Kirchheim

Reisebusse nehmen langsam Fahrt auf

Tourismus Auch wenn Urlaub wieder erlaubt ist, verzeichnen die Busunternehmen in der Region noch Zurückhaltung bei ihren Kunden. Aus Sorge vor Corona bleiben vor allem Ältere lieber zu Hause. Von Bianca Lütz-Holoch

Ob eine Dolomitenrundreise, eine Tagesfahrt in die Schweiz oder einfach ein Ausflug nach Freiburg - die Reisebusse rollen wieder. Seit 15. Juni sind Busreisen laut Corona-Verordnung wieder erlaubt. Trotzdem laufen sie in der Region nur langsam wieder an.

„Volle Busse wird es dieses Jahr wohl nicht mehr geben“, sagt Rainer Burkhardt, der in Weilheim ein Reiseunternehmen betreibt. Dabei wäre das jetzt eigentlich wieder erlaubt. „Unter der Auflage, dass alle Maske tragen, dürften wir theo­retisch wieder alle Plätze vergeben“, sagt er. De facto jedoch bleiben 30 bis 50 Prozent der Sitze leer. „Es gibt viele, die wegen Corona noch Angst haben“, weiß Rainer Burkhardt. Das betrifft vor allem Senioren - und deren Kinder. „Ältere Menschen würden oft gerne wieder reisen, aber ihre Angehörigen lassen sie nicht“, hat er erfahren.

„Bis wir wieder Vorjahresniveau erreicht haben, wird es noch lange dauern“, befürchtet Sybille Bauer, Geschäftsführerin von Fischer Omnibusreisen in Weilheim. Das liegt zum einen daran, dass derzeit bewusst nicht alle Plätze vergeben werden. „Durch den Abstand sollen sich die Menschen wohler fühlen“, sagt die Unternehmerin. Wer zum Beispiel alleine unterwegs ist, bekommt einen Doppelsitz für sich. Die erste Fahrt nach der Corona-Pause hat Sybille Bauer als vollen Erfolg verbucht. „Unsere Kunden haben die kleine Gruppe als sehr angenehm empfunden“, sagt sie. Dennoch gibt es nach wie vor viele Stornierungen. „Unser größtes Handicap ist die Maskenpflicht“, glaubt sie. Der Gedanke da­ran, stundenlang mit Mund-Nasen-Bedeckung im Bus sitzen zu müssen, schrecke viele ab. „Wir hoffen jetzt, dass in dem Punkt bald Lockerungen kommen.“

Los geht die Reise in den Urlaub: Viele Menschen sehnen sich nach dem psychisch belastenden Lockdown wieder nach einem Tapetenwe
Los geht die Reise in den Urlaub: Viele Menschen sehnen sich nach dem psychisch belastenden Lockdown wieder nach einem Tapetenwechsel. Doch auch der Reiseverkehr leidet unter den Auswirkungen der anhaltenden Corona-Krise. Fotos: Markus Brändli

Stornierungen gehören auch beim Bissinger Busunternehmen Weissinger zum Alltag. „Schullandheime, Vereinsfahrten und Jahrgangsausflüge sind für die kommenden Monate fast alle abgesagt“, berichtet Geschäftsführerin Tina Weissinger-Eberhardt. „Der Reiseverkehr wird dieses Jahr wohl auch nicht mehr richtig in Schwung kommen“, befürchtet sie. Insbesondere Fahrten mit älteren Menschen oder Risikogruppen sind verschoben worden. Ob die wenigen, für den Herbst geplanten Fahrten wirklich stattfinden können und ob aus der Skisaison etwas wird, hängt davon ab, wie sich die Corona-Situation entwickelt. „Wir können im Moment nur kurzfristig planen“, sagt Tina Weissinger-Eberhardt.

„Man merkt schon, dass die Leute wieder raus wollen“, sagt Diane Buck vom Unternehmen Franz Buck - Reisen und Radeln in Weilheim. Gleich am ersten Tag, an dem es wieder grünes Licht für Busreisen gab, ist eine ihrer Reisegruppen zum Alpe-Adria-Radweg aufgebrochen. „Es sind alle begeistert zurückgekommen“, schwärmt Diane Buck. Ausgelastet war der Bus allerdings nicht. „Wir sind mit 20 statt wie geplant mit 42 Leuten gefahren“, so Diane Buck. Auch ihr Unternehmen hat die Maximalzahl der Teilnehmer heruntergesetzt, um luftigeres Sitzen zu ermöglichen - und mehr Menschen kommen zurzeit pro Reise gar nicht zusammen. „Gut gehen Fahrten innerhalb Deutschlands, aber auch nach Österreich oder Südtirol“, sagt Diane Buck. Reisen nach Frankreich und Italien dagegen werden kaum gebucht.

Weniger Gäste und Einnahmen, dafür höhere Kosten für Desinfektion und Reinigung - die Busunternehmen müssen um ihre Existenz kämpfen, egal ob sie nur Reisen anbieten oder auch Linie fahren wie Fischer und Weissinger. „Wir können uns über Wasser halten“, sagt Tina Weissinger-Eberhardt. Sie hat - ebenso wie Fischer und Buck - nach wie vor Kurzarbeit angemeldet. „Der Linienverkehr läuft zwar wieder normal, aber uns fehlen trotzdem 50 Prozent“, sagt sie. Sybille Bauer hofft, dass ihr Unternehmen trotz Linienverkehr vom Rettungsschirm der Landesregierung für Reisebusunternehmen profitieren kann.

Die Koffer sind gepackt. Foto: Markus Brändli
Die Koffer sind gepackt. Foto: Markus Brändli

Auf Unterstützung vom Staat setzt auch Diane Buck. „Aber wie viel dann ankommt, weiß man ja nie“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir haben unabhängig davon bereits ein Darlehen aufgenommen.“ Zu hoch sind die Ausfälle und die Fixkosten für die sechs Busse, von denen zurzeit im Schnitt nur einer oder zwei zum Einsatz kommen. Rainer Burkhardt hat mitb seinem Kleinstunternehmen immer wieder Unterstützung von Kunden erlebt. „Sie haben Gutscheine akzeptiert oder sogar auf die Erstattung ihrer Anzahlung verzichtet“, sagt er. „Das freut mich und hilft ein wenig.“

Los geht die Reise in den Urlaub: Viele Menschen sehnen sich nach dem psychisch belastenden Lockdown wieder nach einem Tapetenwe
Los geht die Reise in den Urlaub: Viele Menschen sehnen sich nach dem psychisch belastenden Lockdown wieder nach einem Tapetenwechsel. Doch auch der Reiseverkehr leidet unter den Auswirkungen der anhaltenden Corona-Krise. Fotos: Markus Brändli

Unterwegs mit Maske, Abstand und Desinfektion

Seit dem 15. Juni dürfen Reisebusse in Baden-Württemberg wieder fahren - allerdings nach wie vor unter den aktuellen Hygiene-Auflagen.

Die Fahrgäste müssen während der Fahrt - wie auch im öffentlichen Personennahverkehr - eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Außerhalb der Busse und beim Ein- und Aussteigen sollen sie außerdem, wo immer möglich, einen Abstand von mindestens eineinhalb Metern einhalten und auf Körperkontakte wie Händeschütteln oder Umarmen verzichten.

Die Busunternehmen weisen den Fahrgästen einen festen Sitzplatz zu und stellen Desinfektionsmittel zur Verfügung. Außerdem müssen sie die Daten der Reisenden festhalten, um sie im Fall einer Infektion kontaktieren zu können. Nach jeder Fahrt werden die Busse desinfiziert.

Im Rettungsschirm des Landes für den ÖPNV und die Busunternehmen sind insgesamt 40 Millionen Euro für die kleinen und mittleren Unternehmen der Reisebusbranche enthalten, deren Einnahmen infolge der anhaltenden Corona-Krise vollständig weggebrochen sind.bil/pm

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