Kirchheim
Sanierungen bleiben eine Daueraufgabe

Schulgebäude Die Stadt Kirchheim inves­tiert weiterhin viel Geld in den Brandschutz und in die Digitalisierung. Beim Heizen gibt es ein Sparprogramm. Von Andreas Volz

Schulen und Kindergärten stehen im Fokus der Stadt Kirchheim: „Das ist nach wie vor eines der Hauptthemen unserer Arbeit an der öffentlichen Infrastruktur“, sagt Kirchheims Erster Bürgermeister
 

Wir wollen lieber klotzen statt kleckern.
Günter Riemer
zur Abkehr vom Prinzip der Flickschus­terei an den städtischen Schulen

Günter Riemer kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs. Einerseits gehe es immer noch darum, Mängel abzuarbeiten. Andererseits aber habe die Stadt ihre Vorgehensweise geändert: „Wir wollen lieber klotzen statt kleckern und arbeiten deshalb nicht mehr so sehr in kleinen Abschnitten. Wir streben Grundsanierungen an.“

Dabei gibt es aber die Schwierigkeit, dass eine Sanierungen unter laufendem Betrieb vonstattengehen müssen: „Der Campus Rauner ließ sich unter anderem deshalb so gut umsetzen, weil dort nur ein Teilbetrieb lief.“ Eine Sanierung sollte deshalb in sinnvolle Abschnitte aufgeteilt werden. „Am besten aber machen wir es am Stück und so zügig wie möglich.“

Die Sanierungen bleiben ein Dauerthema, weil es in Kirchheim immer eine Schule geben wird, die als nächstes zur Sanierung ansteht. Es gibt aber derzeit noch ein zweites Thema: „Ab 2026 gilt die verlässliche Grundschule, mit Ganztagsbetreuung. Da müssen wir rangehen und unsere Grundschulen entsprechend ausstatten.“ Ein wichtiger Aspekt sind dabei die Mensen.

Der bereits erwähnte Campus Rauner ist noch nicht endgültig abgerechnet. Für Bürgermeister Riemer ist er aber ein Vorzeigeprojekt, wenn es ums Bauen der öffentlichen Hand geht, gerade angesichts der vielen Skandale um Zeitverzögerungen und enorme Kostensteigerungen: „Die Projektsumme für den Campus liegt bei 27,4 Millionen Euro, unsere Prognose für die tatsächlichen Kosten kommt weiterhin auf 25,8 Millionen Euro.“ Günstiger dürfte nach der Schlussrechnung wohl auch der Bau der neuen Eduard-Mörike-Mehrzweckhalle in Ötlingen ausfallen: Statt 7,75 Millionen Euro sind hier 7,6 Millionen Euro zu erwarten. Ebenfalls noch nicht endgültig abgerechnet ist die Brandschutzsanierung der Konrad-Widerholt-Schule, für die zwei Millionen Euro vorgesehen waren.

Fluchttreppen allenthalben

Der Brandschutz ist bei den Schulbauten ein Thema, das sich wie ein roter Faden durchzieht. Mit Fluchttreppen beispielsweise sind die Teck-Grundschule und die Grundschule Nabern ausgestattet. Die Schafhof-Grundschule folgt im Schuljahr 2023/24. Ähnliche Themen, die alle Schulen in gleicher Weise betreffen, sind die CO2-Sonsoren, die Lüftungsgeräte oder auch die Schulhöfe, die wegen Vandalismus bei Nacht geschlossen werden müssen.

Auch die Digitalisierung an den Schulen ist vorangekommen. Arbeiten am  Brandschutz und an der Digitalisierung stehen ab Frühjahr 2023 in der Eduard-Mörike-Schule an. An der Alleenschule dagegen soll dieses Projekt noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden – Kostenpunkt: rund 2,7 Millionen Euro. Am Schlossgymnasium wiederum sind ab Pfingsten 2023 zwei Bauabschnitte vorgesehen, in denen es außer um den Brandschutz um einen NWT-Raum geht sowie um eine Erweiterung der Mensa und der Küche. Bis 2025 fallen dafür circa zehn Millionen Euro an.

Noch keine konkrete Summe gibt es für die Generalsanierung der Bauteile C und D am Ludwig-Uhland-Gymnasium. Aber schon allein den Vorentwurf kommentiert Günter Riemer mit einem kurzen Satz: „Das wird sehr teuer.“ In mehreren Runden mit allen Beteiligten müsse es darum gehen, Kosten zu reduzieren.

Es gibt indessen noch ganz andere Kos­ten, die an allen Schulen zu reduzieren sind. Sie werden trotzdem davongaloppieren: die Heizkos­ten. „Wir heizen fast alles mit Gas“, sagt Günter Riemer über die Schulgebäude. Die Stadt reagiert darauf, wie auch Privathaushalte reagieren werden: mit gedrosseltem Verbrauch. „Wir haben alle Schulen informiert, was wir wegen der Gasmangellage vorhaben.“ So sollen die Raumtemperaturen auf 20 Grad Celsius gedeckelt werden. Und außerdem wird die Warmwasserversorgung in Sporthallen abgeschaltet.

Letzteres ist von Vorteil, wenn es um ein anderes leidiges Dauerthema an den Schulen geht: um die Legionellen. Obwohl die Stadt dieses Thema erstmals seit langer Zeit wirklich im Griff zu haben scheint – selbst am Schlossgymnasium –, helfen die niedrigen Temperaturen noch zusätzlich: „Legionellen existieren nur in einem bestimmten Temperaturbereich. Zu kalt und zu warm ist nichts für die.“ Die Gaskrise sorgt also für Legionellenbekämpfung im Niedrigenergiestandard.

 

 

Kirchheim steckt Millionen in die Kindergärten

Mit der Grundschule ist noch lange nicht der Anfangspunkt erreicht, wenn es um städtische Infrastrukturprojekte für die Bildung geht: „Wir haben einen Mangel an Kindergartenplätzen. Pro Jahrgang haben wir derzeit 50 bis 80 Kinder mehr als im langjährigen Durchschnitt“, stellt Kirchheims Erster Bürgermeister Günter Riemer sachlich fest.

Neue Kindergärten braucht die Stadt demnach. Also stehen nicht nur für die Schulen hohe Kosten an, sondern auch für die Um- und Neubauten der Kitas. Der Eichwiesenkindergarten in Lindorf, der im Sommer 2023 fertiggestellt sein soll, kommt auf gut drei Millionen Euro. Die neue Kindertagesstätte in der Tannenbergstraße wird sogar sieben Millionen Euro kosten. Mit ihren fünf Gruppen soll sie Anfang 2025 den Betrieb aufnehmen können.

Deutlich später als geplant geht die Kita im Bildungshaus Nabern in Betrieb: Der Holzbau und etliche weitere Gewerke mussten neu ausgeschrieben werden, sodass sich die Bauzeiten um mindestens ein halbes Jahr verlängern. Frühestens mit Sommerbeginn 2024 ist das Gebäude bezugsfertig. Etwa zur selben Zeit will die Stadt Kirchheim auch die Erweiterung des Kindergartens Uracher Straße in Ötlingen abschließen.

Mit diesen Bauten lässt sich aber der Bedarf an Kindergartenplätzen noch längst nicht decken. Deshalb soll auf dem Galgenberg ein „Naturkindergarten“ entstehen. Die Kinder halten sich dabei so viel wie möglich im Freien auf. Je nach Wetterlage können sie aber Unterschlupf in einem umgebauten Bauwagen finden. Der Vorteil dieser Art von Kindergarten: Bei Bedarf lässt er sich leicht an eine andere Stelle „verpflanzen“.

Zudem lässt sich ein solcher Naturkindergarten vergleichsweise schnell einrichten, und auch die Baukosten liegen deutlich niedriger als bei einem festen Gebäude. Der Galgenberg ist darum auch nicht der einzige Standort für einen Naturkindergarten. Ein weiterer ist in Jesingen geplant. „Da lässt sich aber noch nichts zum genauen Standort sagen“, meint Günter Riemer. Derzeit sind also noch mehrere Möglichkeiten auf Jesinger Gemarkung im Gespräch.

Jurten auf dem Schafhof

Eine Variante des Naturkindergartens ist der „Jurtenkindergarten“. Das Prinzip ist dasselbe, nur gibt es eben Jurten statt Wägen. Auch die Jurten sind rasch und preisgünstig zu errichten – und sie lassen sich ebenfalls ohne große Probleme ab- und an einem anderen Standort wieder aufbauen. Auf dem Schafhof soll ein solcher Jurtenkindergarten entstehen, und zwar im bislang unbebauten Gebiet Schafhof IV. Eines aber lässt sich weder durch Natur- noch durch Jurtenkindergärten umgehen: Auch wenn es sich nicht um eine Bebauung im Wortsinn handelt, braucht es in beiden Fällen einen Bebauungsplan. Mit dem Plan für die Jurten auf dem Schafhof soll sich der Gemeinderat bereits in seiner nächsten Sitzung befassen.   Andreas Volz