Kirchheim

Plastiktüten nur gegen Bares

Ab April sollen Kunststofftaschen Geld kosten – Unter der Teck kommt die Idee gut an

„Brauchen Sie noch eine Tüte?“ Wer diese Frage an der Kasse bejaht, muss vielleicht bald Bares rausrücken. Denn ab dem ersten April soll es keine kostenlosen Plastiktüten mehr geben. Eine Umfrage zeigt: Den Kirchheimern kommt immer weniger in die Tüte.

Stoff statt Plastik - das ist für manche Kirchheimer schon lange üblich.Fotos: Carsten Riedl
Stoff statt Plastik - das ist für manche Kirchheimer schon lange üblich.Fotos: Carsten Riedl

Kirchheim. Joghurtbecher, Telefon, PET-Flasche, Einkaufstüte – Plastik ist überall. Die Weichmacher im Kunststoff gelten nicht nur als gesundheitsbedenklich, der Müll ist beinahe unsterblich. Schreckensbilder von Plastikstrudeln im Meer und verhungerten Seevögeln mit Bäuchen voller Plastik sind die Folge. Das EU-Parlament möchte etwas gegen den hohen Konsum tun: Der jährliche Verbrauch soll bis 2025 nicht mehr als 40 leichte Kunststofftragetaschen pro Person betragen. Das Ziel könnte durch eine Bezahlpflicht, Pfand oder Verbote erreicht werden. Bislang kosten die Tüten in Deutschland nur im Supermarkt Geld. Ab dem 1. April sollen Kunden aber auch in anderen Läden zahlen. Wie viel, dürfen die Händler aus wettbewerbsrechtlichen Gründen selbst festlegen.

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In Kirchheim nehmen die Passanten das neue Gesetz positiv auf. „Wenn es geht, sollte man die Tüten natürlich gar nicht benutzen“, sagt Engelbert Rief und präsentiert stolz seine Kirchheim-Stofftasche. „Ich gehe fast immer mit Korb oder Tasche in die Stadt.“ Wenn er doch mal eine Tüte braucht, benutzt der 77-jährige Kirchheimer sie noch so lange wie möglich weiter. „Eine Plastiktüte kann ich daheim auch nicht einfach in die Ecke werfen“, sieht er schmunzelnd einen weiteren Nachteil.

Auch Martina Banzhaf findet es in Ordnung, dass die Tüten nun ein paar Kreuzer kosten sollen. „Da überleg ich‘s mir natürlich zweimal“, sagt die 43-Jährige. Trotzdem sind Plastiktüten manchmal nicht zu vermeiden: Gerade hat sich die Kirchheimerin zu einem Spontaneinkauf hinreißen lassen und hatte keine Tasche zur Hand. „Da war die Tüte natürlich schon gut“, gibt sie zu – auch wenn sie fünf Cent gekostet hat.

„Ich benutze immer Stofftaschen“, sagt dagegen Nina Weber konsequent. Nur beim Obst greift auch sie noch auf die dünnen Plastiktütchen zurück. Manchmal hat die 20-Jährige aber das Gefühl, nur in Deutschland würden sich die Menschen so viele Gedanken um die Umweltprobleme machen. Im europäischen Ausland gehe man viel verschwenderischer mit den Tüten um. „Wenn man sich vorstellt, dass jedes produzierte Stück Plastik noch irgendwo existiert . . .“, überlegt sie mit Schaudern. Zudem kritisiert sie, dass die meisten Plastiktüten aus Erdöl hergestellt werden. Den Verbrauch zu reduzieren, findet sie gut, aber schwierig umzusetzen. „Die Leute sind eben bequem“, meint sie.

Monika Rehm findet, dass der hohe Plastikkonsum eine „große Unsitte“ ist. Je mehr dagegen gemacht wird, desto besser, lautet ihr Credo. Sie findet es schrecklich, dass die Tüten überall herum liegen. „Es ist eine Sauerei, bis in den Wald hinein“, verurteilt sie die Wegwerfgesellschaft. Um dem entgegenzuwirken, hat sie im Auto immer Netze und Taschen dabei. Plastiktüten verwendet sie als Gelben Sack wieder. „Ich hole jetzt noch ein Hähnchen und habe dafür schon eine Tüte dabei“, sagt die Kirchheimerin. Vor Jahren wurde man noch belächelt, wenn man Jute statt Plastik benutzt. Da hat sich zum Glück etwas geändert.

Als Maßnahme gegen den hohen Verbrauch fordert Karin Hönig konsequente Aufklärung. Die schrecklichen Bilder vom Plastik im Meer könnten öfters gezeigt werden, ähnlich wie die Kampagne auf Zigarettenschachteln. Sie benutzt die Tüten nur noch für empfindliche Ware wie Gemüse. „Manche Lebensmittel müssen einfach getrennt transportiert werden“, meint sie. Käse hat sie schon versucht in eine mitgebrachte Box einpacken zu lassen. „Wegen den Hygienevorschriften ging das aber nicht immer“, bedauert sie. Ein Problem sieht sie auch in den herumliegenden Hundetüten.

Der 28-jährige Hussein Harmanani ist erst seit zwei Monaten in Deutschland. Er kommt aus dem Libanon. „Dort sind die Tüten kostenlos“, erzählt er. „Und es gibt viele, viele Tüten.“ Hier in Kirchheim ist ihm schon aufgefallen, dass weniger gebraucht werden. Er selbst benutzt die Plastiktüten gerne, achtet aber darauf, sie öfters zu verwenden.