Kirchheim

Schnell, sicher und hygienisch: Vorteil Karte

Geld Erstmals haben 2018 Kartenumsätze die Bargeldzahlungen übertroffen. In Kirchheim begrüßen die Banken die Entwicklung, Kunden bleiben skeptisch. Von Thomas Zapp

Beim Bäcker die Brezel mit der Karte bezahlen: Noch ist das in Kirchheim Zukunftsmusik, könnte aber bald kommen. Foto: Jean-Luc
Beim Bäcker die Brezel mit der Karte bezahlen: Noch ist das in Kirchheim Zukunftsmusik, könnte aber bald kommen. Foto: Jean-Luc Jacques

Bargeld knistert, klimpert und beult Hosen aus. Dennoch ist es der Deutschen liebstes Zahlungsmittel. In kaum einem anderen Land ist das Bezahlen mit Scheinen und Münzen so verbreitet wie in Deutschland. Vor allem bei Kleinbeträgen unter zehn Euro machen Bargeldzahlungen immer noch 90 Prozent aus. Das geht aus der jüngsten Statistik der deutschen Bundesbank hervor. Allerdings hat die Karte bei Zahlungen von über 50 Euro die Überhand gewonnen. Dadurch ist in Deutschland im vergangenen Jahr erstmals der Bargeldanteil an den Umsätzen aller Waren und Dienstleistungen unter 50 Prozent gesunken. Das hat eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2019“ ergeben.

Es wird dem Kunden auch immer bequemer gemacht, auf Bargeld zu verzichten: Entweder braucht er seine Karte nur an ein Gerät zu halten, ohne dass er die Geheimzahl eingeben muss. Oder er hat sie in seinem Smartphone hinterlegt, das man nur noch wenige Zentimeter vor das Kassenterminal halten muss. Auch in Kirchheim geht der Trend zum bargeldlosen Zahlen. „Unsere Kunden nutzen rege die Möglichkeit, mit Karte oder Smartphone zu zahlen. Allein im Jahr 2018 nahm das bargeldlose Zahlen bei unseren Kunden im Vergleich zu 2017 um 20 Prozent zu“, sagt Eberhard Gras, Vorstandsmitglied der Volksbank Kirchheim-Nürtingen. Die Entwicklung sieht er positiv. „Wir begrüßen den bargeldlosen Zahlungsverkehr. Dieser ist in der Abwicklung und in der Handhabung für alle Beteiligte einfach, schnell und sicher.“ Letzteres sieht auch Axel Stephan vom Kirchheimer Sportgeschäft Intersport Räpple als einen Pluspunkt an. „Für uns hat das einen Sicherheitsaspekt. Es ist natürlich besser, wenn unsere Mitarbeiter weniger Bargeld zur Bank tragen müssen“, sagt er. Dietmar Ederle, Regionalbereichsleiter der Kreissparkasse in Kirchheim, sieht noch einen weiteren Aspekt: „Nicht zu unterschätzen ist der hygienische Faktor. Gerade im Lebensmittelbereich ist die Reduzierung des Kontaktes mit Bargeld für die Mitarbeiter ein Zugewinn an Komfort.“

Bargeldloses Zahlen bringt jedoch nicht nur Vorteile. Bei Axel Stephan verursacht vor allem die Kreditkarte Kosten. „Je nach Anbieter muss ich bis zu 2,5 Prozent Gebühren zahlen.“

Der Siegeszug der Karten- oder Handyzahlung scheint dennoch unaufhaltbar. Eberhard Gras glaubt allerdings nicht, dass Bargeld vollends verschwinden wird. „In naher Zukunft sicherlich nicht. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zahlen die Deutschen heute auch noch gerne mit Bargeld.“ Aber auch er geht davon aus, dass der Bargeldanteil am Umsatz in den nächsten Jahren weiter abnehmen wird. Kollege Dietmar Ederle von der Sparkasse Kirchheim geht da weiter: „Wir gehen davon aus, dass Bargeld künftig immer weniger eingesetzt wird. Und das wird schneller der Fall sein, als wir es uns momentan vorstellen können.“

Noch gilt Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen Ländern als Land der „Kartenmuffel“. Volksbank-Vorstandmitglied Gras weiß warum: „Früher war es verpönt, kleinere Beträge mit der Giro- oder Kreditkarte zu zahlen.“ Sparkassen-Regionalbereichsleiter Dietmar Ederle glaubt aber: „Das ändert sich mit der Möglichkeit des Mobilen Bezahlens. Sicher gibt es bei dem einen oder anderen Kunden auch Sicherheitsbedenken. Diese sind jedoch unbegründet.“ Und Eberhard Gras: „Bei kleineren Beträgen ist nicht mal eine PIN mehr notwendig. Da reicht es oft schon, die Karte an das Terminal an der Kasse zu halten, und die Ware ist bezahlt.“ Die Bank-Experten glauben übereinstimmend, dass einfache Lösungen und ein flächendeckendes Angebot die Nutzung der Giro- und Kreditkarte schnell deutlich erhöhen werden.

Wer noch Angst hat, dem gibt Eberhard Gras Entwarnung, zumindest was die eigenen Produkte betrifft: „Wenn Sie mit unserer Giro- oder Kreditkarte bargeldlos bezahlen, werden lediglich zwischen dem Händler und uns Kontonummer, Kartennummer und Zahlungsbetrag ausgetauscht. Welche Waren der Nutzer gekauft hat, darüber erfolgen keine Informationen.“

Einzelhändler Axel Stephan zahlt meist mit Karte, bis auf zwei Ausnahmen: Ich hab maximal 50, 60 Euro dabei, fürs Essen oder mal ein Bier nach Feierabend.“ Da sind beispielsweise die Schweden schon viel weiter. Das „swishen“, das Bezahlen mit App und einer „swish“-Nummer, ist dort zum Volkssport geworden. Prognosen besagen, dass die Skandinavier 2030 völlig auf Bargeld verzichten. Stephans Sohn war gerade in Holland. „Dort haben die jungen Leute ihre Karte auf das Handy geladen. Die zahlen sogar den Kaffee damit.“

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