Kirchheim

„Nicht die beste Lösung“

Nicht allen Kirchheimern gefällt der neue Wachthaus-Biergarten – Besucher zieht er trotzdem an

Bei Sonnenstrahl und Sommerwetter ist der Kirchheimer Biergarten am Wachthaus voll wie früher. Ganz zufrieden sind die meisten trotzdem nicht.

Fanden den Biergarten am Wachthaus vor der Umgestaltung schöner: Erhard Witteck, Hartmut Schallenmüller, Alexandra und Gerwin Ba
Fanden den Biergarten am Wachthaus vor der Umgestaltung schöner: Erhard Witteck, Hartmut Schallenmüller, Alexandra und Gerwin Bauer, Dorothee Knaup, Günther Wölfle und Carmen Erlewein-Wölfle. Fotos. Markus Brändli

Kirchheim. Der Sommer kommt, die Bäume leuchten in strahlendem Grün und an sonnigen Tagen zieht es die Kirchheimer in Scharen raus in die Eisdielen und Cafés der Stadt. Auch im umgestalteten Biergarten am Wachthaus drängen sich nach Feierabend nicht selten die Menschen auf den Bierbänken. Der Aufschrei vom letzten Jahr, als die Betreiber ein neues Küchenhaus bauen mussten und die alte Magnolie fällten, scheint inzwischen vergessen – ist er aber nicht. Hört man sich in der Kirchheimer Fußgängerzone um, trauern noch einige dem alten Ambiente hinterher. Besonders das neue Holzgebäude, das der Betreiber aus hygienischen Gründen anbauen musste, sorgt auch nach über einem Jahr für Unverständnis.

Erhard Witteck aus Kirchheim versteht beispielsweise nicht, wie man ein Gebäude mit Holzfassade mitten im alten Kern der Stadt bauen lassen kann, wenn andere Häuser in der Stadtmitte sogar die Farbe ihres Anstrichs vorgeschrieben bekommen. „Da hat man sich nicht das Beste einfallen lassen“, findet der Kirchheimer, der selbst vom Bau ist. Dass er mit Stil und Aussehen des neuen Biergartens nicht einverstanden ist, hindert ihn aber nicht daran, mit Freunden sein Feierabendbier dort zu trinken. „Die Atmosphäre stimmt immer noch“, sagt er. Mit der Zeit würden ja auch die Bäume wieder nachwachsen.

Drastischer formuliert Hartmut Schallenmüller seinen Unmut: „Zwischen dem wunderschönen Fachwerkensemble von Altem Haus und Wachthaus ist der Neubau doch vollkommen deplatziert“, findet er. Seiner Ansicht nach hätte die Stadt früher eingreifen müssen. Die Genehmigung steht auch für ihn im totalen Widerspruch zur Altstadtverordnung. Die Veränderung an sich stört den 77-Jährigen nicht – schließlich müssten sich die Räume einer Wirtschaft eben der Zeit anpassen –, sondern eher das „Wie“.

Für Alexandra und Gerwin Bauer waren die Bäume, besonders die Magnolie, im alten Wachthaus-Biergarten absolut charakteristisch. „Sie hätten vielleicht nicht gleich alles abholzen müssen“, gibt Alexandra Barner zu bedenken. Trotzdem finden sie die Umgestaltung insgesamt gut gelungen. Außerdem hätten die jungen, kleinen Bäume einen entscheidenden Vorteil: Wenn die Sonne sich schon mal blicken lässt, hat man auch was von ihr. Für sie bleibt das Wachthaus auch dieses Jahr ihr Stammbiergarten. Immerhin ist er der einzige mitten im Herzen von Kirchheim.

Auch Dorothee Knauß sieht den Skandal vom letzten Jahr inzwischen gelassen und hofft auf die Zeit. „Die Bäume kommen doch wieder“, sagt sie optimistisch. Ins Wachthaus geht sie immer noch gerne: Besonders wegen der schönen Stimmung und weil man dort leicht mit Menschen ins Gespräch kommen kann. Daran habe sich seit der Erneuerung nichts geändert.

Günther Wölfle und Carmen Erlewein-Wölfle zieht es dagegen gar nicht mehr in den Biergarten in der Stadtmitte: „Das sieht immer noch furchtbar aus“, beklagt der Kirchheimer die in Reih‘ und Glied aufgestellten Tische und Bänke. Für ihn ist das ganze Flair des Kirchheimer Kult-Biergartens jetzt Geschichte. Es sei nun ein Biergarten „ohne Seele“. Früher waren die beiden Kirchheimer Stammgäste am Rossmarkt, heute weichen sie meistens auf den Hirschgarten in der Dettinger Straße aus.

Von den Beschwerden merkt der Geschäftsführer, Daniel Rau, nichts: „Ich denke, der Biergarten wird sehr gut angenommen“, sagt er. Von den Besucherzahlen her gebe es keinen Unterschied zur Zeit vor der Umgestaltung.

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