Kirchheim

Schwachstellen bei Breitband, Parkplätzen und Winterdienst

Wirtschaft Hochschulinstitut nimmt das Gewerbegebiet Bohnau sowie allgemein die Gewerbeflächenentwicklung in Kirchheim unter die Lupe. Von Andreas Volz

Das Kirchheimer Gewerbegebiet Bohnau, dessen nördlicher Teil auf dem Foto zu sehen ist, stand im Fokus eines Informationsabends,
Das Kirchheimer Gewerbegebiet Bohnau, dessen nördlicher Teil auf dem Foto zu sehen ist, stand im Fokus eines Informationsabends, zu dem die Wirtschaftsförderung der Stadt, die HfWU Nürtingen-Geislingen und die Firma Sommer eingeladen hatten.Foto: Werner Feirer

Miteinander reden: Was immer spöttelnd und abwertend in die Ecke der Sozialpädagogik geschoben wird, tut offensichtlich auch der Politik und der Wirtschaft gut. Ausgehend von Arbeiten, die Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen über das Kirchheimer Gewerbegebiet Bohnau angefertigt haben, kam es nun vor Ort zu einem Treffen. Vertreter der Hochschule, der Stadtverwaltung und der Wirtschaft sprachen über Probleme und Potenziale.

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Als „Schlaglichter“ einer Befragung in der Bohnau nannte Professor Dr.-Ing. Alfred Ruther-Mehlis positive Aspekte wie gute nachbarschaftliche Verhältnisse oder auch Lage und Umgebung in der Bohnau. Negativ werde dagegen die mangelhafte Breitbandversorgung gesehen sowie das knappe Parkplatzangebot im öffentlichen Straßenraum.

Die Studenten selbst hätten festgestellt, dass es ihnen schwer fiel, sich im Gewerbegebiet zu orientieren, da sie ortsfremd waren. Demnach sei die Orientierung wohl ein grundsätzliches Problem in der Bohnau – zumindest für diejenigen, die von außen kommen.

Was den Studenten ebenfalls auffiel, war ein Mangel an Grün. So sehen sie noch viel Potenzial für Dach- und Fassadenbegrünungen. Ruther-Mehlis zufolge hätte das für ein Unternehmen zwei große Vorteile: Außer dem Imagegewinn durch Einsatz für die Ökologie lasse sich auch ökonomisch etwas gewinnen: „Durch Begrünung und Entsiegelung lässt sich so viel an Abwassergebühren einsparen, dass sich die Kosten schon nach fünf bis zehn Jahren amortisiert haben könnten.“

Zur Verkehrssituation stellte Alfred Ruther-Mehlis fest: „Auch wenn viele Firmen die Autobahnnähe als Vorteil genannt haben. ist die äußere Erschließung der Bohnau für die Studenten viel problematischer als die innere.“ Die Nähe zur Autobahn sei nämlich eher eine geografische als eine verkehrliche.

Eine zweite Befragung des HfWU-Instituts für Stadt- und Regionalentwicklung stellte Michael Weber vor. Dabei ging es generell um die Gewerbeflächenentwicklung in Kirchheim. Zunächst fand Weber sehr anerkennende Worte für die Wirtschaftsvertreter der Teckstadt: „Sie liegen hervorragend in der Region Stuttgart. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse sind von 2008 bis 2015 um 22 Prozent gestiegen. Sie haben einen guten Mix und sind in allen Bereichen gut aufgestellt.“ Für die Bohnau gelte allerdings das Problem, dass nur noch wenige Potenziale vorhanden sind. Fast ein Drittel der befragten Unternehmen habe sich an der Umfrage beteiligt. Demzufolge besteht ein Erweiterungsinteresse mit einem Flächenbedarf von 9,8 Hektar – allein in der Bohnau.

Mit der Breitbandversorgung sind viele Unternehmen unzufrieden. Größere Betriebe würden da selbst an ihren eigenen Lösungen basteln. Das war nicht nur Gegenstand der Befragung, das bestätigten auch die Gäste in der Diskussion. Sie sprachen auch Schwierigkeiten im Umgang mit den Behörden an. Dass die Kommunikation zwischen Bauwilligen und Verwaltungen nicht reibungslos ist, bezeichnete Alfred Ruther-Mehlis aber als „ganz normal“. Das sei kein Kirchheimer Spezifikum.

Bei generellen Beschwerden bat Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker darum, konkrete Sachverhalte zu nennen. Ein Beispiel, das vielfach genannt wurde, war der mangelnde Winterdienst „in Sackgassen, Stichstraßen und Wurmfortsätzen“. Die Rathauschefin versprach, dieses Thema anzugehen, wie sie auch sonst zusicherte, für einzelne Probleme der Gewerbetreibenden gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Ein großes Problem scheinen die Parkflächen zu sein. In einigen Betrieben werden die firmeneigenen Parkplätze zweckentfremdet, hieß es da. Es gebe sogar Fälle, in denen Lastwagen auf öffentlichen Straßen beladen werden. Das Parken von Lastwagen in der Einsteinstraße wird ebenfalls kritisch gesehen. Das hindere den Verkehrsfluss und sei insbesondere nachts auch sehr gefährlich.

Fazit des Abends: Viele Probleme sind auf den Tisch gekommen. Die angestoßenen Gespräche könnten sich als zielführend erweisen. Zumindest gibt es von beiden Seiten – Stadtverwaltung und Wirtschaft – die Bereitschaft zu weiteren Gesprächen. Und vielleicht gründet sich ja auch noch ein Verband der Gewerbetreibenden in der Bohnau, um gemeinsame Lösungen für gemeinsame Probleme zu finden, aber auch um gemeinsame Feste und Veranstaltungen zu organisieren – fürs Image.