasnet.“

Anzeige