Kirchheim

So „heiß“ war die Party eigentlich nicht geplant

Brand Das Feuer in der Kirchheimer Kornstraße hat nicht nur das „Incanto“ lahmgelegt. Auch die Steuerberaterkanzlei Riecker und Partner kann hier nicht mehr arbeiten. Von Irene Strifler

Michael Bösinger und Ute Schauz begutachten fassungslos das, was zehn Jahre lang ihr Büro war.Foto: Carsten Riedl
Michael Bösinger und Ute Schauz begutachten fassungslos das, was zehn Jahre lang ihr Büro war. Foto: Carsten Riedl

Für Anhänger des VfB Stutt­gart ist Heidenheim ein rotes Tuch. Für Michael Bösinger dagegen bedeutet der Ort an der Brenz die Rettung. Bösinger hat gemeinsam mit Ute Schauz vor genau zehn Jahren die Steuerberatungsgesellschaft Riecker und Partner übernommen. Und die wiederum hat ihren Sitz über dem Res­taurant Incanto in der Kirchheimer Kornstraße. Hatte, besser gesagt.

Im Incanto ist bekanntlich vor gut einer Woche nachts ein Feuer ausgebrochen. Das Lokal ist zerstört. Die Feuerwehr konnte das betagte Fachwerkhaus retten, indem sie die Zwischendecken zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Stock aufriss und so direkt die Flammen bekämpfte. Eile war geboten, einige Balken hatten schon zu glimmen begonnen.

Glück im Unglück: Alle Menschen konnten sich rechtzeitig aus dem Haus retten, und die Wohnungen im Dachgeschoss sind auch wieder beziehbar. Die Steuerkanzlei aber hat es heftig getroffen. „Unser Jubiläumsfest war sozusagen eine heiße Party“, meint Michael Bösinger sarkastisch. Tatsächlich haben Feuer und Löscharbeiten die Büroräume im Herzen Kirchheims auf Monate hinaus unbenutzbar gemacht.

Sämtliche Fachliteratur ist verkokelt, die Möbel sind weitgehend kaputt, selbst die Aktenordner müssen erst einer fachmännischen Spezialbehandlung unterzogen werden, einer sogenannten „Ozonisierung“, ehe sie den Mandanten zurückgegeben werden können.

Löscharbeiten vor gut einer Woche in der Kornstraße. Die Treppe führt zu Riecker und Partner hinauf.Foto: SDMG/Kohls
Löscharbeiten vor gut einer Woche in der Kornstraße. Die Treppe führt zu Riecker und Partner hinauf.Foto: SDMG/Kohls

Immerhin: „Bei uns sind alle Daten digitalisiert, und der Server steht in unserer Dependence in Heidenheim“, berichtet Michael Bösinger. An die Brenz müssen wohl auch einige Mitarbeiter zunächst einmal pendeln. Zwar sind der Wirtschaftsprüfer und die Steuerberaterin auf der Suche nach einer vorübergehenden Bleibe für ihr Büro, doch ganz so schnell geht das nicht.

Und bis das ursprüngliche Domizil in der Kornstraße, in dem schon Steuerberater Riecker zwei Jahrzehnte lang seiner Arbeit nachging, wieder beziehbar ist, werden noch Monate ins Land gehen. Ges­tern waren die Versicherungsvertreter vor Ort, um den Schaden aufzunehmen. „Vor Oktober werden wir kaum wieder dort arbeiten“, meint Bösinger, der schon einige verdutzte Mandanten wegschicken musste.

Als Wirtschaftsprüfer ist er selbst natürlich auch oft auf Außenterminen bei Kunden. Darüber hinaus zeigt die Digitalisierung einmal mehr ihre Vorteile: Nicht nur, dass alle Daten in Heidenheim in Sicherheit sind, auch der Laptop kann das Büro schon mal ersetzen.

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