Kirchheim

Radler gewinnen neue Einblicke

Eine besondere „Schnitzeljagd“ führte zu Winkeln, die die meisten sonst links liegen lassen

Eine ungewöhnliche „Schnitzeljagd“ brachte Radlern Einblicke in unbekannte Ecken der Stadt. 200 Radler erkundeten Kirchheim aus neuen Blickwinkeln.

Fröhlich und informativ gestaltete sich die Rad-Schnitzeljagd: Bürgermeister Günter Riemer und Sohnemann schlugen sich prächtig
Fröhlich und informativ gestaltete sich die Rad-Schnitzeljagd: Bürgermeister Günter Riemer und Sohnemann schlugen sich prächtig beim Langsamkeitswettbewerb. Außerdem konnten unbekannte Winkel wie ein Wasserkraftwerk an der Lauter kennengelernt und Erfahrungen mit einer Promille-Brille gesammelt werden.Fotos: Andrea Barner

Kirchheim. Kirchheim ist in diesem Jahr Radkulturstadt, die zehnte im Land nach Städten wie Heilbronn, Heidelberg oder Tübingen. Den ganzen Sommer über stehen Veranstaltungen rund ums Fahrrad auf dem Programm. Am Samstag hatte das Rathaus in Zusammenarbeit mit Kirchheimer Fahrradverbänden zu einer Rundfahrt mit 15 Stationen eingeladen.

Wer diese Stationen der Reihe nach anfahren wollte, der startete am besten am Schlossplatz. Bürgermeister Günter Riemer war einer der ersten, der hier mit seinen Söhnen Leo und Tom loslegte. Riemer ist Radfahrenthusiast, nach eigenen Angaben hat er schon „eine Viertelmillion Radkilometer in den Beinen“. Zum „Langsamkeits-Wettbewerb“ auf dem Schlossplatz kam der Bürgermeister mit einem Tandem angeradelt. Trotz des doppelten Handicaps (langes Fahrrad und den kleinen Tom als Sozius) legte er auf dem Parcours eine sensationelle Zeit vor, die lange nicht getoppt werden konnte. Am Ende allerdings wurde Riemer dann doch noch von einem jungen Familienvater übertroffen – der allerdings auf einem ganz normalen Einzelfahrrad antrat und eine geradezu artistische Langsamkeit auf zwei Rädern bewerkstelligte.

Die Radler durften an jedem beliebigen Punkt der Tour einsteigen und auch wieder aufhören, es war kein Rennen, sondern es ging ums Genussradeln. An jeder Station konnten sich die Teilnehmer einen Stempel abholen, die Karten kamen am Ende in eine große Lostrommel. Zu gewinnen gibt es Einkaufsgutscheine von lokalen Radgeschäften. Die Ziehung erfolgt in den nächsten Tagen.

Die Route führte vom Schlossplatz über den Freihof zum Bike-Park Schlossgymnasium, weiter Richtung Dettingen, über den Bahnhof nach Ötlingen und zurück in die Innenstadt. „Ohne die Kirchheimer Institutionen, Firmen und viele Ehrenamtliche könnten wir so eine Aktion gar nicht durchziehen“, freut sich der Klimaschutzbeauftragte Kirchheims, Sascha Mohnke. Strahlender Sonnenschein und angenehme Temperaturen haben auch zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen, die der Lust am Radfahren Schwung geben soll. „Man lernt die Stadt mal von einer ganz anderen Seite kennen“, sagt Mohnke, „wir sprechen damit Leute jeden Alters an.“ Mitstreiter bei der Organisation war maßgeblich auch die „Initiative FahrRad“ aus Kirchheim.

Viele verschiedene Themen von Technik, sozialen Aspekten und Natur machten die Radschnitzeljagd interessant. Hinter manchem Zaun oder mancher Mauer verbirgt sich Unerwartetes, es gibt Ecken, in die die meisten Kirchheimer Bürgerinnen und Bürger noch nie gekommen sind. Wie zum Beispiel den Süß’schen See in Ötlingen, leicht erreichbar, aber von der Straße aus nicht sichtbar. Am Samstag zeigten überall bunte Luftballons den Radlern die Stationen an. So zum Beispiel auch die Pegelstände, die bei der Freihofrealschule an der Lindach abgelesen werden können, oder den Bürgertreff am Alleenring. Dort haben sich über 80 Radler „Smoothies“ selbst gemixt. Der Malteser Hilfsdienst lud die Radfahrer zu einem Schnellkurs in Erster Hilfe ein. In der Radstation am Bahnhof gab’s einen Reparatur-Crashkurs. Die AOK hatte einen Bobbycar-Parcours aufgebaut, der mit Promillebrillen absolviert werden musste. Das sind Brillen, die die eingeschränkte Sehkraft nach „ein paar Bierchen zu viel“ simulieren.

Alte Feuerwehrfahrzeuge und Dampfmaschinen, Modellflugzeuge und Produkte aus sogenannten Entwicklungsländern gab es zu sehen. Interessant auch das kleine „Kraftwerk“ an der Lauter, auf Höhe des Bahnübergangs zwischen Kirchheim und Dettingen. Dort wird das Wasser aufgestaut und zur Stromerzeugung genutzt. Im Durchschnitt erzeugt die kleine Turbine in drei Tagen die Strommenge, die ein kleiner Haushalt im ganzen Jahr verbraucht. Das wussten bis dahin die meisten Radler nicht, und viele sahen an dieser Stelle auch zum ersten Mal eine Fischtreppe.

Die Radkulturstadt Kirchheim hat in diesem Sommer noch ein paar weitere Aktionen für Radler geplant, unter anderem eine Riesenparty und einen „Midnight-Ride“. Nähere Informationen gibt es unter www.radkultur-bw.de.

Zitatschnipsel aus der Rad-Schnitzeljagd

„Das wichtigste „Null-Emissions-Fahrzeug feiert dieses Jahr bereits seinen 199. Geburtstag: Das Fahrrad! Wir möchten Familien und junge Menschen zum Radfahren im Alltag motivieren.“ Klimaschutzmanager Sascha Mohnke „Wir wollten mit der Rad-Schnitzeljagd möglichst vielen Menschen zeigen, dass man mit dem Fahrrad bequem und teilweise auch schneller als mit dem Auto die verschiedensten Örtlichkeiten erreichen kann.“ Bernd Cremer von der Initiative „FahrRad“ „Kirchheim ist eine fahrradfreundliche Stadt. Fast überall kommt man problemlos und stressfrei mit dem Fahrrad hin.“ Das wollen wir jetzt allen Bürgern mit der Rad-Schnitzeljagd demonstrieren.“ Bürgermeister Günter Riemer

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