Kirchheim

Shoppen ja - aber nicht alle auf einmal

Einzelhandel Am Montag enden die ersten Einschränkungen, die das Corona-Risiko verringern sollten. Größere Läden bleiben noch geschlossen, weil sie sonst zu viele Menschen in die Stadt locken könnten. Von Andreas Volz

Am Montag dürfen viele Geschäfte wieder öffnen. Das ist ein erster Schritt in Richtung Normalität - Masken hin oder her. Foto: C
Am Montag dürfen viele Geschäfte wieder öffnen. Das ist ein erster Schritt in Richtung Normalität - Masken hin oder her. Foto: Carsten Riedl

Aufatmen im Einzelhandel: Ab Montag dürfen die meisten Läden wieder öffnen. Hygienekonzepte mit Mundschutz, Handschuhen und Abstandsregelungen lassen sich sicher noch präziser vorgeben. Die Ladengröße von 800 Quadratmetern dagegen scheint noch interpretationsbedürftig zu sein, obwohl die Vorgabe klar ist: Läden, die eine größere Verkaufsfläche haben, bleiben weiterhin geschlossen. Was Kirchheim angeht, sagt Oberbürgermeister Pascal Bader: „Wir prüfen erst einmal, welche Geschäfte betroffen sind.“

Er rechnet aber schon mit der Frage, ob ein Laden einzelne Bereiche absperren kann, sodass er die Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter drückt. Dabei hängt es ja nicht wirklich an der Ladengröße als solcher: „Es geht darum, dass die großen Geschäfte Publikumsmagnete sind, die die Leute in die Städte ziehen. Und das will man verhindern.“ Pascal Bader nennt insbesondere die Elektonikmärkte als große Magneten.

Würden diese ihre Verkaufsfläche verkleinern und trotzdem die Massen anziehen, wäre das kontraproduktiv: Menschenansammlungen, die man wegen der Ansteckungsgefahr ohnehin vermeiden will, würden sich dann auf weniger Raum verteilen. Alle Anstrengungen der vergangenen fünf Wochen, das Virus zurückzudrängen, wären vergebens gewesen.

Die Ladenöffnung am Montag ist aber stark von der Branche abhängig. Kirchheims Pressesprecher Robert Berndt verweist darauf, dass Friseure erst wieder am 4. Mai öffnen dürfen, und ergänzt: „Dann werden die Kosmetikstudios nachfragen und auch für sich die Öffnung einfordern.“

Gastronomen trifft es hart

Hotels und Gaststätten trifft es besonders hart. Für sie gibt es noch kein Datum, zu dem sie den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. „Da ist die Enttäuschung sicher groß“, meint Oberbürgermeister Bader. Er rechnet mit einem Extra-Rettungspaket für die Branche. Persönlich kann er sich immerhin vorstellen, die Sondernutzungsgebühren, die die Stadt für die Außenbewirtung erhebt, für 2020 ganz oder teilweise zu erlassen: „Das wäre folgerichtig, wenn die Gastronomen die Flächen gar nicht nutzen können.“ Entscheiden müsse darüber aber der Gemeinderat. Noch etwas anderes sieht Pascal Bader als folgerichtig an: dass die Gastronomie in der nächsten Runde berücksichtigt wird, wenn Bund und Länder über weitere Lockerungen beraten. „Es ist sinnvoll, auf Sicht zu fahren und im Rhythmus von zwei bis drei Wochen neu zu entscheiden.“

Zurück zum Einzelhandel: Karl-Michael Bantlin, Vorsitzender des City Rings, spricht sicher allen Mitgliedern der Kirchheimer Händler-Gemeinschaft aus dem Herzen, wenn er sagt: „Wir freuen uns, dass wir am Montag wieder aufmachen können. Wir sind froh, dass die Kunden wieder kommen dürfen und dass wir sie wieder beraten dürfen.“ Die Online-Beratung sei zur Überbrückung gut gewesen: „Aber sie kann die Beratung vor Ort im direkten Kontakt sicher nicht ersetzen.“

Die meisten Läden in Kirchheims Innenstadt sind von der 800-Quadratmeter-Regel nicht betroffen, stellt Karl-Michael Bantlin klar. Aber auch für diejenigen, die darüber liegen, lasse der Einzelhandelsverband prüfen, ob sie bei reduzierter Verkaufsfläche öffnen dürfen. Mit einer Quadratmeterzahl zu argumentieren, hält er für schwierig, gibt aber offen zu: „Ich möchte da keine politische Entscheidung treffen müssen.“

Mit einem riesigen Boom rechnet Karl-Michael Bantlin nächste Woche trotz allem nicht: „Das zeigen die Erfahrungen aus Öster­reich. In den 1a-Lagen haben die Läden dort 40 Prozent weniger Frequenz, in den anderen Lagen zwischen 50 und 90 Prozent.“ Das Dilemma bleibt also: Für den Handel sind solche Zahlen verheerend, für den erfolgreichen Kampf gegen das Virus sind sie unabdingbar.

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