Kirchheim

Projekt mit jungen Leuten etabliert sich

Hilfe Der Arbeitskreis Leben Kirchheim unterstützt Menschen in schwierigen Situationen. Außerdem klärt er an Schulen Jugendliche über Krisen und Erkrankungen auf.

Karin Cewe ist neues Vorstandsmitglied, hier zwischen Markus Bienecker (links) und Harald Kuhn.Foto: pr
Karin Cewe ist neues Vorstandsmitglied, hier zwischen Markus Bienecker (links) und Harald Kuhn. Foto: pr

Der Arbeitskreis Leben Nürtingen-Kirchheim (AKL) engagiert sich seit 1983 für Menschen in Lebenskrisen und bei Selbsttötungsgefahr, ebenso für Angehörige in Sorge und ist für viele ein wichtiger Anker.

352 Menschen erhielten im Jahr 2019 intensive Beratung beziehungsweise Begleitung durch die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter im AKL. „Die Auseinandersetzung mit dem Thema Krise ist nicht erst seit der Coronapandemie zentraler Auftrag unserer Arbeit. Der AKL ist schon seit über drei Jahrzehnten eine wichtige Anlaufstelle für die Menschen unserer Region. Dabei richten sich nicht nur Betroffene direkt an uns, sondern auch viele Angehörige, die in Sorge um jemanden sind“, sagt Geschäftsführerin Sina Müller. Neben der Beratung betroffener Personen und ihrer Angehörigen, wenden sich auch immer wieder Fachkräfte anderer Einrichtungen an den AKL.

Ein wichtiger Bestandteil der AKL Krisenhilfe ist die Begleitung durch Ehrenamtliche. Durch die knapp 30 Krisenbegleiter kann der AKL individuell auf Anliegen der Hilfesuchenden eingehen, die sie in eine der beiden Beratungsstellen in Nürtingen und Kirchheim führen. „Das macht die Arbeit unserer Ehrenamtlichen so wertvoll. Jede und jeder von ihnen bringt einen unterschiedlichen Hintergrund und Erfahrungsschatz mit“, erklärt Fachkraft Lilly Weithofer das Konzept der Zusammenarbeit von hauptamtlichen Fachkräften und qualifizierten Ehrenamtlichen. Um der hohen Nachfrage nach Krisenbegleitung weiter nachkommen zu können, hat der AKL bereits eine neue Basisgruppe für ehrenamtliche Krisenbegleiter in der Planung.

Längst umgesetzt sind die Präventionsprogramme für junge Menschen. Sie sind inzwischen an vielen Schulen im Kreis etabliert und fester Bestandteil des Schuljahres, meist in Jahrgangsstufe neun oder zehn. Projektleiterin Gabriele Alberth stellt fest, dass immer mehr Schulen offen dafür sind, sich den Themen psychische Krankheit und Krisen im Lauf des Lebens zuzuwenden: „Unser Ziel ist es, Jugendliche über psychische Gesundheit und Erkrankung und das Thema Krise aufzuklären. Wir sprechen mit ihnen über Themen, die persönlich oft als schambesetzt erlebt werden. Darüber reden ist hilfreicher als schweigen.“ Im Projekt kooperieren Fachkraft und Ehrenamt mit dem Einsatz sogenannter Lebenslehrer. Sie sind oder waren betroffen von psychischer Erkrankung oder haben eine schwere Lebenskrise durchlebt und vermitteln so den Teilnehmenden ein eindrückliches Bild von ihren Erfahrungen.

Menschen, die die Angebote des AKL nutzen, können beruhigt sein, denn der Verein möchte deren Unterstützung auf dem Level halten. Zwar fehlt Anfang des Jahrs immer Geld in der Kasse des AKL - doch eine Reduzierung des Haushaltes kommt für Geschäftsführerin Sina Müller dennoch nicht infrage: „Unsere Hauptausgabe sind die Personalkosten für unsere Fachkräfte; hier zu sparen würde bedeuten, die Angebote des AKL stark zu reduzieren. Das kommt nicht infrage.“

Eine große Änderung gab es jedoch beim AKL: Nach elf Jahren schied im vergangenen Sommer Professor Arnold Pracht als ehrenamtliches Vorstandsmitglied aus. Als Nachfolgerin wurde Karin Cewe bei der jährlichen Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt. Sie ist langjährige Mitarbeiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes Nürtingen und ausgebildete Sozialpädagogin, Familien- und Soziotherapeutin. pm

Betroffene und Angehörige können sich beim AKL Kirchheim melden unter der Mail-Adresse akl-kirchheim@ak-leben.de

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