Kirchheim

Schulöffnung mit vielen Fragezeichen

Neustart Außer dem 4. Mai als Datum für den Wiederbeginn des schulischen Lebens gibt es noch keine allzu konkreten Vorgaben, wie das langsame „Hochfahren“ des Schulalltags aussehen soll. Von Andreas Volz

Kirchheims Schulen öffnen sich nach der Coronapause erst wieder am 4. Mai - und zwar ganz langsam. Foto: Carsten Riedl
Kirchheims Schulen öffnen sich nach der Coronapause erst wieder am 4. Mai - und zwar ganz langsam. Foto: Carsten Riedl

An Kirchheims Schulen beginnen die Vorbereitungen für den „Neustart“ des Schuljahrs - auch wenn im Moment noch keiner so genau weiß, wie der aussehen soll. Fest steht nur: Am Montag, 4. Mai, sollen die oberen Klassen wieder in ihre Schulen zurückkehren. Dabei ist genauestens auf die Hygieneregeln zu achten, die ein weiteres Ausbreiten des Coronavirus verhindern sollen - trotz Wiederaufnahme des Schulbetriebs. Das ist zwar ein Widerspruch in sich, aber es ist der generelle Widerspruch in Corona­zeiten: Am besten wäre es, wenn alle zuhause blieben und wenn sich jeder dort möglichst in einem eigenen Raum aufhielte. Aber die Arbeit und der Lebensmitteleinkauf sind und bleiben Ausnahmen.

Dann kommt auch noch der Wunsch dazu, möglichst bald wieder ein möglichst normales Leben aufzunehmen - also auch die Schulen wieder zu öffnen. Zur Sicherheit braucht es dazu beispielsweise genügend Seifen- und Handdesinfektionsspender, wie Kirchheims Geschäftsführender Schulleiter Clemens Großmann erläutert: „Schulen dürfen nur dann wieder öffnen, wenn das sichergestellt ist.“

Der Raumbedarf verdoppelt sich

Aber auch dann sieht der Rektor der Freihof-Realschule noch genügend Fragezeichen: „Wir sollen mit den Klassen 9 und 10 beginnen, dürfen aber maximal in halber Klassenstärke unterrichten.“ Das Problem: „Insgesamt sind das schon sieben Klassen. Wenn ich die halbiere, brauche ich also 14 Klassenzimmer.“ Kämen dann irgendwann lediglich die Achtklässler dazu, würde im Freihof bereits ein Klassenzimmer fehlen.

Noch etwas ist aus Sicht von Clemens Großmann nicht klar geregelt: „Was passiert, wenn wir den ersten Coronafall an der Schule haben? Wenn einer betroffen ist, müssen alle anderen für 14 Tage in Quarantäne. Dann müssen wir die Schule vielleicht bald wieder schließen.“ Ohnehin glaubt er nicht, dass der Unterricht für die unteren Klassenstufen vor den Pfingstferien beginnen kann.

Ein anderes Problem: „Wir müssen davon ausgehen, dass ein Viertel der Lehrer zur Risikogruppe zählt und deshalb nicht an der Schule unterrichten kann.“ Wenn also alle Schüler wieder an die Schule kämen, würde es an Lehrern fehlen. Die müssten zudem nach aktueller Regel jede Stunde zwei Mal halten, vor jeweils der halben Klasse. Für die Klassen, die noch zuhause bleiben müssen, ist ja noch der „Fernunterricht“ abzudecken, von der Notfallbetreuung vor Ort ganz abgesehen. Auch hier das Dilemma: „Die Betreuungsgruppen werden jetzt deutlich größer. Sie sollten aber auch nicht zu groß werden.“

Stichwort „Notfall“: Am Schlossgymnasium erarbeitet der stellvertretende Schulleiter Hans-Ulrich Lay neue Notfallpläne für die beiden Jahrgangsstufen: „Da sollte es in jedem Fach wenigstens eine Klausur geben.“Für die Halbierung der Klassen könnte er sich auch das Modell vorstellen, vierstündige Kurse nur zweistündig zu unterrichten - für jeweils die Hälfte der Kursteilnehmer. Die Abiturprüfungen ab 18. Mai hält er für machbar, verweist aber auf Probleme bei der fachpraktischen Prüfung in Sport: „Schwimmbäder und Sporthallen sind geschlossen. Die Schüler können sich also nicht auf die Prüfung vorbereiten.“

Hier sieht er nur eine Möglichkeit, die auch sonst manchmal zum Tragen kommt - wenn einer der Sportabiturienten an einer Langzeitverletzung laboriert: „Da gibt es dann eine Bescheinigung, dass das Abitur bestanden wäre, dass aber noch kein Notendurchschnitt berechnet werden konnte.“ Diese Bescheinigung genügt als Zugangsberechtigung für eine Hochschule - außer bei Numerus-Clausus-Fächern. Die Sportprüfung wird dann zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt, und anschließend gibt es ein „richtiges“ Abizeugnis. 2020 könnte diese Regelung häufiger zur Anwendung kommen, nicht nur für Verletzte.

Die Stadt Kirchheim ist als Schulträger gefragt

Als Schulträger ist die Stadt Kirchheim für die Hygienevoraussetzungen an den städtischen Schulen zuständig. Sie muss also nicht nur die Räume zur Verfügung stellen, sondern im speziellen Fall auch dafür sorgen, dass Seife und Desinfektionsmittel an den Schulen zur Verfügung stehen.

Oberbürgermeister Pascal Bader will die verbleibenden beiden Wochen bis zum reduzierten Wiederbeginn des Schulalltags nutzen, um gemeinsam mit den Schulleitern Konzepte zu erarbeiten. Unklar ist ihm noch, wie es in den ersten Wochen mit Sporthallen und Mensen weitergeht.

Die Notfallbetreuung von Kindern wirft auch für die Stadtverwaltung noch viele Fragen auf. Derzeit sind rund 40 Kinder in der städtischen Notfallbetreuung gemeldet. Weitere 40 Kinder - allesamt Kinder des Klinikpersonals - werden im Kirchheimer Krankenhaus betreut. vol

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