Kirchheim

Schnell etwas gelernt

Wer würde als Arbeitnehmer nicht davon träumen, sein Einkommen - einschließlich Altersversorgung -selbst festlegen zu dürfen? Einfach mit ein paar Kollegen zusammensitzen und sagen: So viel wollen wir künftig verdienen. Sofern unter dem Strich mehr raus­springt als vorher, dürfte jedem Vorschlag eine Mehrheit sicher sein - ob er sinnvoll ist oder nicht.

Es gibt eine Berufsgruppe, die dieses Privileg tatsächlich hat: die Abgeordneten. Sie entscheiden selbst über ihre Bezüge, und das führte jetzt zu Empörung allerorten. „Selbstbedienungsmentalität“ war einer der milderen Vorwürfe, und auch „Frechheit“ gehörte zu den moderaten Reaktionen in der Öffentlichkeit. Im Internetzeitalter verliert manch einer, der die Maßlosigkeit der Abgeordneten kritisiert, bei seiner Wortwahl selbst das Maß.

In der Sache aber haben die vielen privaten Anfragen bei den Abgeordneten gewirkt: Sie haben zu einem Umdenken geführt. Die Altersvorsorge wird aus dem aktuellen Gesetz ausgeklammert und vorläufig auf Eis gelegt. Das heißt, die Entscheidung wird vertagt, bis eine unabhängige Expertenkommission nach ausreichender Bearbeitungszeit ihre Empfehlung dazu abgegeben hat.

Was dann am Ende rauskommt, wird sich zeigen. Je nachdem, welchen Beruf, welches Einkommen und welche Rentenansprüche einzelne Bürger haben, können die reinen Zahlen trotz offener Diskussion und Einschaltung von Experten noch für Neiddebatten sorgen. Wer dann aber - wahrscheinlich Anfang 2018 - meint, allzu neidisch sein zu müssen, dem wäre wohl zu empfehlen, am besten selbst ins Haifischbecken der Politik zu steigen, um von den Privilegien zu profitieren, aber auch die Risiken zu teilen.

Für heute - Anfang 2017 - bleibt festzuhalten, dass die Abgeordneten ziemlich schnell etwas gelernt haben: an manchen Punkten auf das Volk zu hören.

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