Kirchheim

Neue Wanderwege in Sicht

Tourismus Im Herbst soll im Landkreis zumindest ein neuer Premiumwanderweg umgesetzt werden. Manche Gemeinden zögern mit Unterstützung. Von Heike Siegemund

Wandern genießt einen hervorragenden Ruf. Ob Premiumwanderwege noch mehr Touristen locken, ist allerdings unklar. Foto: Jörg Bäc
Wandern genießt einen hervorragenden Ruf. Ob Premiumwanderwege noch mehr Touristen locken, ist allerdings unklar. Foto: Jörg Bächle

Der Landkreis Esslingen ist bald um eine Attraktion reicher: Im Herbst soll zumindest einer der neuen Premiumwanderwege eröffnet werden. Zusammen mit dem Landkreis Reutlingen und dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb sind insgesamt 21 Wege geplant - sieben davon sollen im Kreis Esslingen verlaufen. Mit eingebunden sind beispielsweise die Bürgerseen und das Tiefenbachtal, der Breitenstein, die Burg Teck, die Ruine Hohenneuffen, der Bruckener und Beurener Fels sowie der Heidengraben und das Freilichtmuseum Beuren.

Ob im Herbst ein oder zwei Wege umgesetzt werden, hängt laut Projektleiterin Stefanie Blä­sing davon ab, wie die Naturschutzbehörden der beiden Landkreise sowie der Regierungspräsidien Stuttgart und Tübingen die Lage bewerten. „Grundsätzlich ist das Einverständnis vorhanden, aber die offiziellen Verfahren laufen noch“, informiert Stefanie Bläsing von der Tourismusförderung des Kreises Esslingen. Sie freut sich schon jetzt auf die neuen Wege, die zahlreiche unterschiedliche Kriterien erfüllen müssen, um das Zertifikat als Premiumwanderweg zu erhalten. „Sie müssen zum Beispiel naturbelassen sein, und es sollen unterschiedliche Landschaftsräume wie Wald und Streuobstwiesen eingebunden werden“, sagt die Projektleiterin. Highlights und Sehenswürdigkeiten wie die Burg Teck seien ebenso Voraussetzung wie eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Was die Leiterin des Projekts hingegen weniger erfreut, ist die Tatsache, dass die Verantwortlichen nicht in allen angefragten Kommunen offene Türen einrennen konnten. So haben beispielsweise die Gemeinderäte von Neidlingen, Weilheim, Dettingen, Kohlberg und Oberboihingen eine finanzielle Beteiligung bereits abgelehnt - wie sich Lenningen und Kirchheim entscheiden, ist noch offen (siehe Infokasten). Mit dabei sind auf jeden Fall 18 Kommunen - davon zwölf im Kreis Reutlingen und sechs im Kreis Esslingen: Owen, Bissingen, Nürtingen, Erkenbrechtsweiler, Neuffen und Beuren. „Wir bedauern, dass sich nicht alle angefragten Kommunen beteiligen wollen“, sagt Stefanie Bläsing. Denn zum Beispiel die Limburg, die Ruine Reußenstein und der Ausblick auf die herrliche Kirschblüte im Neidlinger Tal wären besondere Anziehungspunkte auf den Premiumwanderwegen gewesen, ergänzt sie. „Aber wir akzeptieren die Entscheidungen. Wir freuen uns trotzdem, dass wir nun mit den anderen Gemeinden starten können, und hoffen, dass die eine oder andere vielleicht doch noch nachzieht.“

Dass die betreffenden Gemeinden eine Beteiligung ablehnten, habe unterschiedliche Gründe. „Manche sehen für sich andere Schwerpunkte und setzen zum Beispiel verstärkt auf das Thema Radverkehr“, sagt Bläsing. Freilich spielt auch das Finanzielle eine große Rolle: Während auf den Kreis Esslingen 15 000 Euro für die Erstellung der „Wanderkonzeption Mittlere Alb, Albtrauf und Biosphärengebiet Schwäbische Alb“ und 30 000 Euro jährlich (auf drei Jahre angelegt) für die Vermarktung der Wege entfallen, haben die betroffenen Kommunen 2 000 Euro pro Wegekilometer zu bezahlen - beziehungsweise 1 000 Euro pro Kilometer, sollte der beantragte Zuschuss durch das Tourismusinfrastrukturprogramm Baden-Württemberg gewährt werden. Hinzu kommen 3 800 Euro pro Jahr und Kommune (auf drei Jahre angelegt) für die Vermarktung der Premiumwanderwege und 800 Euro jährlich pro Wegekilometer für den Unterhalt und die Pflege.

Die beteiligten Gemeinden werden aber nicht nur zur Kasse gebeten, betont Stefanie Bläsing. Über Tagestouristen, aber auch im Bereich Kurzurlaub könnten sie von dem neuen Angebot profitieren. Das Prädikat Premiumwanderweg genieße einen hervorragenden Ruf. Wandern habe sich zu einer allseits beliebten Sportart entwickelt, verdeutlicht die Projektleiterin und ergänzt: „Mit den Premiumwanderwegen können wir im Landkreis eine weitere Attraktion vorweisen.“

Kirchheim zögert, Owen und Bissingen nicht

Unentschlossen Ob sich Kirchheim an den Premiumwanderwegen beteiligt, steht noch nicht fest. Der Gemeinderat muss noch über das Thema entscheiden - auch darüber, ob Kirchheim und Nürtingen den Betrag der Gemeinde Dettingen übernehmen und den 14 Kilometer langen Weg zwischen Bürgerseen und Tiefenbachtal gemeinsam umsetzen. Dettingen will nicht.

Überzeugt Fest steht indes, dass die Gemeinden Bissingen und Owen den Betrag Lenningens für den 13 Kilometer langen Rundweg über den Sattelbogen und die Burg Teck vorschießen beziehungsweise übernehmen. In Lenningen möchte man noch die Ergebnisse eines Standortgutachtens abwarten, bevor man eine Entscheidung fällt. Momentan könne die Gemeinde Lenningen nicht erkennen, welche Wertschöpfung durch die Wanderwege generiert werde, „nachdem die vorgesehenen Wege nicht Start oder Ziel in der Gemeinde haben“, betont Bürgermeister Michael Schlecht. Die hohen Kosten müssten durch touristisches Potenzial begründbar sein. Die Stadt Owen hat im Haushaltsplan für 2017 einen Etat von 11 000 Euro für die Wege vorgesehen. hei

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