Kirchheim

Polieren gegen das Vergessen

Gedenken Zwei Kirchheimerinnen haben zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz Stolpersteine auf Hochglanz gebracht.

Klar lesbar präsentieren sich die Stolpersteine nach der Politur.
Klar lesbar präsentieren sich die Stolpersteine nach der Politur.

Kirchheim. Mit Messingpolierpaste und Schwamm sind sie am Montag losgezogen, Anja Hennrich und Bärbel Schmitz aus Kirchheim. Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz hatten die Freundinnen beschlossen, ihr ganz persönliches Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Das Ergebnis ist für jedermann sichtbar: Fünf „Stolpersteine“ in der Kirchheimer Innenstadt blinken jetzt wieder unübersehbar im Pflaster, fallen den Passanten auf Anhieb ins Auge und sind somit wieder zu echten Stolpersteinen geworden: zu etwas, über das man nicht einfach hinweggeht, das zum Innehalten zwingt.

Emil Salomon, Hulda Bernstein, Jeanne Bernstein, Elya Rytschkow, Wasily Kutscherow. Diese Namen sind nun wieder deutlich zu lesen. „Wir haben uns fünf Steine in der Innenstadt herausgegriffen, weil wir sicher waren, dass sich um die sonst niemand kümmert“, berichtet Anja Hennrich. Die Idee, sich der Stolpersteine anzunehmen, hatte Bärbel Schmitz durch ihre Tochter. Sie spielt bei „Lockstoff“ in Stuttgart Theater in öffentlichem Raum. Gemeinsam mit „StolperKunst“ finden dort derzeit unter dem Titel „Familienabend - eine Erinnerung für die Zukunft“ Veranstaltungen in Privatwohnungen statt, vor denen Stolpersteine liegen. „Das ist sehr ergreifend“, betont Bärbel Schmitz.

Für die beiden Freundinnen ist nicht nur klar, dass die persönlichen Schicksale der Betroffenen nie vergessen werden dürfen. Für sie steht außerdem fest, dass sie in der Zukunft wieder mal selbst zu Politur greifen werden - auch ganz ohne Anlass. Irene Strifler

 

Stolpersteine sind kleine Gedenktafeln, die am Boden verlegt werden. Sie sollen an das Schicksal von Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden und liegen meist vor deren ehemaligen Wohnungen. Es handelt sich dabei um ein europaweites Projekt des Künstlers Gunter Demnig.

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