Kirchheim

Skitalent trifft Frauenpower

Wirtschaft Philipp Hauff übernimmt das Friseurgeschäft von seinem Vater Max und führt es in dritter Generation weiter. Seine Schwester Lena steht ihm zur Seite, gemeinsam mit neun weiteren Damen. Von Thomas Zapp

Vater Max übergibt das Geschäft an Sohn Philipp Hauff. Beide wissen: „Ohne die Frauen geht nichts.“ Foto: Jean-Luc Jacques
Vater Max übergibt das Geschäft an Sohn Philipp Hauff. Beide wissen: „Ohne die Frauen geht nichts.“ Foto: Jean-Luc Jacques

Zehn Frauen und zwei Männer zeigt das Team-Foto. Die Männer sind Vater Max und Sohn Philipp, die den Friseursalon Hauff in zweiter und nun in dritter Generation führen. „Es sind aber die Frauen, die das Geschäft geprägt haben“, betont Max Hauff. Der Firmensitz in der Gerberstraße ist zum Beispiel der Tatsache geschuldet, dass Firmengründer Fritz Hauff 1950 eine gewisse Frau Luise Mammele ehelichte, deren Familie der „Goldene Adler“ gehörte, damals Kirchheims größter Versammlungssaal. Der lag damals in der Max-Eyth-Straße direkt ums Eck des heutigen Friseursalons. Das führte dazu, dass Friseurmeister Fritz Hauff mit seinem 1934 gegründeten Geschäft von der Dettinger Straße in die Gerberstraße umzog, wenige Meter von der Gaststätte seiner Schwiegereltern entfernt.

Frauen haben in der 85-jährigen Geschichte des Friseurgeschäfts eine tragende Rolle gespielt. Mitarbeiterin Erika Bommer hat schon bei Opa Fritz angefangen und ist seit 52 Jahren im Geschäft, Svenja Salgin ist seit 40 Jahren die gute Seele im Haus, Christiane Fieber und Helga Mück haben ebenfalls beim Firmengründer angefangen. Max Hauffs Schwester Christine hat wie er bei seinem Vater gelernt. Und künftig wird der 31 Jahre alte Neu-Chef Philipp Hauff zwar die Geschäftsführung innehaben, seine drei Jahre ältere Schwester Lena führt aber den Damensalon. „Ich könnte gar nicht ohne sie“, sagt er. Vorbild dafür sind Vater und Tante.

Dass der neue Geschäftsführer einmal den Familienbetrieb seines Vaters übernehmen würde, war nicht von vornherein klar. Philipp Hauff galt als Kirchheims größtes Ski-Talent, gewann 15 Landesmeisterschaften und schaffte es bis in den deutschen C-Kader. Großvater Fritz ist zudem einer der Mitbegründer der Skiabteilung des VfL Kirchheim. „Kurzzeitig hatte ich an eine Profikarriere gedacht“, erzählt er. Dass er sich dann aber doch für den Friseurberuf entschieden hat, bereut er bis heute nicht. Das hat er auch seinem Vater zu verdanken. „Wir schaffen zusammen wie eine Eins“, sagt Max Hauff. „Mein Vater war autoritär, aber ich bin eher der ruhigere Typ“, sagt er - und wird von Sohn Philipp bestätigt.

Die Arbeit bleibt die gleiche, aber Philipp Hauff sieht einen großen Unterschied zur Arbeit seines Vaters und Großvaters. „Jeder hat heute Youtube und kommt mit Videos, die zeigen, wie die Haare geschnitten werden sollen“, erzählt er. Männer seien eitler geworden wüssten heute genau, was sie wollen - 2014 war das zum Beispiel die Frisur von WM-Torschütze Mario Götze. Das sei heute die größte Herausforderung: eine gute Kommunikation mit dem Kunden und damit seine Treue zu erhalten. Das geht nicht nur mit Haareschneiden alleine. Deswegen gibt es bei Philipp Hauff eine Kaffeebar im Salon und sogar eine eigene Bier-Marke. Das nennt man Kundenbindung. Sorgen bereitet auch im Friseurhandwerk der berufliche Nachwuchs. „Wir könnten sofort drei neue Mitarbeiter einstellen“, sagt er. Der Reiz seines Jobs liegt in dem Raum für Kreativität und dass er immer mit Menschen zu tun hat: „Ich könnte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen.“ Am 4. Mai wird es besonders menscheln im Salon Hauff: Dann gibt es ein kleines Fest zum Generationenwechsel, mit Essen und Trinken für Kunden und Freunde.

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