Kirchheim

Schöne Ferien für Hund und Halter

Wer mit seinem Vierbeiner auf Reisen geht, sollte früh und gründlich planen

Neue Reviere erobern und völlig andere Gerüche – Ferien können für Hunde ein echtes Abenteuer sein. Dennoch müssen die Halter einiges beachten.

Wenn Veronika Fuchs zusammen mit Anton (rechts) und Eddie verreist, stehen nicht nur ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt, sondern au
Wenn Veronika Fuchs zusammen mit Anton (rechts) und Eddie verreist, stehen nicht nur ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt, sondern auch die ihrer beiden vierbeinigen Begleiter.Fotos: Daniela Haußmann

Region. Wichtig ist, dass der Traumurlaub des Halters zu den Bedürfnissen seines besten Freundes passt. „Wer am liebsten in Südeuropa am Strand in der Sonne brutzelt, nach Amerika oder Indien reisen will, sollte den Vierbeiner lieber zu Hause lassen“, rät Veronika Fuchs. „Tatsache ist, je weiter es in den Süden geht, desto höher steigen im Sommer die Temperaturen. Das macht dem Hund zu schaffen.“ Und die Reise im lauten Frachtraum eines Fliegers ist für das Tier eine Tortur, wie die Inhaberin der Nürtinger Hundeschule Team HNB betont.

Anette Neun, ehemalige Züchterin und Ausbildungsleiterin im Verein Hundesport Kirchheim, empfiehlt, den Hund bei Verwandten, Freunden oder Bekannten unterzubringen, wenn der Halter ins weit entfernte Ausland reist. Ideal ist es, wenn der Vierbeiner einen Bezug zu den Personen hat, bei denen er die Urlaubszeit verbringt. Auf die eigene Decke, das geliebte Spielzeug und das gewohnte Futter sollte der Hund dort ebenso wenig verzichten müssen, wie auf Medikamente, die er regelmäßig einnehmen muss. „Wie oft und in welcher Dosis Arzneimittel zu verabreichen sind, sollte für die Betreuer auf einem Zettel notiert werden“, rät Neun.

Langfristige Planung ist das A und O, wenn des Menschen bester Freund mit in den Urlaub fährt. „Über vorgeschriebene Impfungen sollte sich der Halter“, laut Anette Neun, „frühzeitig informieren, denn bei einigen Impfungen wird der Schutz erst nach einer bestimmten Zeit wirksam. Das muss bei der Einreise unter Umständen nachgewiesen werden.“ Staupe, Hepatitis contagiosa canis, Leberentzündung, Parvovirose, Leptospriose und Tollwut sind Veronika Fuchs zufolge lebensbedrohliche Erkrankungen, die eine Impfung unumgänglich machen. Der Tierarzt kennt die Länderbestimmungen und kann weiterhelfen.

Wer mit seinem Hund auf Wandertour geht, sollte Anette Neun zufolge an Zwischenstopps denken. Die hängen von der körperlichen Fitness, dem Alter des Tieres und den klimatischen Gegebenheiten vor Ort ab. „Mancher Zweibeiner läuft im Urlaub zur Höchstform auf und legt stundenlange Fußmärsche zurück“, sagt Veronika Fuchs. „Ein Halter, der in den Ferien punktuell aus dem üblichen Bewegungspensum ausbricht, sollte immer bedenken, dass sein Hund das nicht gewohnt ist.“ Der treue Vierbeiner wird seinem Halter immer folgen. „Wenn es sein muss bis die Pfoten blutig gelaufen sind“, so die Trainerin.

Wie lange gewandert wird, welche Distanzen zurückgelegt werden und wie viel Zeit für die Pausen eingeplant wird – in die Überlegung, den nächsten Gipfel zu erstürmen, sollte die Verfassung des Vierbeiners immer einbezogen werden. „Und genau wie beim Strandurlaub gilt auch hier, wenn es zu heiß ist, sollte der Hund in der Ferienunterkunft bleiben, bis die Tagestemperaturen für ihn auf ein erträgliches Maß abgesunken sind“, betont Fuchs. Am Strand, wo eine starke Sonneneinstrahlung vorherrscht habe der Hund in der Tageshitze nichts verloren. „Genau wie beim Menschen kann es auch bei ihm zu einem Hitzschlag oder Kreislaufproblemen kommen“, warnt Veronika Fuchs.

Anette Neun rät überdies davon ab den Vierbeiner zum Baden ins Meer zu schicken, wenn er das nicht gewohnt ist oder ohnehin schon an Herz-Kreislauf-Problemen leidet. Geht der Hund ins Wasser sollte ihn der Halter nicht aus den Augen lassen und darauf achten, dass sich das Tier weder überanstrengt noch selbst überschätzt“, betont sie. „Pausenlos den Ball ins Meer zu werfen, damit der Hund hinterherhetzt, ist nur bedingt empfehlenswert.“ Ballsport in Kombination mit Wellengang treibe jede Fellnase rasch an ihre Grenzen und das könne im Meer tragisch enden. Zwangsläufig schluckt Bello beim Bad am Strand Salzwasser und sollte deshalb laut Veronika Fuchs mit Frischwasser versorgt werden. Wer die Bedürfnisse seines besten Freundes beachtet, kann mit ihm schöne Stunden weit entfernt von daheim verleben.

Urlaub ohne Hundejammer

Veronika Fuchs
Veronika Fuchs

Was macht eine gute Hundepension aus? Veronika Fuchs, Inhaberin der Hundeschule Team HNB, weiß worauf es ankommt.

Daniela Haussmann

Frau Fuchs, Urlaub buchen, Hund in der Pension abliefern. Ist es tatsächlich so einfach?

VERONIKA FUCHS: Ganz so einfach sollten es sich Herrchen und Frauchen nicht machen. Schließlich soll es dem Hund gut gehen, wenn die Halter im Urlaub sind. Wer Hunde betreut und dafür Geld verlangt, braucht einen Sachkundenachweis nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes. Damit ist zumindest gewährleistet, dass sich der Betreiber einer Hundepension in punkto Ernährung, Haltung, Krankheiten und dergleichen auskennt. Außerdem ist bei diesem Sachkundenachweis sichergestellt, dass die zuständige Behörde die Örtlichkeit und die Unterbringung der Tiere kontrolliert.

Was zeichnet eine gute Pension noch aus?

FUCHS: Die Zahl der Hunde, die eine Pension aufnimmt, sollte überschaubar sein. Wenn ein Betreiber damit wirbt, dass sein Fahrzeug mit dreizehn Hundeboxen und einem Anhänger für den Transport der Tiere ausgestattet ist, müssen beim Halter alle Alarmglocken klingeln. In der Box ist es eng, die anderen Hunde sind fremd, es wird gebellt, gejault und gemacht – das ist für die Tiere purer Stress. Eine Pension unangekündigt zu besuchen ist auf jeden Fall ratsam. Dabei sollte darauf geachtet werden, in welchem Zustand die Hunde sind, die dort aktuell untergebracht sind. Ein Augenmerk sollte auch auf der Sauberkeit liegen und der Halter sollte nachfragen, wie die Tiere tagsüber, abends und in der Nacht betreut werden. Gibt es Personal oder sind auch Familienangehörige in die Betreuung eingebunden?

Trotzdem bleibt die Pension eine Vertrauenssache.

FUCHS: Das Tier bei Menschen unterzubringen, die man nicht persönlich kennt, ist immer eine Vertrauenssache. Und es ist auch nicht jeder Hund für die Pension gemacht. Das sollte ein Halter akzeptieren und den Hund bei Verwandten oder guten Freunden unterbringen, die der Vierbeiner kennt und zu denen er einen Bezug hat. Ist das nicht machbar, sollte die Pension der letzte Schritt sein, wenn feststeht, dass Bello auf die Reise nicht mitgeht. Ist das der Fall, sollten ihm sein übliches Futter, sein Bett oder seine Decke mitgegeben werden, damit er in der neuen Umgebung auch gewohnte Dinge um sich hat. Und für den Notfall ist es gut, die eigene Handynummer zu hinterlegen.

Was muss beachtet werden, wenn es mit Kindern, Hund und jeder Menge Gepäck im Auto in die Ferien geht?

FUCHS: Der Hund sollte auf jeden Fall in einer Box im Kofferraum untergebracht werden. Es ist sinnvoll, darauf zu achten, dass die Box nicht zugestellt wird. Der Hund sollte im hinteren Teil des Wagens noch genügend Licht und Luft zum Atmen bekommen. Empfehlenswert ist, alle zwei Stunden eine Pause einzulegen, dem Hund frisches Wasser zu geben und ihn aus der Box zu holen, damit er sich die Beine vertreten kann. Und wenn der Hund mitfährt, muss auch der EU-Heimtierausweis im Gepäck sein. Welpen sollten bis zum Alter von sechs Monaten nicht verreisen.

Andere Länder, andere Sitten. Was muss beachtet werden?

FUCHS: In Österreich beispielsweise braucht der Hund einen Maulkorb, wenn er in öffentlichen Verkehrsmitteln mitfährt. Die Einreise mit Kampfhunden der Kategorie 1 ist in manchen Ländern, wie zum Beispiel Frankreich, verboten. Hunde der Kategorie 2 unterliegen in einzelnen Ländern der Leinen- und Maulkorbpflicht und dürfen nur von einer volljährigen Person geführt werden. Solche Dinge sollten vor Urlaubsantritt unbedingt geklärt werden.

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