Kirchheim

Skandal am Rollschuhplatz

Musik Die „Spider Murphy Gang“ spielt am 24. Juni beim Rollschuhplatz-Open-Air. Es ist das größte Projekt, das die Bastion-Macher bisher gewagt haben. Von Günter Kahlert

Seit 40 Jahren spielen Günther Sigl (links) und Barny Murphy schon zusammen. In Kirchheim bringen sie ihre E-Gitarren mit.Foto:
Seit 40 Jahren spielen Günther Sigl (links) und Barny Murphy schon zusammen. In Kirchheim bringen sie ihre E-Gitarren mit.Foto: Günter Kahlert

Leicht war die Entscheidung nicht. Eigentlich stand das „Rollschuhplatz-Open-Air“ schon auf der Kippe. Es findet alle zwei Jahre statt, zeitgleich mit dem Kirchheimer Haft- ond Hokafescht. Doch für die Betreiber lief es immer zäher, die Stadtfestbesucher wollten auch den kleinen Eintritt von fünf oder drei Euro nicht bezahlen, kurz: die Macher von der Bastion hatten keine Lust mehr, so weiterzumachen. Ganz oder gar nicht - das stand zur Debatte Anfang 2016. Die Entscheidung fiel dann eindeutig. Am Samstag wird als Knaller die „Spider Murphy Gang“ spielen, am Sonntag ist der Eintritt frei.

Den Bastion-Organisatoren war anfangs trotzdem nicht ganz wohl: „Wir haben uns echt aus dem Fenster gelehnt. Das ist eine Größenordnung, die haben wir bei der Bastion noch nie gehabt“, erzählt Günther Scheuring, einer der Initiatoren und selbst Musiker. Wenn das mit den „Spiders“ schiefläuft, hätte die Bastion finanziell ein großes Problem. Lief es nicht: Im September 2016 wurde die Entscheidung bekannt gegeben, Ende des Jahres war man mit dem Kartenverkauf bereits auf der sicheren Seite.

Garant für diesen Erfolg ist die Münchner Band. Sie ist ein Phänomen, ist Kult und hat so gar nichts mit den abgetakelten Oldie-Bands zu tun, die durch die Lande tingeln, um mit ihrem alten Zeug noch mal Kasse zu machen. Die Bayern sind nach wie vor ein Bühnenerlebnis, räumen ab, begeistern ihr Publikum. Ein Konzert mit ihnen ist wie ein Treffen mit guten, alten Bekannten. In Deutschland dürfte die „Spider Murphy Gang“ einen Bekanntheitsgrad haben, den auch Coca Cola, Mercedes oder die Rolling Stones nicht übertreffen dürften. Selbst wenn die Hoch-Zeit der Gruppe mehr als 30 Jahre zurückliegt, viele ihrer Titel gehören zum deutschen „Liedgut“. Schon in den 80er-Jahren mochte fast jeder zwischen 15 und 35 die „Spider Murphy Gang“, selbst wenn man eigentlich auf Hardrock oder Punk stand.

Im Mittelpunkt bei Liveauftritten sind immer noch die beiden verbliebenen „Macher“: der Gitarrist Barny Murphy (alias Gerhard Gmell) und vor allem Günther Sigl. Sigl steht hinter der Musik und den Texten und ist seit stolzen 40 Jahren die Stimme der Band, oft wird er auch als „Ober-Spider“ bezeichnet. Im Februar feierte Günther Sigl seinen 70. Geburtstag - in dem Alter sind viele längst in Rente. Er muss lachen, wenn man ihn darauf anspricht: „Ja klar, immerhin bekomme ich 179 Euro und 9 Cent Rente für die paar Jahre, die ich als Bankkaufmann gearbeitet habe. Das reicht wenigstens für meinen Lieblings-Italiener.“ Aber mal ehrlich: „70 ist halt eine Zahl, mehr nicht.“

Also nichts mit Ruhestand - zwischen 80 und 100 Auftritte hat die Band jedes Jahr. „I ziag‘s net aus, meine Rock-‘n‘-Roll-Schua“, möchte man einen der ersten Hits aus seiner Feder zitieren. Finan­ziell braucht Günther Sigl weder seine Mini-Rente noch die Auftritte. Allein der Party-, Bierzelt-, Wies‘n-Hit „Skandal im Sperrbezirk“ bringt ihm Unabhängigkeit und „Tantiemen für die Ewigkeit“, wie es ein Kollege mal formulierte. „Da leben meine Erben noch davon“, meint er schmunzelnd. Er muss nicht spielen, er will spielen, er genießt es. Das ist bei den Auftritten der „Spiders“ in jeder Sekunde spürbar. Auch nach all der Zeit ist es für ihn noch ein Gänsehautgefühl, wenn mehr als 1 000 Fans bei den ersten Takten von „Schickeria“ spontan von den Sitzen hochschnellen, klatschen, mitsingen.

Danach ist die Party nicht vorbei

Die Rock-‘n‘-Roll-Party inklusive Nostalgie satt für den Samstagabend des Rollschuhplatz-Open-Airs ist also garantiert. Das „Warm-up“ für die Spiders macht die Bastions-Band. Doch auch der Sonntag auf dem Rollschuhplatz verspricht Spaß: Ab 11 Uhr gibt es ein Frühstück - „Country goes Weißwurscht“ - mit den Bands Johnny Trouble und Mountain Mirror, ab 13.30 Uhr steht die Musikschule auf der Bühne, um 15.30 Uhr gibt‘s für die Kleinen das Clowntheater „Ätschegäbele“.

Ab 17.30 geht‘s ins Rollschuhplatz-Finale am Stadtfest-Wochenende. Erst treten „Groove Digger“ mit ihren verblüffenden Rock-Mixes auf, und dann gibt es etwas komplett Verrücktes: „She‘s got Balls“ als AC/DC-Tribute. Ausgerechnet eine Frauenband, die Songs der australischen Ober-Machos detailgetreu covert. Das könnte spannend werden.

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