Kirchheim

Neue Runde im Streit um die Klosterwiese

Politik Kirchheimer wenden sich an den Petitionsausschuss des Landtags, um die Bauarbeiten auf der Grünfläche an der Lindach noch zu verhindern. Von Andreas Volz

Dieser Schachtdeckel ist eines der ersten Anzeichen für die Bebauung des Westrands der Kirchheimer Klosterwiese. Anwohner wollen
Dieser Schachtdeckel ist eines der ersten Anzeichen für die Bebauung des Westrands der Kirchheimer Klosterwiese. Anwohner wollen jetzt mit einer Petition dagegen vorgehen.Foto: Carsten Riedl

Anwohner wehren sich gegen die Bebauung der Klosterwiese. Als Wortführer haben sich Dr. Andreas Majocco und Jürgen Meißner an den Petitionsausschuss des Landtags von Baden-Württemberg gewandt: Der Ausschuss möge die rechtliche Zulässigkeit des städtischen Bauvorhabens zur Anschlussunterbringung von Flüchtlingen überprüfen.

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Sieben Einwände legen die Petenten vor. Zum einen geht es um einen privaten Investor, der angrenzend an die Klosterwiese - zur Schlierbacher Straße hin - Reihenhäuser errichten möchte. Wird dagegen die Klosterwiese bebaut, komme es für diesen Investor zu einem „enteignungsgleichen Eingriff“. Zum anderen habe es die Stadt unterlassen, nach Bestandsgebäuden zu suchen, bei denen sie ein Vorkaufsrecht ausüben könnte. Die Petenten halten diese Vorgehensweise für sinnvoller, als zur Anschlussunterbringung Neubauten zu erstellen. Außerdem geht es in der Petition um die historische Bedeutung der Klosterwiese sowie um ihre Bedeutung als „letzte frei zugängliche naturnahe Grünfläche mit freiem Uferzugang zur Lindach“ und als Überflutungsfläche bei Hochwasser. Herausgestrichen wird die „schützenswerte Uferlandschaft mit wertvollem Ökosystem und einzigartigen Tierarten“.

Zusätzlich ist vom hohen Wert des Freizeitraums Klosterwiese die Rede sowie von einem landschaftlichen und städtebaulichen „Juwel“, um das viele andere Städte die Stadt Kirchheim beneiden würden. Sinnvoller sei es, die freie Fläche an der „Ecke“ Umgehungsstraße / Tannenbergstraße zu bebauen anstatt der Klosterwiese.

Andreas Majocco verweist im persönlichen Gespräch noch auf die städtische Homepage. Dort heißt es, die Wiese werde seit 1912 freigehalten von Bebauung - und weiter: „Die Klosterwiese selbst lädt zum Fußballspielen, zu Festen und zum freien Bewegen ein. Der 2013 frisch renovierte Spielplatz ist von der Sage des Riesen Heim inspiriert und fügt sich harmonisch in den alten Baumbestand entlang der Lindach ein.“ Zu dieser Darstellung einer Idylle sagt Andreas Majocco: „Das ist jetzt wohl alles nichts mehr wert.“ Vor allem fürchten die Anwohner eine Art von Dominoeffekt, sobald die ersten beiden Gebäude auf der Wiese stehen. Andreas Majocco formuliert das so: „Wer zwei Häuser baut, der baut auch vier.“

Im Rathaus sind diese Ängste sicherlich bekannt. Von der Petition dagegen wusste vorerst niemand etwas. Es dauert schließlich eine gewisse Zeit, bis das Schreiben auf dem Dienstweg wieder nach Kirchheim kommt. Oberbürgermeisterin Angelika Matt- Heidecker hat trotzdem Stellung genommen, als der Teckbote sie zu den einzelnen Punkten befragte.

Sollte es an einer Stelle tatsächlich zu einem „enteignungsgleichen Eingriff“ gekommen sein, sei das Sache des Investors, nicht der übrigen Anwohner, meint sie. Ein Vorkaufsrecht könne die Stadt nicht immer und überall ausüben. Was die ökologische Bedeutung der Klosterwiese betrifft, verweist sie darauf, dass die Umweltschutzbehörden in die Arbeit am Bebauungsplan einbezogen seien. Zur Freizeitnutzung stehe auf der Klosterwiese noch genügend Platz zur Verfügung, auch wenn beide Häuser gebaut seien. Das Grundstück an der Tannenbergstraße schließlich halte der Landkreis weiter vor, falls er neue Unterbringungsmöglichkeiten schaffen müsse. Aber es gebe einen Unterschied zwischen Unterbringung und Wohnen. Vorübergehende Unterbringung sei an der Tannenbergstraße möglich. Dauerhaftes Wohnen - was mit der Anschlussunterbringung trotz des Begriffs „Unterbringung“ beabsichtigt wird - sei dort aber aus Lärmschutzgründen nicht möglich.

Fazit Angelika Matt-Heideckers: „Wir müssen unserer Verpflichtung zur Anschlussunterbringung nachkommen. Und deshalb können wir, trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen, nicht darauf verzichten, die Wohnungen auf der Klosterwiese zu bauen.“

Es ist davon auszugehen, dass sie dieses Fazit so oder so ähnlich auch auf dem Dienstweg an den Petitionsausschuss weitergeben wird. Ob sich der Ausschuss dieser Sicht der Dinge anschließt, wird sich zeigen.