Kirchheim

Sportvereine können Bescherung feiern

Etat Mit der Verabschiedung des Doppelhaushalts beschließt der Kirchheimer Gemeinderat, die umstrittene Beteiligung an den Betriebskosten für die städtischen Hallen dauerhaft abzuschaffen. Von Andreas Volz

Kirchheim verlangt von den Sportvereinen nicht mehr, dass sie sich an den Betriebskosten der Hallen beteiligen. Symbol-Foto: Mar
Kirchheim verlangt von den Sportvereinen nicht mehr, dass sie sich an den Betriebskosten der Hallen beteiligen. Symbol-Foto: Markus Brändli

In Zeiten guter Kassenlage für ein Jahr aussetzen: So hatte es der Kirchheimer Gemeinderat im vergangenen Jahr für die Betriebskostenbeteiligung der Sportvereine beschlossen. Letztlich war das der Einstieg in den Ausstieg. Jetzt hat der Gemeinderat diesen Kostenpunkt für die Vereine komplett abgeschafft.

Nach langwierigen und zähen Verhandlungen hatte die Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Stadtverband für Leibesübungen vor Jahren einen Kompromiss erarbeitet, demzufolge die Sportler einen Bruchteil der Kosten für Strom, Heizung und Wasser hätten übernehmen müssen, die für die Stadt entstehen, wenn die Vereine die städtischen Hallen nutzen. Dabei war es weder um eine Miete gegangen noch um eine Hallennutzungsgebühr. Es blieb bei der sperrigen Bezeichnung „Betriebskostenbeteiligung“.

Vor allem im Schulterschluss von SPD und Freien Wählern ist es dem Gemeinderat nun gelungen, dieses Thema endgültig vom Tisch zu wischen: Die Aussetzung im laufenden Jahr wird fortgeschrieben, und zwar dauerhaft. Die Stadt Kirchheim zahlt also künftig wieder 100 Prozent der Betriebskosten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Marc Eisenmann hatte die 45 000 Euro, die im Haushaltsplan als Einnahmen durch die Betriebskostenbeteiligung vorgesehen waren, einerseits zu einer Bagatellsumme erklärt: „Das bringt dem Haushalt der Stadt nicht viel.“ Andererseits aber bedeute der Anteil, den jeder einzelne Verein an dieser Gesamtsumme hätte aufbringen müssen, „für viele Vereine eine große Belastung“.

Diese Einnahme aus dem Breitensport wollte Marc Eisenmann gedanklich „verrechnen“ mit einem Zuschuss von 110 000 Euro, den der Gemeinderat den Kirchheimer Profi-Basketballern zugestanden hat. Zudem helfe der Verzicht auf die Betriebskostenbeteiligung der Stadt sogar dabei, viel Geld zu sparen: „Ohne die wertvolle Arbeit der Sportvereine müssten wir viel mehr Geld ausgeben für Soziales.“

Einen anderen Kostenpunkt stellte Ralf Gerber (Freie Wähler) zur Diskussion: „Unter rund 300 Personen, die zum Zukunftsdialog gekommen sind, gab es höchs­tens 70 persönlich Interessierte, die nicht für irgendwelche Organisationen da waren. Wenn so eine Veranstaltung alleine 20 000 Euro kostet, dann brauchen wir auch keine Nebenkostenbeteiligung.“

Vorerst keine Hallenbadplanung

Eine ähnlich intensive Diskussion gab es bei der abschließenden Haushaltsberatung im Gemeinderat auch zu einer anderen Art von Hallensport: Stefan Gölz (SPD) forderte, bereits im Doppelhaushalt 2020/21 Planungsmittel für ein neues Hallenbad bereitzustellen.

Ulrich Kübler (Freie Wähler) sah dafür allerdings keinen Grund: „Wir wissen ja gar nicht, wie viele von den 32 000 Kirchheimer Wahlberechtigten wirklich ein Hallenbad wollen.“ Zudem seien die bestehenden Verträge mit der Gemeinde Dettingen einzuhalten. Wenn dann also tatsächlich 2030 ein neues Hallenbad in Kirchheim stehen soll, wäre es viel zu früh, jetzt schon mit den konkreten Planungen zu beginnen: „Das wäre rausgeschmissenes Geld, zumal wir jetzt noch gar nicht wissen, wie sich die Bauvorschriften bis 2030 noch verändern werden.“

Zusätzlich schlug Ulrich Kübler vor, noch einmal ganz neu über die Standortfrage für ein Hallenbad nachzudenken: „Am Standort Freibad wollten wir eigentlich einmal Synergieeffekte nutzen - mit einem gemeinsamen Eingang und gemeinsamen Umkleiden für Frei- und Hallenbad. Jetzt haben wir für viel Gelde neue Umkleiden gebaut, aber an einer ganz anderen Stelle auf dem Freibad-Gelände.“ Deshalb sei jetzt eher über einen Hallenbad-Neubau in Bahnhofsnähe nachzudenken. Der Standort wäre verkehrsgünstig und für die meisten Schüler gut zu erreichen.

Welche Argumentation und welches Kalkül letztlich dahinterstecken mag: Der Gemeinderat hat sich mit 23 zu acht Stimmen dagegen ausgesprochen, jetzt schon Mittel einzuplanen, um den Hallenbadbau vorziehen zu können.

Dafür aber konnten die Ötlinger noch einen Erfolg für sich verbuchen: Bürgermeister Günter Riemer sagte zu, dass die Lindorfer Straße auf Höhe der Eduard-Mörike-Halle rechtzeitig zur Eröffnung des Hallenneubaus 2021 komplett saniert sein soll.

Damit war ein Haushalt verabschiedungsreif, der für 2020 im Ergebnishaushalt ein Defizit von 3,72 Millionen aufweist. 2021 gibt es dafür ein vergleichsweise kleines Plus von 800 000 Euro.

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