Kirchheim

Sammlung Nöth zeigt Kunstgeschichte

Carl Weber, Friedrich Rommel und Jürgen Mack in der Städtischen Galerie Ehingen

Doris Nöth und der Kirchheimer Künstler Jürgen Mack. Foto: Ali Schüler
Doris Nöth und der Kirchheimer Künstler Jürgen Mack. Foto: Ali Schüler

Kirchheim. Mit der Stiftung des Großteils ihrer Sammlung moderner Kunst hat die Kirchheimer Kunstsammlerin Doris Nöth im Jahr 2008 die Grundlage für die Eröffnung der Städtischen Galerie ihrer Geburtsstadt Ehingen im Jahr 2010 gelegt. „ichhördich“ heißt die dort gezeigte aktuelle Doppelausstellung, in der mit weiteren rund 100 Neuzugängen nun die Sammlungsbestände fast vollständig nach Ehingen übergehen. Neben zahlreichen Neuerwerbungen der vergangenen acht Jahre sind es die afrikanischen Masken und Plastiken, die im Speth’schen Hof in Ehingen in der Gegenüberstellung mit neuer Kunst demonstrieren, wie die Moderne sich nach wie vor auf ursprüngliche Formen der Volkskunst bezieht.

Kirchheimer Kunstgeschichte wird in der Ausstellung, die der Kirchheimer Künstler Wolfgang Dick, langjähriger Freund und Berater von Doris Nöth, kuratiert hat, in verschiedener Hinsicht spürbar. Der Ausstellungsteil der Neuerwerbungen und Afrikana lässt die Zeit der 80er- und 90er-Jahre aufleben, in denen die Sammlung in der Jesinger Straße 15 in Kirchheim ein regelmäßiger Treffpunkt für Künstler und Kunstfreunde war. Als Gründungsmitglied und langjährige Sprecherin des Kirchheimer Kunstbeirats hatte Doris Nöth in den 80er-Jahren ihre Sammlungsräume immer nach den Ausstellungseröffnungen der Kornhausgalerie für Interessenten geöffnet. Viele Werke der in Kirchheim ausstellenden Künstler fanden den Weg in die Sammlung und begründeten bis heute andauernde Künstlerfreundschaften. Brandaktuelle Arbeiten wie die Afghanistanfotos des Stuttgarter Fotografen Christoph Püschner, die Maidanrevoltenbilder von Maxim Dondyuk oder die Videoinstallation von Justyna Koeke zeigen, dass der Sammeleifer der mittlerweile über 90-Jährigen ungebrochen ist.

Greifbar wird speziell Kirchheimer Kunstgeschichte im zweiten Ausstellungsteil. Dort werden mit Carl Weber, Friedrich Rommel, Jürgen Mack und Fritz Ruoff vier prägende Schwergewichte der Kirchheimer und Nürtinger Kunst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gewürdigt. Alle waren eng mit Doris Nöth befreundet und wurden von ihr vor allem in den 60er- bis 70er-Jahren als Berater in Kaufentscheidungen mit einbezogen. Jedem dieser Künstler ist nun ausführlich Raum gegeben, und die über Jahre gesammelten Werkkomplexe geben Einblick in die Werkentwicklung. Erkennbar wird dabei, wie Carl Weber mit seinem expressiven Malgestus die Vorliebe der Sammlerin für ausdrucksstarke Malerei geprägt hat. Der Baumeisterschüler Friedrich Rommel hat der Sammlerin mit seinem Grenzgang zwischen Gegenständlichkeit und freier Formgestaltung verstärkt die Welt der Abstraktion erschlossen, und die Spiritualität Fritz Ruoffs hat schließlich vermehrt existenzialistische Positionen in die Sammlung Nöth getragen. Der Kirchheimer Jürgen Mack ist der einzige künstlerische Mentor der Sammlung, der selbst noch bei der Eröffnung der Ausstellung in Ehingen Ende Juli anwesend sein konnte. Neue farbstarke Collagen aus dem Jahr 2016 bekunden, dass sein künstlerisches Schaffen auch mit mittlerweile 85 Jahren beeindruckt und völlig neue, malerische Qualitäten hervorbringt.

Die Anwesenheit der Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bei der Eröffnung wurde von Doris Nöth bei ihrer Begrüßung als „besonderes Glück“ gewürdigt, und die herzliche Begegnung mit Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann lässt die Kirchheimer Kunstliebhaber hoffen, dass dieser einzigartige Überblick über vier wichtige Kircheimer Künstlerpersönlichkeiten vielleicht auch einmal wieder in der Teckstadt gezeigt werden kann, so wie Doris Nöth es im Rahmen ihrer Stiftung nach Ehingen bekräftigt hat.

Die Ausstellung „ichhördich“ ist ein Bekenntnis von Doris Nöth zu ihrer jahrzehntelangen Leidenschaft, sich der Kunst und den Künstlern zu öffnen, und eine Aufforderung an die Besucher, dies mit der gleichen Leidenschaft zu tun. Kirchheimer Kunstfreunde lädt Doris Nöth am Mittwoch, 28. September, nach Ehingen ein. Um 13 Uhr wird ein Bus zur Ausstellung fahren und allen Interessierten einen Ausstellungsbesuch in Begleitung der Sammlerin ermöglichen, bei dem manche interessante „Kirchheimer Kunstgeschichte“ zu erfahren ist. Eine Anmeldung ist abends von 18 bis 20 Uhr unter der Telefonnummer 0 70 21/60 71 möglich. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Ehingen, Tränkberg 9, ist noch bis zum 3. Oktober mittwochs, samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. pm

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