Kirchheim

Selbstverständlich - oder völlig übertrieben?

Service Leitungswasser kostenlos im Restaurant? In vielen Ländern ist das üblich. Gastronomen aus der Teckregion vertreten dazu unterschiedliche Meinungen. Von Heike Siegemund

Wer im Restaurant Leitungswasser trinkt, bestellt meistens noch ein anderes Getränk dazu.Foto: Jean-Luc Jacques
Wer im Restaurant Leitungswasser trinkt, bestellt meistens noch ein anderes Getränk dazu.Foto: Jean-Luc Jacques

Eine Karaffe gefüllt mit Leitungswasser steht für die Gäste kostenlos auf den Tischen in Cafés und Restaurants bereit - oder die Gäste können diese ohne Gebühr bestellen: Das ist in vielen Ländern, zum Beispiel in Frankreich oder Italien, bereits gang und gäbe. Die EU-Kommission will dies nun auch in anderen Mitgliedstaaten zum Standard machen. Sie verspricht sich davon Gesundheitsförderung, aber mit Blick auf die vielen Einwegflaschen auch weniger Plastikmüll. Was halten Gastronomen in der Teckregion von dieser Überlegung? Der Teckbote hat beispielhaft drei Gastwirte zum Thema befragt.

„Für mich ist es selbstverständlich, dass meine Gäste ein Glas Leitungswasser gratis bekommen, wenn sie es möchten“, betont Jochen Liepelt vom „Café Tass“ in Kirchheim. „Sie kriegen auch noch ein Glas - eigentlich so viel sie wollen. In der Karte ist dies aber nicht extra erwähnt“, ergänzt er. Er handhabt das schon seit 20 Jahren so und habe es von seiner Mutter übernommen, die ebenfalls in der Gastronomie tätig war. In dieser Zeit sei es noch nie vorgekommen, dass sich jemand hemmungslos am Gratiswasser bedient hätte, berichtet Liepelt. „Die Gäste bestellen immer noch etwas anderes dazu. Sie kommen ja nicht, um nur Leitungswasser zu trinken.“

Der Aufwand für ein Glas Leitungswasser sei gering, weshalb er keine Gebühr dafür verlangt. „Ich bin der Meinung, dass man auch mal etwas geben muss, ohne eine Gegenleistung dafür zu verlangen. Das wird dann auch honoriert: So sind die Gäste zufrieden und kommen wieder“, betont Jochen Liepelt. Für ihn handelt es sich bei diesem Angebot um eine Form von „Kundenfreundlichkeit, die man jedem Gast entgegenbringen sollte“.

Auch im Restaurant „Zähringer Stuben“ in Weilheim erhalten die Gäste eine kleine Karaffe Leitungswasser, wenn sie diese bestellen, informiert Bettina Hartmann, die das Restaurant gemeinsam mit ihrem Mann Harald Hartmann betreibt. „Wir stellen diese aber nicht automatisch auf die Tische, denn wir sind angehalten, etwas zu verkaufen in unserem Betrieb.“ Dass die Besucher der „Zähringer Stuben“ Leitungswasser verlangen, komme sowieso eher selten vor. „Das hält sich in Grenzen. Es ist nicht so, dass sie literweise Leitungswasser trinken“, verdeutlicht Bettina Hartmann. Im Gegenteil: Sie hat beobachtet, dass viele Menschen Mineralwasser - ob still oder mit Kohlensäure - bevorzugen, weil sie dieses für hygienischer und damit gesünder halten als Leitungswasser.

Ausschließlich Glasflaschen

Schon vorab Karaffen bereitzustellen, hält Bettina Hartmann für übertrieben. Denn zum einen bedeute es einen gewissen Aufwand für das Personal, und zum anderen könne dann vielleicht mancher Gast auf den Gedanken kommen, das Wasser stehe schon länger herum und sei nicht mehr frisch.

Mit Blick auf das Thema „Plastikmüll“ betont Bettina Hartmann, dass in ihrem Restaurant ausschließlich Glasflaschen verwendet werden. „Ich wüsste auch keinen Gastronomen, der Plastikflaschen auf den Tisch stellt. Das Ganze betrifft doch eher die Supermärkte.“ Und was die Gesundheitsförderung anbelangt: Diese beginne nicht im Restaurant, das man in der kürzesten Zeit am Tag besuche, sondern „daheim und am Arbeitsplatz“.

Eine klare Meinung zum Thema vertritt Udo Kälberer vom „Teckkeller“ in Kirchheim: Wenn einer seiner Gäste ein Glas Leitungswasser will, müsse er dafür 50 Cent bezahlen, weil es sich um eine Dienstleistung handle und diese mit einem gewissen Aufwand verbunden sei. „Wir müssen so viel nebenher machen - warum sollen wir dann noch Leitungswasser verschenken?“ fragt Kälberer. Er betont aber auch, dass diese Situation sehr selten vorkomme: „Wenn wir einen Gast im Monat haben, der Leitungswasser verlangt, dann ist das viel.“ Wäre es aber gesetzlich vorgeschrieben, würden es wahrscheinlich viele ausnutzen, glaubt Kälberer.

Im Übrigen gibt es auch im „Teck­keller“ ausschließlich Glas- und keine Plastikflaschen, verdeutlicht er und ergänzt: Anstatt im Restaurant gratis Leitungswasser auszuschenken, wäre es besser für den Umweltschutz, wenn jeder auch zu Hause auf Plastikflaschen verzichten würde.

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