Kirchheim

Neuer Bürgermeister soll die Verwaltung schlanker machen

Strukturreform Kirchheimer Stadtverwaltung organisiert sich komplett um. Ziel ist es, künftig schneller und verantwortungsvoller zu arbeiten. Von Andreas Volz

Äußerlich bleibt das Kirchheimer Rathaus unverändert. Im Inneren aber dürfte es schon bald neue Strukturen geben. Unter anderem
Äußerlich bleibt das Kirchheimer Rathaus unverändert. Im Inneren aber dürfte es schon bald neue Strukturen geben. Unter anderem soll eine weitere Bürgermeisterstelle geschaffen werden.Foto: Carsten Riedl

Die Stadt Kirchheim macht sich über die Zukunft nicht nur Gedanken, sie will sich auch strategisch richtig für die Zukunft aufstellen. Sichtbarster Ausdruck dieser Strategie soll jetzt eine Neuorganisation der Stadtverwaltung werden: Die Hierarchieebene der Fachbereichsleiter wird abgeschafft. Dadurch sollen die einzelnen Ämter mehr Selbstverantwortung bekommen. Insgesamt soll die Verwaltung schlanker und somit effizienter werden. An der Spitze wird sie allerdings deutlich breiter: Statt zwei gibt es künftig drei Dezernate. Für die Leitung des dritten Dezernats wird eine Bürgermeisterstelle neu ausgeschrieben.

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Noch ist das Konzept nicht wirklich in trockenen Tüchern. Nächsten Mittwoch erst soll es der Gemeinderat absegnen. Dass die Chancen dafür hoch sind, zeigte sich gestern bereits beim Pressegespräch: Alle Fraktionen und Gruppierungen des Gemeinderats hatten Vertreter entsandt, und alle Vertreter zeigten sich überzeugt von der „Verwaltungsreform“.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker spricht von der Zeit, die sich geändert hat: „Die Bürger erwarten, dass das, was sie beantragen, schnell bearbeitet wird. Da kommt die Verwaltung oft nicht hinterher.“ Der neue Zuschnitt der Verwaltungsspitze soll jetzt also weiterhelfen, wobei die bisherige Einteilung in „Bildung, Kultur, Soziales“ sowie „Planen, Bauen, Sicherheit und Ordnung“ erhalten bleibt. Das dritte Dezernat dagegen sei „mehr nach innen gerichtet“. Dazu gehören Themen wie „Recht, Personal, Organisation, Finanzen“ sowie „Gremien und Öffentlichkeitsarbeit“.

Zur strategischen Ausrichtung der Stadt gehören aber auch die elf Handlungsfelder, die der Gemeinderat definiert und priorisiert hat. Jährlich geht es darum, die Prioritäten neu zu bewerten und gegebenenfalls zu verschieben. Statt der Bildung ist jetzt das Thema „Wohnen“ ganz nach oben gerutscht. Auf dem vorletzten Platz - gerade noch vor dem Tourismus - findet sich die Kultur. „Das heißt aber nicht, dass wir die Kultur einstellen wollen“, betont die Oberbürgermeisterin. Sonst wäre die Kultur ja auch komplett aus der Liste verschwunden.

Obwohl sich der Gemeinderat mit großer Mehrheit auf seine Prioritätenliste geeinigt hat, höre das „Ringen um Themen“ nicht auf, stellen Bettina Schmauder (Freie Wähler) und Dr. Thilo Rose (CDU) fest: „Im Detail wird es immer wieder knappe Entscheidungen geben.“

Die „Lyrik“ der Leitbilder

Walter Auegle (SPD) dagegen scheint die Leitbilder kritischer oder auch realistischer zu betrachten. Er spricht von „Lyrik“ und macht klar, dass sich Überschriften wie „Von uns allen bewegt“ allenfalls gut anhören. Schon den Begriff „alle“ stellt er infrage: „Es interessieren sich nur einige wenige für Kommunalpolitik.“ Wenn dann noch die „Nachhaltigkeit“ ins Spiel kommt, fragt Walter Aeugle: „Unsere öffentlichen Gebäude verlottern, zum Beispiel das Technische Zentrum - ist das nachhaltig?“ Wenn 2030 jeder Einwohner Kirchheims „angemessen wohnen“ können soll, ist das für ihn nichts weiter als ein „hehres Ziel“, denn „schon jetzt finden Normalverdiener in Kirchheim kaum mehr angemessenen Wohnraum, und daran wird sich bis 2030 auch nicht sehr viel ändern“.

Sabine Bur am Orde-Käß gibt zu bedenken, dass sich außer der Stadtverwaltung auch der Gemeinderat neu organisieren müsste: „Auch wir müssen zielorientierter werden. Wir müssen mehr agieren als reagieren.“ Sie regt an, künftig vielleicht einen dritten Ausschuss einzurichten, dessen Themen auf das dritte Dezernat zugeschnitten sind.

Auch Dr. Silvia Oberhauser (Frauenliste) beklagt „die kurzfristigen Handlungszwänge, durch die oft die langfristigen Ziele unserem Blick entschwinden“. Ähnlich wie Walter Aeugle stellt sie fest: „Unsere Handlungsfelder kommen zwar aus dem Zukunftsdialog. Aber am Zukunftsdialog nehmen immer die gleichen teil, die vielleicht sowieso schon Lobbyarbeit betreiben.“

Renata Alt (FDP) und Gerd Mogler (CIK) hoffen beide, dass die Verwaltung nach der Umstrukturierung tatsächlich im Sinne der Bürger schneller und effizienter arbeiten kann. Das zumindest verspricht sich auch die Oberbürgermeisterin vom Wegfall einer Hierarchieebene: „Dadurch geben wir mehr Verantwortung nach unten weiter. Das wertet auch die jeweilige Arbeit auf.“