Kirchheim

„Sie war schon immer mein bester Kumpel“

Elvira und Anton Köhler sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet

Das Ehepaar Köhler freut sich auf die kommenden Jahre. Foto: Jean-Luc Jacques
Das Ehepaar Köhler freut sich auf die kommenden Jahre. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Lachend sitzen Elvira und Anton Köhler in ihrem gemütlichen Wohnzimmer und erinnern sich an die vergangenen 60 Jahre.

Die beiden haben sich auf der Hochzeit seines ältesten Bruders und ihrer Cousine kennengelernt. Zur damaligen Zeit hat sie in Schwäbisch Hall und er in Langenau gewohnt. Um sich zu treffen, mussten die zwei jedes Mal einen weiten Weg auf sich nehmen. Doch wann immer es eine Mitfahrgelegenheit gegeben hat, haben sich die beiden jungen Menschen gegenseitig besucht.

Schon früh ist Anton Köhler Vollwaise geworden und hat deshalb bei seinem älteren, verheirateten Bruder gewohnt. „Mir war klar, ich sollte heiraten“, erzählt er. Wen er heiraten wollte, wusste er genau. Doch seine Auserwählte, Elvira, wollte das gar nicht und ist bei ihren Eltern geblieben. „Ich bin ein Familienmensch und war gern daheim. Ich wollte nicht nach Langenau ziehen“, gesteht sie.

Elvira Köhlers Eltern haben in Wernau ein Haus gebaut, in das die Familie 1955 gezogen ist. Damals herrschte einige Zeit Funkstille zwischen den zwei jungen Menschen. Anton Köhler musste damals einsehen, dass eine Hochzeit zu überstürzt gewesen wäre. Deshalb ließ er es dann langsamer angehen. „Er war richtig verliebt in mich und hat mich sogar beschenkt“, berichtet Elvira Köhler lachend. Einige Zeit später zog Anton Köhler dann auch in das Haus in Wernau ein.

Am 12. Mai 1956 haben die beiden dann geheiratet. Ein Jahr später kam die erste Tochter zur Welt, ein weiteres Jahr darauf die zweite. Auch das dritte Kind ließ nicht lange auf sich warten. Die Familie lebte einige Jahre in Wernau, bis Anton Köhler eine ungewöhnliche Idee hatte: er möchte auswandern. Ein eigenes Haus war schon lange sein Traum, doch in Deutschland hat er dafür keine Möglichkeit gesehen. „Ich wollte sehen, ob das woanders nicht besser geht“, erinnert er sich. Er und ein guter Freund haben sich gemeinsam dafür entschieden, nach Kanada zu ziehen. Bei der Auswanderungsberatung wurde ihnen davon allerdings abgeraten. Stattdessen sollen sie es lieber in Südafrika versuchen. Ein Arbeitskollege von Anton Köhler konnte das nur bestätigen. Er hat selbst schon dort gelebt und viel über das Land erzählt. „Er hat mir so viel Mut gemacht. Ich war plötzlich ganz überzeugt“, erzählt Anton Köhler, der als Werkzeugbauer gearbeitet hat.

Für seine Frau war die Vorstellung, auszuwandern, ganz schrecklich. Sie sollte ihre ganzen Möbel verkaufen, die Familie zurücklassen und konnte noch nicht einmal die Sprache. Doch nach langer Überzeugungsarbeit hat Elvira Köhler zugestimmt und ist mit Kindern und Mann am 23. September 1963 in den Flieger nach Südafrika gestiegen. „In den ersten Nächten dort haben die Kinder nur geheult“, erzählt sie. Bei Johannisburg hat die Familie später dann ein Haus gebaut und noch mal Zuwachs bekommen. Durch eine evangelische Gemeinde haben sie viele Freude gefunden. Die Offenheit der Menschen dort schätzen Elvira und Anton Köhler sehr.

Nach genau zehn Jahren hat sich das Paar entschlossen, wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Die Kinder haben sich in Südafrika heimisch gefühlt und wollten ihr neues Zuhause nicht verlassen. Allen voran der Sohn des Ehepaars. Ihm hat das Land später so gefehlt, dass er nach Jahren wieder dorthin zurückgegangen ist.

Die erste Zeit haben die Sechs in Wernau gewohnt, dann hat die Familie in Ötlingen das Haus gebaut, in dem Elvira und Anton Köhler heute noch wohnen. Die ganze Verwandtschaft hat die Heimkehrer tatkräftig unterstützt. „Wir haben viel Glück in unserem Leben gehabt“, erinnert sich das Ehepaar. Am glücklichsten sind sie über ihre große Familie, mit den mittlerweile vier Urenkeln.

60 Jahre verheiratet zu sein ist etwas Besonderes, vor allem in der heutigen Zeit. „Es ist ein Miteinander und Füreinander“, weiß Elvira Köhler. Das ist unter anderem das Rezept der beiden für ein langes Beisammensein. „Sie war schon immer mein bester Kumpel“, ergänzt Anton Köhler. Wie sehr er seine Frau schätzt, wird spätestens dann klar, als er sagt: „Wenn wir sie nicht hätten, wäre das eine Katastrophe“. Sie ist der Ruhepol in der Familie, immer lebensfroh und sehr harmonisch. Wenn sie mal nicht singt oder lacht, macht sich Anton Köhler schon Gedanken, ob etwas nicht stimmt.

Bei einem leckeren Essen feiert das Paar morgen gemeinsam mit der Familie die diamantene Hochzeit.

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