Kirchheim

„Reise nach Hawaii war unser Traum“

Jubiläum Am morgigen Donnerstag feiert das Kirchheimer Ehepaar Siegbert und Doris Limmer diamantene Hochzeit. Während der 60 gemeinsamen Jahre gab es kaum Streit Von Thomas Krytzner

Die beiden Kirchheimer Doris und Siegbert Limmer sind seit 60 jahren verheiratet. Foto: Thomas Krytzner
Die beiden Kirchheimer Doris und Siegbert Limmer sind seit 60 jahren verheiratet. Foto: Thomas Krytzner

Kirchheim. Doris Limmer ist in Ulm aufgewachsen und lernte 1953 ihren späteren Mann Siegbert Limmer beim Tanzen kennen. „Da gab es noch Tanztees, und alles ging sehr förmlich zu“, erinnert sich der Jubilar. Seine Ehepartnerin pflichtet ihm bei: „Damals kannte man noch keine Diskotheken.“ Die beiden blieben fortan in Kontakt, trafen sich immer wieder.

Schwer wurde es für das angehende Paar, als Doris Limmer für ein Jahr als Au-pair nach London ging. Da es zu dieser Zeit weder Handys noch E-Mails gab, schickte Siegbert Limmer beinahe täglich einen Brief nach England. Seine Angebetete hatte allerdings kaum Zeit, die Briefe zu beantworten. „Ich war bei einer Schriftstellerin im Dienst und diese feierte mehrere Partys in der Woche“, erklärt die Jubilarin. Für den Zurückgebliebenen ging das Leben indes weiter und brachte eine örtliche Veränderung. „Ich bekam ein attraktives Arbeitsangebot in Esslingen und nahm dieses auch an, in der Hoffnung, dass Doris nach ihrem Englandaufenthalt auch in die Neckarstadt kommt und bleibt.“

So geschah es, und die beiden lebten zwar beide in Esslingen, aber in getrennten Wohnungen. Siegbert Limmer meint belustigt: „Ohne Heirat in einer Wohnung, das war zu der Zeit undenkbar.“ Am 19. Januar 1957 heiratete das Paar und drei Jahre später kam Sohn Harald auf die Welt. „Dieser hat selber Kinder, dadurch haben wir jetzt zwei Enkel und vier Urenkel“, erzählt Limmer. Alle, ob Enkel oder Urenkel, sagen Oma und Opa. „Uropa ist den jüngsten Sprossen der Familie zu lang“, sagt er schmunzelnd.

Während ihrer gemeinsamen Familienzeit, haben sich die Limmers auch im Beruf angenähert und sind in den Schmuckhandel eingestiegen. Lange Zeit waren sie in ganz Deutschland mit Schmuckkatalogen unterwegs und verdienten so ihre Brötchen. Später kamen dann die Schmuckkoffer dazu und sorgten bei Doris Limmer für gesundheitliche Schwierigkeiten. Mit einem Seufzer blickt sie zurück: „Ich war zum Teil mit sechs schweren Koffern zu den Kunden und Händlern unterwegs und die Last führte bei mir zum Bandscheibenvorfall.“ Es musste eine verträgliche Lösung her und der Zufall spielte mit. Im Kirchheimer Teckcenter wurde eine größere Ladenfläche frei und so eröffnete das Ehepaar im Herbst 1978 einen Schmuckladen. So konnte Doris Limmer weiterhin im Schmuckgewerbe tätig sein, musste aber keine schweren Koffer mehr tragen. Einige Jahre später gab auch Siegbert Limmer seinen Außendienstberuf auf und stieg ins Schmuckgeschäft mit ein. „26 Jahre haben wir den Laden geführt und waren quasi nicht nur mit uns, sondern auch mit dem Geschäft verheiratet“, erinnert er sich. Danach blieb keine Zeit mehr für Urlaub oder Kranksein. Denn die Läden im Teckcenter konnten nicht einfach geschlossen werden und die Suche nach einer Vertretung gestaltete sich schwierig. „Ein paar Mal hat unser Sohn Harald den Laden übernommen, wenn wir fort waren.“

Im Jahr 2004 lief der Mietvertrag aus und Limmers wollten sich in Anbetracht ihres Alters nicht für weitere zehn Jahre verpflichten. „Wir gingen gemeinsam in Rente und freuten uns, endlich mal Zeit füreinander zu haben.“ Als Höhepunkt ihrer Ehe nennen beide die nachgeholte Hochzeitsreise. „Zum 50. Hochzeitstag flogen wir für drei Wochen nach Hawaii. Das war immer unser Traum.“

Beide fühlen sich in Kirchheim pudelwohl und sind nach wie vor aktiv. Siegbert Limmer schwärmt: „Unsere Freizeit gestalten wir mit Fotografieren und Filmen im Filmclub Teck in Dettingen.“ Er erinnert an die Zeit der Zelluloidfilme und freut sich, dass er bei der digitalen Bearbeitung des aufgenommenen Materials mit der Zeit gegangen ist. Während er in seinem „Studio“ Filme schneidet und vertont, schreibt oder spricht seine Ehefrau Kommentare für seine Filme oder sitzt gerne an der Nähmaschine.

Streit ist ein Fremdwort bei Limmers. „Klar, gab es Meinungsverschiedenheiten, aber richtigen Streit hatten wir nie. Dazu fehlte uns schlichtweg die Zeit.“ Als Geheimtipp für eine lange Ehe verraten Doris und Siegbert Limmer: „Möglichst keine Langeweile aufkommen lassen, die gemeinsamen Interessen fördern und sich immer wieder gegenseitig respektieren und annehmen.“

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