Kirchheim

Schüler vermitteln Geschichte

Geschichte Die 15-jährige Selin Furat ist Teil des Projekts „Pfad der Demokratie“. Die Ausstellung in Kirchheim erinnert an die Revolution vor 100 Jahren. Von Max Carlo Pradler

Selin Furat leitet mit anderen Gleichaltrigen die wöchentlichen Führungen auf dem „Pfad der Demokratie“.Foto: Carsten Riedl
Selin Furat leitet mit anderen Gleichaltrigen die wöchentlichen Führungen auf dem „Pfad der Demokratie“.Foto: Carsten Riedl

Am morgigen Freitag jährt sich ein Ereignis von großer Tragweite zum 100. Mal: Am 9. November 1918 rief der Sozialdemokrat Phi­lipp Scheidemann vom Balkon des Reichstages in Berlin die Republik aus. Das Deutsche Kaiserreich war zusammengebrochen.. Auch in Kirchheim versammelten sich auf dem Rossmarkt etliche Bürger.

Der „Pfad der Demokratie“ lässt ab Samstag dieses bedeutsame Ereignis Revue passieren: Zehn Stationen sind an historischen Orten in der Kirchheimer Innenstadt aufgebaut. Sie sollen daran erinnern, welche Wünsche und Ängste die Bürger in der Zeit der sogenannten „Novemberrevolution“ bewegten. Die Idee zur Ausstellung stammt vom Kirchheimer Stadtarchivar Dr. Frank Bauer. In Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus Linde bildete er in den vergangenen Monaten Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren aus, die Führungen auf dem „Pfad der Demokratie“ anbieten.

Mit dabei ist auch Selin Furat: Die 15-Jährige besucht die zehnte Klasse des Ludwig-Uhland-Gymnasiums und hat im Geschichtsunterricht von dem Projekt erfahren. „Ich bin bisher nicht in der Linde aktiv gewesen, aber unser Lehrer hat uns von diesem Vorhaben erzählt.“ Dass die junge Deutsch-Türkin dann schnell Feuer und Flamme war, hatte nicht nur mit ihrem allgemeinen Interesse an Geschichte zu tun: „Ich wusste gar nicht, dass hier so prägende Erlebnisse stattfanden. Das finde ich sehr spannend“, schildert die Gymnasiastin.

Infos und Unterhaltung zugleich

Auf dem „Pfad der Demokratie“ betreut sie eine von zehn Stationen. Als „Expertin“ klärt sie die Besucher über einen Mosaikstein der Revolution in Kirchheim auf. Dabei ist großes Wissen gefragt, schließlich muss die Schülerin auch spontan auf Fragen der Teilnehmer eingehen können. Aber nicht nur das. „Auf den Fußwegen zwischen den einzelnen Stationen sorgen wir auch für Unterhaltung.“

Dass sich jüngere Menschen eher weniger für Ereignisse aus dem vergangenen Jahrhundert interessieren, ist nichts Ungewöhnliches. Die unerwartet große Rückmeldung auf das Projekt überraschte daher nicht nur Frank Bauer. Auch die Schülerin selbst war vom Engagement der gleichaltrigen Teenager rund um das Vorhaben erstaunt. „Es wäre sogar besser, es würden noch mehr mitmachen. Wir Jugendliche haben heutzutage nämlich oft einen schlechten Ruf“, erklärt die Schülerin, „aber mit solchen Dingen können wir dies widerlegen und zeigen, dass wir durchaus engagiert sind.“

Für welche Station Selin eingeteilt ist, erfährt sie erst unmittelbar vor der ersten Führung. Das ist von der Projektführung so gewollt. Denn so bleiben die Sinne der Jugendlichen bei den Schulungen für alle zehn Etappen des Pfads geschärft - so versteift sich keiner nur auf die notwendigen Informationen.

Die leidenschaftliche Hip-Hop-Tänzerin kann es kaum erwarten, bis es los geht: „Ich mag es, wenn ich Menschen helfen oder ihnen etwas Gutes tun kann. In diesem Fall eben im Sinne von Wissensvermittlung.“ Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Für jede Führung erhält die Schülerin sogar etwas Taschengeld.

1 Der Pfad wird am kommenden Samstag, 10. November, um 10 Uhr am Kirchheimer Rossmarkt eröffnet. Führungen finden bis zum Ende des Projekts am 19. Januar an jedem Sonntag um 14 Uhr statt, sowie auf Anfrage unter archiv@kirchheim-teck.de

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