Kirchheim

Rückkehr führt in die Corona-Falle

Reisen Nach dem „Entkommen“ aus dem Quarantäne-Paradies auf den Philippinen stecken die Kirchheimer Weltreisenden Max und Clara in der Zwickmühle zwischen Jobsuche und Weiterreise. Von Thomas Zapp

Abschiedsfoto mit Maske: Max und Clara (links) verlassen mit anderen Deutschen El Nido.Foto: pr
Abschiedsfoto mit Maske: Max und Clara (links) verlassen mit anderen Deutschen El Nido. Foto: pr

Kaum sind sie von den Philippinen zurück, juckt es Max Knöfel und Clara Herrmann schon wieder in den Füßen. „Am liebsten würden wir wieder auf die Reise gehen, aber niemand weiß ja, wie lange die Coronakrise noch dauert“, erzählt Max. Die Erleichterung, nach drei Wochen aus der Quarantäne auf den Philippinen einen Rückflug der Bundesregierung bekommen zu haben, ist dem Tatendrang gewichen.

Dabei war ihre Rückreise abenteuerlich genug. „Der Flughafen in El Nido war ungefähr so groß wie die Hahnweide“, erinnert sich Max lachend. Aber da sich in diesem abgelegenen Teil der philippinischen Insel Palawan die meis­ten Deutschen befanden, hatte die Botschaft entschieden, den Flieger nach Manila dort starten zu lassen, nicht am anderen Ende der Insel in Puerto Princesa: gut für die Kirchheimer.

Von der philippinischen Hauptstadt ging es dann nonstop nach Frankfurt. Die kosten hat die Bundesregierung vorgestreckt, aber die Nachzahlung wird moderat sein. „Etwa wie Economy-Class“, sagt Max. Allemal billiger als ein 45-Stunden-Flug von Katar, den sie zwischendurch hätten nehmen können: Der hätte 3 500 Euro gekostet.

Ihre Weltreise, die im Juli vergangenen Jahres gestartet war und sie durch Skandinavien, Russland, den Kaukasus, Usbekistan, Georgien, die Türkei, Nepal bis zu den Philippinen führte, hatte für Max und Clara ihr abruptes Ende gefunden. Und hier sind sie nun wieder: Die Wohnung in Kirchheim ist aufgelöst, die Jobs sind gekündigt, und es gibt noch keinen Plan, wie es weitergeht. Aktuell wohnen sie bei Claras Eltern in Brucken.

Vor einem Monat hockten sie noch auf unbestimmte Zeit in einer Villa am Meer: zwar ohne den Strand betreten zu können, aber sicher abenteuerlicher als die Schwäbische Alb. Der Service war trotz der besonderen Umstände auch nicht zu verachten. „Wir durften nicht raus, aber das Personal des naheliegenden Hotels besorgte für uns die Einkäufe“, erzählt Clara. So ließ sich auch verschmerzen, dass sie die Villa mit ihren vier deutschen Mitbewohnern zwei Wochen lang nicht verlassen durften.

Nach der Quarantäne bei Freunden genießen sie die Natur in Brucken und versuchen, ihre Gedanken klarzubekommen. Bei der Frage, was sie nun vorhaben, lachen beide spontan los. „Eigentlich wollen wir wieder los, aber wer weiß, wie lange die Situation noch so bleibt?“, sagt Max. Der Projektmanager würde erst mal jobben. „Wenn wir in nächster Zeit nicht wieder losziehen können, werden wir uns auf jeden Fall eine Wohnung suchen, wenn möglich auch in Kirchheim.“

Es fällt schwer, zu glauben, dass sie diese Variante wählen. Ihr Internet-Blog the placeweare.com erzählt humorvoll Erlebnisse von Finnland bis Usbekistan („Übers Wochenende nach Tschetschenien, ja warum auch nicht?“). Der 26. und bislang letzte Eintrag zeigt eine „QaranBeer-Werbung“ aus der philippinischen Quarantäne: „Try Craft Beer before you die“ - „Probiere ein Craft Beer, bevor du stirbst.“ Das ist sicher nicht als Ende der Reise zu verstehen.

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