Kirchheim

Scheuern und Wischen gegen das Virus

Gesundheit Nicht nur Ärzte und Pfleger kämpfen im Kirchheimer Krankenhaus gegen Corona. Auch die Reinigungskräfte tragen einen wichtigen Teil dazu bei, dass sich die Infektion nicht weiter ausbreitet. Von Bianca Lütz-Holoch

Bevor Yasin Zorluer und Claudia Görke mit der Arbeit beginnen, müssen sie die Schutzmontur anlegen.Foto: privat
Bevor Yasin Zorluer und Claudia Görke mit der Arbeit beginnen, müssen sie die Schutzmontur anlegen. Foto: privat

Wie wichtig funktionierende Kliniken mit gutem, engagierten Personal sind, hat der Ausbruch des Corona-Virus vor Augen geführt. An vorderster Front stehen meist Ärzte und Pflegekräfte. Eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus spielen aber auch Menschen, die im Hintergrund wirken. So wie Yasin Zorluer und Claudia Görke. Sie arbeiten im Haus- und Hygieneservice des Kirchheimer Krankenhauses und haben während der Hochphase der Pandemie die Corona-Station und die Zimmer erkrankter Patienten gereinigt und desinfiziert - zum Teil bis in die Nacht hinein.

„Das waren schon sehr anstrengende Wochen“, sagt Claudia Görke, die normalerweise für die tägliche Reinigung der Patientenzimmer zuständig ist. Wie an vielen anderen Stellen auch, wurde in ihrer Abteilung mit Einsetzen der Krankheitswelle alles auf den Kopf gestellt. Fortan galten in sämtlichen Klinikbereichen die gleichen Hygieneanforderungen wie sonst nur im OP. „Wir haben in Schichten von 6 bis 14 Uhr und von 14 bis 22 Uhr gearbeitet. Außerdem musste immer jemand auf Abruf bereitstehen - für Notfälle“, berichtet Claudia Görke. Hatte vorher jeder sein Gebiet, saßen auf einmal alle in einem Boot. „Ich bin eigentlich als Sonder- und Gebäudereiniger angestellt“, erzählt Yasin Zorluer. Er kümmert sich gewöhnlich um Böden und Glasflächen. Mit Corona wurde auch er in die Einsatzgruppen eingeteilt, die je zwei bis drei Tage am Stück auf der Isolierstation arbeiten.

Mehrfach täglich werden dort alle Türklinken, Lichtschalter und Fenstergriffe desinfiziert. Ein wichtiges Schlagwort lautet Scheuer-Wisch-Desinfektion - kurz „Scheuer“ genannt. Die ist immer dann gefragt, wenn ein erkrankter oder potenziell infektiöser Patient verlegt oder entlassen wird. In der Corona-Hochphase war das manchmal zwei bis drei Mal täglich pro Zimmer. „Dabei müssen alle Wände, Fenster, Türen und Flächen inklusive Patientencomputer und Fernseher, Sanitärbereiche und Böden von oben nach unten geschrubbt werden“, berichtet Yasin Zorluer. „Man braucht zu zweit jedes Mal über eine Stunde.“ Als die Infektionszahlen nach oben schnellten, kam es vor, dass um 22 Uhr noch eine „Scheuer“ anstand. „Dann war man erst nach 23 Uhr fertig und musste manchmal um 6 Uhr wieder zur Frühschicht kommen.“ Frust oder Überdruss? Davon ist zumindest bei Yasin Zorluer und Claudia Görke nichts zu spüren. Diesen Eindruck bestätigt Karin Buchele, Hauswirtschaftliche Betriebsleiterin im Haus-und Hygieneservice. „Meine Mitarbeiter haben super mitgezogen“, lobt sie. „Sie sind immer einsprungen, wenn sie gebraucht wurden.“ Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass angesichts der Belastung viele Kräfte ausfallen. Aber das Gegenteil war der Fall: „Der Krankenstand war während der Corona-Hochphase extrem niedrig.“

Dabei hatte es auch unter den Reinigungskräften durchaus Sorge gegeben, sich anzustecken. „Ich habe gemerkt, dass viele Kolleginnen Angst hatten“, sagt Yasin Zorluer. Eben die ist aber auf Station kein guter Begleiter: „Wenn man zu viel Angst hat, überträgt sie sich auf die Patienten“, weiß Claudia Görke. Zwei Dinge haben geholfen. Zum einen Humor. Wenn Yasin Zorluer in Anspielung auf das Virus morgens mit: „Na, alles negativ bei euch?“ grüßte, nahm das schon mal die Anspannung. „Respekt solle man trotzdem haben“, betont Claudia Görke und weist auf den wichtigsten Punkt hin: „Man muss so gut wie möglich alle Schutzmaßnahmen einhalten.“ Das heißt für die Reinigungskräfte auch, stets mit voller Schutzmontur zu arbeiten. Neben Mundschutz, Kittel und Handschuhen gehören Brille, Haarhaube und Visiere dazu. Als die Kittel knapp wurden, fackelten die Reinigungskräfte nicht lange und nähten sich selbst welche.

Auch wenn der Gipfel der Krankheitswelle überschritten ist - Alltag herrscht längst nicht. „Bis wir wieder Normalbetrieb haben, wird es noch lange dauern“, ist sich Claudia Görke sicher.

Ebenso wie ihr Kollege Yasin Zorluer hat sie sich über viel Wertschätzung und Unterstützung während der harten Phase gefreut. „Wir haben Essensspenden und Gutscheine bekommen“, berichten sie. Sie hoffen aber auf noch mehr Anerkennung: „Alle, die in den Kliniken mitgeholfen haben, die Krise zu bewältigen, verdienen eine Sonderzahlung“, findet Claudia Görke: „Kleine Leute“ wie Hausmeister und Reinigungskräfte ebenso wie Ärzte und Pfleger.

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