Kirchheim

Oldtimer der Lüfte locken die Massen

Die Organisatoren waren vom Besucheransturm auf der Hahnweide überwältigt: Rund 50 000 Besucher erlebten ein nostalgisches und vielfältiges Programm. 

Kirchheim. Bereits am Freitag war es vorbei mit der beschaulichen Ruhe am Teckhimmel. Nach und nach trafen die über 350 Piloten mit ihren Oldtimern ein und verzückten Tausende Schaulustige.

Als Highlight verzeichneten die Organisatoren der Fliegergruppe Wolf-Hirth den Überflug der Patrouille de France und den Formationsanflug der drei Passagierflugzeuge des Typs Ju 52. Am Samstag herrschte bereits vor Sonnenaufgang großer Andrang zum Flugfeld. Denn: Die Flightline – der Innenraum des Flugplatzgeländes – war bis neun Uhr geöffnet und erlaubte so den Besuchern, die Antonov, US Airforce-Maschinen und viele andere Preziosen hautnah zu besichtigen. Moderator Bernd Pfähler hatte keine Mühe, die Flightline mit Charme und Witz pünktlich zu räumen, damit der Flugbetrieb freigegeben werden konnte.

Zuerst wurde es still am Himmel rund um die Teck: Die Segelflieger zeigten ihre Manöver, konnten aber wegen fehlender Thermik keine großen Steigflüge vollführen. Wer jetzt in fliegerische Lethargie verfallen war, wurde durch das sonore Brummen der BMW-Sternmotoren aus den Träumen gerissen; die Ju 52 startete zum ersten Rundflug und erhielt viel Beifall von den Zuschauerrängen. Es folgte ein weiterer rasanter Höhepunkt: Die Spitfire donnerte mit Speed über die Köpfe der Flugbegeisterten. Einmal mit hohem Tempo, und beim nächsten Überflug zeigte der Pilot, dass die Supermarine-Maschine auch langsam kann. Normal bringt dieser Jet bis zu 700 Stundenkilometer in der Luft. 

Selbst Klassikfreunde kamen auf der Hahnweide auf ihre Kosten: Die BL-Staffel zeigte, wie Synchronfliegen funktioniert. Zur Freude des Publikums gab es eine Zeitreise in die heutige Zeit. Hubschrauber der Polizei überflogen das Gelände bodennah und sorgten damit für Begeisterung. Die langjährige Freundschaft der veranstaltenden Fliegergruppe Wolf-Hirth zur französischen Fliegergruppe Aero-Club Paul Mangeot in Pont-Saint-Vincent brachte nebst der Patrouille de France einen weiteren Höhepunkt: Die „Flamant Formation“ erntete viel Beifall. Die beleuchteten Flüge in der Abenddämmerung sorgten für einen erhabenen Moment und stimmten das Publikum auf die traditionelle Hangarparty ein.
Der gestrige Sonntag war für viele zugleich Abflugtag. Wehmütig schwenkten die Piloten zum Gruß die Flügel ihrer tollen Kisten, und einer nach dem anderen verschwand am Horizont, und allmählich kehrte auf der Hahnweide wieder Ruhe ein.
Der Besucherandrang war gewaltig. „Angesichts der verkauften Tickets und der ungezählten Eintritte, wie etwa durch Kinder und Jugendliche, dürften rund 50 000 Menschen an diesem Wochenende das Treffen auf der Hahnweide besucht haben“, schätzt Pressechef Rainer Rauch. Der große Andrang versetzte die Sicherheitskräfte wie Polizei, Feuerwehr und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in erhöhte Bereitschaft. Dazu der Kirchheimer Polizeirevierleiter Thomas Pitzinger: „Wir haben uns Verstärkung aus den benachbarten Revieren geholt und arbeiten eng mit der Verkehrspolizei zusammen.“ Ziel des Polizeieinsatzes war, während des Veranstaltungsprogramms Präsenz zu zeigen und jederzeit ansprechbar zu sein. Als besondere Vorfälle erwähnte Pitzinger den Autobrand am Freitag auf dem Parkplatzgelände und einzelne Geldbörsendiebstähle.
Andreas Gula, Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim, war mit 23 Mann und fünf Einsatzfahrzeugen auf dem Flugplatz und stellte den Brandschutz sicher. Kaum Ruhe hatten die 50 Männer und Frauen vom DRK: Immer wieder gab es Notrufe, dass Besucher zusammengebrochen seien oder von Wespen gestochen wurden. Andreas Schober war am Oldtimerwochenende Einsatzleiter für den Kreisverband Nürtingen-Kirchheim. „Wir sind mit 20 Rettungsfahrzeugen auf dem Gelände und werden von acht Notärzten im Medical Center unterstützt.“ Einer davon ist Dr. Thilo Haug. Er schaut sich zwar die Flugzeuge auch gerne an, aber meistens bleibt beim Event keine Zeit. „Mit der Zeit hat man eine gewisse Routine, aber selbst für den Notarzt sorgt eine unvorhergesehene Situation für mächtigen Adrenalinschub.“ Beide sind sich einig: Das Oldtimerfliegertreffen ist der größte Anlass in der Region. „Wenn rund 50 000 Menschen an einem Ort unterwegs sind, ist quasi eine Kleinstadt auf den Beinen.“

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