Kirchheim

Nichts als allererste Sahne

Konzert Der gemeinsame Auftritt von drei Musikschulen im Kirchheimer Kornhaus zeigt den hohen Stand der musikalischen Nachwuchsförderung. Von Peter Dietrich

Beim Konzert „Erste Sahne“ im Kornhaus zeigt Michael Wolters von der Musikschule Nürtingen sein Können am Klavier.Fotos: Peter D
Beim Konzert „Erste Sahne“ im Kornhaus zeigt Michael Wolters von der Musikschule Nürtingen sein Können am Klavier.Fotos: Peter Dietrich

Für ihre „Studienvorbereitende Ausbildung“, kurz Stuvo, haben sich die Musikschulen Nürtingen, Neckartailfingen und Kirchheim vor einigen Jahren zusammengetan. Die Theorieblöcke an Wochenenden mit Harmonielehre und Gehörschulung führen sie gemeinsam durch. Gemeinsam sind auch die halbjährlichen Konzerte, bei denen die Schüler gefordert werden. Wer dort keinen Fortschritt gegenüber einem Jahr zuvor vorzeigen kann, auf den wartet womöglich ein klärendes Gespräch. Denn die Musikschulen unterstützen die Nachwuchsförderung, indem sie rund 60 Prozent der fälligen Gebühren selbst übernehmen.

Zum Musikunterricht von zweimal einer Dreiviertelstunde pro Woche kommen für die Schüler viele Stunden des Übens zu Hause - und die Schulabschlussprüfungen, die die meisten in absehbarer Zeit erwartet. Das gemeinsame Ziel der Stuvo-Teilnehmer: Sie alle wollen anschließend die Aufnahmeprüfung schaffen, um Musik zu studieren. Ein Studienplatz sei nicht garantiert, sagte Hans-Peter Weyhmüller, Leiter der Musikschule Kirchheim. Die Konkurrenz, auch auf internationaler Ebene, sei sehr groß.

Training für Musikpreis

„Erste Sahne“ hatten die drei Musikschulen ihr Konzert mit ihren besten Schülern genannt. Das war völlig gerechtfertigt, bei jedem einzelnen Schüler und jedem Instrument. Für die Kirchheimer Stuvo-Teilnehmer war der Auftritt zugleich ein Training für den Kirchheimer Musikpreis am kommenden Wochenende.

Dem Amerikaner John Williams verdankt die Welt viele bedeutende Filmmusiken, unter anderem zu den Star-Wars-Episoden. Mit seinem Thema aus „Schindlers Liste“ und den verträumten „Erinnerungen“ machte die Violinistin Linda Zaiser den Anfang, am Klavier begleitet von der Nürtinger Lehrerin Elena Benditskaya. Bei Michael Wolters wurde es am Klavier mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach und Ludwig van Beethoven schnell und dramatisch. Julian Nürk spielte sich an der Gitarre mit flinken Fingern durch wirklich alle Lagen, bis zur letzten vor dem Schallloch, und brachte auswendig und überzeugend „La Catedral“ von Augustin Barrios Mangore zu Gehör.

Apinaya Vithyapathy mit der Querflöte und Julian Briem mit dem Violoncello wurden am Flügel von der Kirchheimer Lehrerin Maka Jetter begleitet. Lebendig spielten sie die Hamburger Sonate G-Dur für Flöte und Basso Continuo vom berühmten Bachsohn Carl Philipp Emanuel Bach.

„Mit leidenschaftlichem Ausdruck“ wollte Robert Schumann den ersten Satz seiner Sonate für Violine und Klavier a-Moll dargeboten wissen, dieser Aufgabe stellte sich Malin Lenke, vom Neckartailfinger Lehrer Ole Abraham am Klavier begleitet. Abraham begleitete danach auch die Violinistin Annalena Micko beim ersten Satz von Beethovens Sonate für Violine und Klavier c-Moll.

Was dann kam, war kein Doppelauftritt einer jungen Künstlerin, sondern das Nacheinander zweier musikalisch gleichermaßen begabten Zwillingsschwestern, die beide an der Musikschule Kirchheim lernen: Tabea Wolff spielte mit der Querflöte ein virtuoses Solostück von Jacques Ibert, Lea Wolff mit der Violine rumänische Tänze von Béla Bartók.

Deborah Sausmikat von der Musikschule Nürtingen brauchte weder für ihre zwei Sätze von Mozarts Sonate F-Dur, noch für Schumanns Toccata, noch für die schwere Étude-Tableau d-Moll von Rachmaninow irgendwelche Noten. Noten braucht aber die Begabtenförderung, auch Banknoten. Diese hinterließen die höchst zufriedenen Zuhörer nach knapp zwei Stunden anspruchsvollem Konzert in einem kleinen Körbchen.

Von der Musikschule Kirchheim treten Apinaya Vithyapathy an der Querflöte und Julian Briem am Violoncello mit der Lehrerin Maka
Von der Musikschule Kirchheim treten Apinaya Vithyapathy an der Querflöte und Julian Briem am Violoncello mit der Lehrerin Maka Jetter am Klavier auf.
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