Kirchheim

Revierleiter verlässt Kirchheim

Thomas Pitzinger zieht es nach neunzehn Jahren von der Dettinger Straße nach Filderstadt

Der neue Revierbereich von Pitzinger umfasst rund 40 000 Menschen mehr als in Kirchheim. Ganz verlassen wird er die Stadt trotzdem nicht.

Thomas Pitzinger ist jetzt Polizeidirektor in Filderstadt.Foto: Daniela Haußmann
Thomas Pitzinger ist jetzt Polizeidirektor in Filderstadt.Foto: Daniela Haußmann

Kirchheim. Thomas Pitzinger verlässt seine alte Dienststelle „mit einem lachendem und einem weinenden Auge“. Doch es ist kein endgültiger Abschied von der Teckstadt. Der 57-Jährige, der in Hochdorf wohnt, wird sich zumindest privat auch künftig in Kirchheim aufhalten und den Kontakt zu ehemaligen Kollegen und Mitarbeitern aufrechterhalten.

Der Dienst in der Fachwerkstadt hat Thomas Pitzinger viel Freude bereitet. Er brachte sein Know-how in zahlreichen Projektgruppen und Arbeitskreisen ein. Seine Fachexpertise war beim Arbeitskreis kommunale Kriminalprävention ebenso gefragt, wie bei der Initiative Fahr-Rad. „Es war eine tolle Zusammenarbeit. Die Zeit in Kirchheim war wirklich schön“, erzählt der Beamte, der gestern offiziell als neuer Leiter des Polizeireviers Filderstadt eingesetzt wurde.

Vor 40 Jahren begann der Sohn eines Bäckermeisters und einer Hausfrau seine Ausbildung bei den Ordnungshütern. Für den Beruf hat sich Pitzinger ganz bewusst entschieden. „Ein Großteil der Aufgaben, die wir im Kontakt mit dem Bürger bewältigen, sind Hilfeleistungen“, erklärt der Polizeidirektor. „Dazu gehört, Menschen in Notlagen zu unterstützen, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn ihnen Unrecht widerfahren ist.“ Aufgaben, die den vielseitigen und abwechslungsreichen Beruf für Thomas Pitzinger zu

Besonderem machen. Und das trotz der Schattenseiten, die manche Einsätze mit sich bringen.

Nach der Grundausbildung ging der aus Heidenheim stammende Beamte nach Plochingen, wo er zunächst im Streifendienst arbeitete, ehe ihn sein Weg an die Polizeiakademie in Villingen-Schwenningen führte. Dort durchlief er die Ausbildung für den gehobenen Dienst, an die sich 1987 der Posten des Polizeiführers vom Dienst bei der Polizeidirektion Esslingen anschloss. „Außerdem verbrachte ich zwei spannende Jahre bei den Kollegen in Stuttgart“, erzählt Thomas Pitzinger.

Als 1993 die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in der Landeshauptstadt stattfand, war er unter anderem für die Planung und Organisation der Sicherheit im Athletendorf zuständig. Außerdem studierte Pitzinger zwei Jahre lang an der Polizei-Führungsakademie in Münster und qualifizierte sich so für den höheren Dienst.

„Danach kam ich 1995 als Zeitreferent ins baden-württembergische Innenministerium“, erinnert sich Thomas Pitzinger. „Damals erarbeitete ich das Konzept für das Logistikzentrum der Polizei, das heute Dienstleister für Polizei, Wasserwirtschaft und andere Bundesländer ist.“

1997 wurde für das Revier in Kirchheim ein neuer Leiter gesucht. Thomas Pitzinger bewarb sich und tauschte nach eineinhalb Jahren sein Büro im Innenministerium gegen den Chefsessel in der Fachwerkstadt. Die Aufgaben, die ihn in der Dettinger Straße 101 erwarteten, waren spannend, interessant und mitunter kurios. „Als der Kreisverkehr beim Hotel Schwarzer Adler fertiggestellt war, machte ich mir vor Ort ein Bild davon, wie die Verkehrsteilnehmer mit dem Kreisel zurechtkommen“, berichtet Thomas Pitzinger. „Prompt fuhr ein älterer Herr auf die Insel in der Mitte des Kreisverkehrs und blieb dort stehen, weil er sich erst einmal orientieren wollte, bevor er die Fahrt fortsetzte.“

Ende der Neunzigerjahre ereignete sich ein Banküberfall. „Überall suchten wir nach den Tätern und wurden einfach nicht fündig“, so Thomas Pitzinger. „Irgendwann standen wir vor einem Auto, das uns verdächtig vorkam. Kurzerhand brachen wir den Kofferraum auf, und zum Vorschein kam der Bankräuber, der glaubte, dass er uns so entkommen könnte.“

Auch wenn Thomas Pitzinger jetzt das Revier in Filderstadt leitet, wird

Kirchheim immer einen besonderen Stellenwert für ihn haben. „Es war meine erste und längste Führungsposition, in der ich vieles anstoßen und gestalten konnte“, sagt der Beamte. „Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den Hilfsorganisationen war hervorragend.“

Mit dem Arbeitsplatzwechsel ist der 57-Jährige vom Polizeioberrat zum Polizeidirektor aufgestiegen. „Vieles bleibt gleich, und dennoch ist jedes Revier anders“, sagt Thomas Pitzinger. „Die Belegschaft, für die ich jetzt verantwortlich bin, ist rund 50 Prozent größer. Der Revierbereich in Kirchheim umfasste 97 000 Einwohner, in Filderstadt sind es 140 000.“ Damit verbunden sind für Pitzinger zahlreiche He­rausforderungen und Aufgaben.

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