Kirchheim

Schnelle Hilfe für die Ärmsten

Corona-Folgen Der Kirchheimer Tafelladen hat dank der Initiative von Michael Holz umgehend in der Max-Eyth-Straße eine neue Bleibe gefunden. Von Günter Kahlert

Gruppenfoto in Corona-Zeiten: Gestern wurde der neue Tafelladen ans DRK übergeben.
Gruppenfoto in Corona-Zeiten: Gestern wurde der neue Tafelladen ans DRK übergeben.

Was für eine Welle der Hilfsbereitschaft und mit welchem Tempo. Am vergangenen Dienstag musste der Kirchheimer Tafelladen in der Henriettenstraße wegen Corona-Vorgaben überraschend schließen, gestern Mittag um 14 Uhr war bereits die Schlüsselübergabe an das DRK für den neuen Laden in der Max-Eyth-Straße 1. Jetzt wird in den nächsten Tagen der Laden noch auf Vordermann gebracht. Bis letzten Donnerstag wusste der DRK-Kreisverband noch nicht, wie es weitergeht. „Wir wollten schon mit der Stadt Kontakt aufnehmen, ob wir irgendwo einen Tafelbus platzieren können“, meint Kreisbereitschaftsleiterin Heike Gönninger.

Dann kam der Anruf von Michael Holz. Er hatte einen Lösungsvorschlag: die leerstehende Apotheke am Postplatz, sogar die Grundfinanzierung war gesichert. „Mich hatte letzten Dienstag ein Kirchheimer Unternehmer angesprochen, der von den Schwierigkeiten des Tafelladens gehört hatte und eine Spende machen wollte um den Tafelladen zu erhalten“, erzählt der Gastronom und Kreisrat. Dann ging es Schlag auf Schlag. Erlaubnis der Eigentümergemeinschaft einholen, Abstimmung mit Bürgermeister Günter Riemer und dem städtischen Sozialamt.

Und er holte auch seinen langjährigen Freund Andreas Kenner ins Boot. Der Landtagsabgeordnete und Stadtrat übernahm die Klärung mit dem Finanzamt. „Das Geld muss ja treuhänderisch verwaltet werden, das muss alles auch rechtlich absolut korrekt sein“, erklärt „Micha“ Holz. Gemeinsam übernehmen sie die Schirmherrschaft für das Projekt. Da geht es um Haftungsfragen und ähnliche Dinge.

Die Leitung des Tafelladens kam allerdings nicht in Frage. „Das Ganze muss ja professionell gemacht werden, von Leuten die eine Ahnung haben“, meint Holz dazu. Da ist das DRK mit langer Tafelladen-Erfahrung logischerweise prädestiniert dafür. Die bisherige Mannschaft von der Henriettenstraße kann dafür nicht eingesetzt werden. „Die sind in der Regel über 65 und dürfen derzeit nicht im Tafelladen arbeiten, weil sie zur Hochrisiko-Gruppe gehören“, erklärt Kreisbereitschaftsleiterin Heike Gönninger. Aber es gebe genügend jüngere Leute, die nicht als Einsatzmitarbeiter in der „Blaulicht-Fraktion“ tätig sind.

Begeistert ist Michael Holz über die vielen positiven Reaktionen auf sein Projekt. „Ich habe das auf Facebook gepostet, und es kamen sofort Rückmeldungen und Hilfsangebote“, erzählt er. Sein Getränkehändler bot spontan einen Kühlwagen an, Händler wie Peter Reicherter vom Wochenmarkt oder Scholderbeck haben Unterstützung zugesagt und auch von seinen Gastronomie-Kollegen kamen positive Signale. Auch die überall begehrte Schutzkleidung für die Mitarbeiter ist bereits da - von seiner Freundin. „Sie beliefert Zahnärzte und hat Schutzmasken, Handschuhe und Hauben besorgt.“

„Es geht ja darum, den Menschen etwas Hoffnung zu geben, dass sie nicht allein sind“, fasst er die Aktion zusammen und hat dafür auch einen Slogan geschaffen: „Gemeinsam Zusammen For Future.“ Wann der Tafelladen neben dem Stadtkino öffnet, steht noch nicht genau fest. Auf jeden Fall im Laufe der Woche.

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