Kirchheim

Randnotiz: Schuljahres-Endrallye

Nein, hier soll es wirklich nicht darum gehen, Schüler in den Ferien zu bemitleiden, so weit kommt‘s noch!

Dennoch fällt auf: Speziell die Oster„ferien“ verdienen ihren Namen nicht wirklich. Auf dem Weg zur Arbeit trifft man auffallend viele verschlafene junge Leute, die man eigentlich im Bett vermutet hätte. Kein Wunder: Nachhilfeinstitute, Volkshochschulen, aber auch so manche Schule bieten jede Menge Intensivkurse an. Ihr Ziel: Wackelkandidaten in einem Gewaltakt fit machen für eine Art Schuljahresendrallye. Denn: Noch sind nicht alle Klassenarbeiten geschrieben, noch kann hier und da das Ruder rumgerissen werden.

Speziell Abiturienten setzen in den Osterferien nicht auf Faulenzen, sondern auf den Nürnberger Trichter. Auch unter dem Dach der vhs Kirchheim brüten jetzt vormittags über kniffligen Aufgaben zwölf Schüler. Sie zählen zu den Lämmlein, die am 2. Mai zur Schlachtbank geführt werden, sprich, das Matheabitur bewältigen müssen. - „Schreiben“ sagte man früher, doch heute hat sich Mathe zur großen Hürde für viele entwickelt. Die schriftliche Prüfung kann hier nicht mehr umgangen, das Fach nicht - wie Latein oder Chemie - abgewählt werden. Was die Inhalte angeht, so verstehen fast alle Eltern längst nur noch Bahnhof. Letzte Hoffnung: der Intensivkurs in den Osterferien.

Motivierte (oder bisher zu langsame?) Pädagogen laden ihre Abi-Schützlinge auch gern zum freiwilligen Büffeln im verwaisten Schulhaus ein. Meist geht‘s auch hier um Mathe, aber auch Deutschlehrer und Vertreter anderer Fachrichtungen scharen verstärkt kleine Völkchen blasser Abi-Zombies um sich. Zumindest vormittags. Nachmittags geht‘s an den heimischen Schreibtisch, will man den Schüler-Erzählungen Glauben schenken.

Ferien? - Keine Spur davon. Aber hier soll es wahrlich nicht darum gehen, Schüler in ihren Ferien zu bemitleiden. Das wäre ja noch schöner! Irene Strifler

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