Kirchheim

Nächster Halt: Musikerleben

Wettbewerb Beim zwölften Kirchheimer Musikpreis zeigen junge Talente ihr Können. Manch einer lässt auf Großes hoffen, obwohl der Jüngste gerade sechs Jahre alt ist. Von Stefanie Werner

Mit luftigen Querflötentönen eröffnet die 17-jährige Apinaya Vithyapathy den zwölften Kirchheimer Musikpreis im morgensonnigen Saal des Schlössle. Sie lässt sich nicht nur am Klavier von Lehrerin Maka Jetter, sondern auch am Cello von Julian Briem begleiten und erinnert mit diesem kleinen Ensemble gleich zum Auftakt an das Gründungsmotto des Wettbewerbs: „Musizieren aus Freude an der Musik“.

Zum zwölften Mal veranstaltete die Musikschule Kirchheim gemeinsam mit der Volksbank Kirchheim-Nürtingen den Wettbewerb, der junge Musiker zwischen sechs und 20 Jahren zum Musizieren anregen und ihnen ein Ziel geben soll. Bei den Vorspielen, zu denen alle 32 Teilnehmer ausnahmslos sehr gut vorbereitet erschienen, sieht die Jury, wie viel Unterstützung die Schüler von Lehrern und Eltern erfahren.

Mit wahrer Spielfreude setzt der Saxofonist Jonathan Weinmann das Programm fort und führt vor, was in seinem Blasinstrument, und in ihm, steckt. Besonders bei der Komposition „Black and Blue“ des zeitgenössischen Komponisten Barry Cockcroft kann man nur staunen, wie moderne Musik alle Möglichkeiten des Saxofons ausschöpft - seien es die verschiedensten Klangfarben, Rhythmen oder Percussion mit den Klappen, die der junge Musiker bei seinem Vortrag auskostet.

Eine Forderung in den Regularien des Wettbewerbs ist es, Stücke aus mindestens zwei Epochen vorzuspielen. So gehen Publikum und Jury mit den Teilnehmern auf kleine Zeitreisen. Niklas Kuntz und Isabell Dietz beenden die Vorträge der ältesten Wettbewerbsteilnehmer, der Altersgruppe VI, indem sie in die Welt des Gesangs entführen und man sich bald im elisabethanischen Zeitalter bei einem Lautenlied John Dowlands, bald im Flair der italienisch-barocken Opernwelt wiederfindet.

Am Nachmittag tritt der jüngste Teilnehmer vor die Jury. Janne Wundrak ist nicht nur erst sechs Jahre alt, er spielt auch gerade seit einem halben Jahr Klavier. Der Weg von seinen Füßen zu den Pedalen ist weit. Doch sein schneller Lernfortschritt und seine spürbare Musikalität bewegten seine Lehrerin Ella Flemmer und die Familie, ihn anzumelden. Die Jury kann er überzeugen: er wird mit einem ersten Preis belohnt.

Einige Musiker sind nicht zum ersten Mal dabei. Für den Gitarristen Julian Nürk ist es bereits die dritte Teilnahme. Die Jury lobt sein überragendes Vorspiel, besonders die saubere Technik und den souveränen Vortrag. Die innige Verbindung zu seinem Instrument ist jederzeit spürbar. Neben der Höchstwertung von 25 Punkten wird dem Vortrag des 18-Jährigen bereits Hochschulniveau attestiert.

Der erste Vortragstag erstreckt sich bis in den Abend, doch noch immer herrscht im Schlössle entspannte, gar heitere Stimmung: ein beachtlich hohes Niveau der musikalischen Beiträge erfreut die Beteiligten.

Am Sonntag spielen die neun Teilnehmer der mittleren Altersgruppen. Monumentale Klänge von Bach und Haydn erfüllen den Saal, als der 12-jährige Nathanael Rieker auf dem Steinway-Flügel vorspielt. Schon die jungen Teilnehmer überzeugen durch ausgeprägte Musikalität und Spielfreude. Ebenso die 13-jährige Isabella Reiter, die sich am Violoncello mit beachtlichen technischen Fertigkeiten einerseits, einem empathischen Vortrag andererseits so wie Nathanael einen ersten Preis erspielt.

Neben den zahlreichen Preisen, die die Jury vergeben hat, hat der Wettbewerb alle auf dem Weg des eigenen Musizierens ein Stück vorangebracht. Augenzwinkernd könnte man mit dem letzten Stück aus Raphael Rauchs Vorspielprogramm „Give my regards to Broadway“ sagen: Manch einer macht erste Schritte ins Musikerleben, doch jeder erlebt in einer Welt voller Smartphones und Whatsapp, welche Bereicherung das Musizieren sein kann.

Info Beim Preisträgerkonzert, das am Freitag, 31. März, um 18 Uhr im Bohnauhaus stattfinden wird, geben die jungen Musiker noch einmal eine Kostprobe ihres Könnens.

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