Kirchheim

„Plötzlich war es mucksmäuschenstill“

Schrecksekunde Glück im Unglück: Beim Zusammenstoß zweier Flugzeuge beim Fliegertreffen auf der Kirchheimer Hahnweide wurden die vier Flugzeuginsassen nur leicht verletzt. Von Thomas Krytzner

Das 19. Oldtimer-Fliegertreffen lockte in diesem Jahr rund 35.000 begeisterte Zuschauer auf die Kirchheimer Hahnweide.Foto: Mark
Das 19. Oldtimer-Fliegertreffen lockte in diesem Jahr rund 35.000 begeisterte Zuschauer auf die Kirchheimer Hahnweide. Foto: Markus Brändli

Bis kurz nach halb zwei am Sonntag verlief das 19. Oldtimer-Fliegertreffen auf der Kirchheimer Hahnweide für die rund 35 000 Besucher, die Veranstalter und die Einsatzkräfte noch reibungslos. Doch dann gab es plötzlich einen Knall, und auf der Hahnweide herrschte für einige Momente Stille. „Da war es plötzlich mucksmäuschenstill“, beschreibt Siegmund „Sieger“ Maier vom „Fliegenden Museum“ die Situation. Er war in diesem Moment mit seinen Vereinskollegen auf der Höhe des Unfallgeschehens. „Wir haben hier unseren Stand und einen Segelflugzeuganhänger aufgebaut.“

Damit die unzähligen Piloten mit ihren historischen Kisten am Sonntagmittag gemütlich den Heimweg antreten konnten, hatten die Organisatoren sogenannte Abflugfenster eingeplant. „Diese baut man ein, wenn viele Gastflugzeuge da sind, und ermöglicht den Piloten dadurch eine planbare Heimreise.“ Bei einem solchen Abflugfenster wird das Programm für eine halbe Stunde unterbrochen, damit in dieser Zeit ungefähr 30 Maschinen wegfliegen können. „Sieger“ Maier erinnert sich an den Moment des Crashs: „Wir standen da, unterhielten uns, und auf einmal macht‘s einen Schlag, einen richtig metallischen Schlag. Als ich schaute, sah ich den hochstehenden Flügel der Jodel-Maschine und dachte ‚Oh je, jetzt ist der Tag gelaufen‘.“

Unfall muss untersucht werden

Zum Glück aller Beteiligten wurden die Insassen der beiden verunglückten Maschinen jedoch nur leicht verletzt. Wie es zu dem Unfall kam, lässt sich nicht genau sagen. Maier erklärt die Technik des betroffenen Flugzeuges, eine alte Jodel Ambassadeur aus England. „Dies ist ein Spornradflugzeug und rollt solange auf drei Rädern, bis es genügend Fahrt hat. Dann hebt es den Schwanz.“ Der Fachmann vermutet: „In dem Moment, als der Schwanz vom Boden abhob, ist das Flugzeug wohl nach links weggedriftet. Leider erwischte der Pilot dabei mit seiner Jodel eine Cessna, die im Abflugstau stand.“

Durch den Aufprall mit dem Flügel wurde die Cessna herumgewirbelt, und der Flügel sei dem englischen Piloten auf die Kabine geprallt, wie der Ex-Pilot weiter ausführt. Sofort wurde auf der Hahnweide alles abgesperrt, die Rettungskräfte und die Feuerwehr leiteten die Erste-Hilfe-Maßnahmen ein.

Da beim Crash auch Hoch-Oktan-Benzin ausgelaufen ist, mussten die Einsatzkräfte der Kirchheimer Feuerwehr einen Schaumteppich auslegen. Für Maier nachvollziehbar: „Mit dem Schaum wurde verhindert, dass Benzinströme verrauchen - bei der Trockenheit herrscht ja hohe Brandgefahr.“ Zudem wurde der Rest des Treibstoffs vor Ort abgepumpt. Dass alle Beteiligten Glück im Unglück hatten, erleichtert Maier: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass kein Feuer entstanden ist, denn das hätte schlimm enden können.“ Solche Unfälle seien grundsätzlich nicht vorhersehbar - erst recht nicht bei solch vermeintlich normalen Vorgängen. Maier vermutet einen Steuerfehler beim Piloten. Dennoch müsse man erst den Bericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung abwarten.

Flugshow ging nicht weiter

Dass die Flugshow nach dem Crash abgebrochen wurde, begrüßt der ehemalige Museumschef. „Wir sind dankbar, dass keine Zuschauer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Wenn ein Unfall auf dem Flugplatz passiert, geht erst einmal gar nichts mehr. Wir hatten ja auch Leute vom Regierungspräsidium und von der Flugunfalluntersuchungsbehörde direkt vor Ort.“ Doch auch wenn die Flugshow nicht mehr fortgesetzt wurde, war für die bleibenden Zuschauer immer noch einiges geboten. So haben die Organisatoren eine Startbahn wieder freigegeben, sodass wenigstens die Piloten der kleineren Maschinen wegfliegen konnten. Die beiden Moderatoren, der heimische Segelflugweltmeister Tilo Holighaus und Luftfahrtspezialist Bernd Pfähler, hielten die Besucher bei der Stange und lieferten viele Details zu den heimfliegenden Flugzeugen.

„Nach der minutenlangen Stille, waren wir froh, dass es dann trotzdem weiterging und im Publikum keine Panik ausgebrochen ist.“ Maier bedauert zwar den tragischen Abschluss des 19. Oldtimer Fliegertreffs, kündigt aber an: „Der Unfall hat keine Auswirkungen auf weitere Fliegertreffen.“ Für die Veranstalter dürfte das jähe Ende jedoch ein Loch in die Kasse gerissen haben, da nach dem Unfall keine weiteren Besucher mehr auf das Gelände gelassen wurden.

Abgesehen vom Crash hielten sich die Einsätze für die vielen ehrenamtlichen Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst im Rahmen. Bei den Aufräumarbeiten auf der Hahnweide war der Zusammenstoß zwar immer wieder Gesprächsthema, aber die Mitglieder der Fliegergruppe Wolf Hirth denken vermutlich schon beim Wegräumen der vielen Biertischgarnituren und der Zelte an das nächste Oldtimer-Fliegertreffen.

Der Crash zweier Flugzeuge sorgte auf der Hahnweide für eine Schrecksekunde. Foto: Thomas Krytzner
Der Crash zweier Flugzeuge sorgte auf der Hahnweide für eine Schrecksekunde. Foto: Thomas Krytzner
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