Kirchheim

Schwäbischer Alltagswahnsinn

Mundart-Kabarett Alois Gscheidle hat beim Jesinger Schützenverein rund 150 Zuschauer mit seinem „altbacka“ anmutenden Programm „Rei‘gschmeckt“ begeistert. Von Sabine Ackermann

„Babier“ oder „Blaschdig“? Alois Gscheidle (links) gibt Tipps zur schwäbischen Mülltrennung und holt dafür einen Zuschauer mit a
„Babier“ oder „Blaschdig“? Alois Gscheidle (links) gibt Tipps zur schwäbischen Mülltrennung und holt dafür einen Zuschauer mit auf die Bühne.Foto: Sabine Ackermann

Berührungsängste? Nicht bei Alois Gscheidle. Mit Arbeitskittel, Meterstab und wachem Blick unterm Hut schleicht er als Hausmeister maulend durch die Reihen. Dem Ordnungsfanatiker entgeht nichts, sogar die Oberbekleidung einiger Herren passt ihm nicht. Da bekommt so manch einer gleich zu Beginn sein Fett weg. Ob Nichteinhaltung des Fluchtwegs oder „rei‘gschloifte Dreckbolla“ - der „Hausmeister“ macht seinem Ärger Luft.

Nach seiner Meckertour durch die Zuschauerreihen kommt Alois Gscheidle als selbiger mit Schiebermütze, knallgelbem Pullunder und heruntergelassener Hose bis zu den Knien hinter einer roten, mit seinem Konterfei geschmückten Trennwand hervor. Die viel zu langen und „lommeligen“ Gummi-Hosenträger waren schuld an seinem freizügigen Missgeschick. Zum Glück hatte auch Zuschauerin Anneliese keine Berührungsängste, flugs zog sie die Hose wieder hoch und Gscheidle wickelte sich die ausgeleierten Gummibänder einfach um den Hals.

Und weil es so gut ankam, steht er wenig später nochmals in der Unterhose da. Diesmal war es das Telefon, dass ihn beim „G‘schäft macha“ auf dem Lokus störte. „Rei‘gschmeckt“ heißt Alois Gscheidles Programm, bei dem er obendrein auslotet, wer Schwabe, Badener oder zum Beispiel Kölner ist. Ständig im Dialog mit den Zuschauern glänzt er besonders durch seine Spontanität. Fortan schwadroniert er über Alltagssituationen, wie sie mehr oder weniger jeder schon mal erlebt hat.

Blähungen wegen „Schnupf-Ex“

Aufgewacht mit einem „Kratza im Hals“ liest er den Beipackzettel von „Schnupf-Ex“ vor, einem Medikament, das Nebenwirkungen wie Erregtheit, Appetitlosigkeit, Juckreiz und Blähungen hervorruft. Ein Biss in einen Apfel, ein kräftiger Schluck direkt aus der Schnapspulle und im Darm geht die Post ab. „Scho s‘spät“, beschreibt der Kabarettist den flotten Otto und schleicht sich mit leidendem Gesichtsausdruck und zusammengekniffenen Beinen unter dem exzessiven Gelächter einer Frau von dannen.

Gleichwohl, in puncto Mimik und Gestik agiert Gscheidle eher schwäbisch genügsam, dafür schwätzt er recht viel, sein Markenzeichen ist die am Ende des Satzes nach oben gehende helle Stimme. Kein Thema ist ihm fremd. „Man muss als Schwob gucka, dass d‘Grundsteuer us em Boda rauskommt“, weiß Gscheidle und pflanzt deshalb Ackersalat in die Fugen der Terrassenplatten.

Auch beim Müll „verklauba“ holte er sich mit Ralph - den er kurzerhand in Mustafa umtauft - Hilfe aus dem Publikum. Aus einer großen Plastiktüte entsorgten sie gemeinsam den Abfall in die dafür vorgesehenen Eimer mit den schwäbischen Aufschriften: „Babier“ oder „Blaschdig“.

Gelungene Premiere

Am Schluss noch die Atemübungen mit Andrea vom Jesinger Gesangsverein, die entweder „blitzg‘scheit oder saubleed“ sein muss, weil sie kein „Ämtle“ im selbigen hat. Komplizierte Rechenaufgaben nach „Gscheidle-Art“ sowie ein Telefonat auf schwäbisch-französisch sind weitere abwechslungsreiche Programmpunkte. Nach lang anhaltendem Beifall noch die Feststellung vieler Besucher beim Hinausgehen: „Mir hot‘s sauguad g‘falla“. Damit hat dann auch der Veranstalter sein Vorhaben erreicht: Der 1923 gegründete Jesinger Schützenver- ein organisierte mit vielen Helfern erstmals eine kulturelle Veranstaltung dieser Art und begeisterte damit rund 150 Besucher in der Gemeindehalle.

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